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Waldbrände in Griechenland : Wind aus, Strom an

Das schlimmste ist vorbei - doch jetzt kommt die Angst vor dem Regen Bild: REUTERS

In den Waldbrandgebieten auf dem Peloponnes scheint das Schlimmste vorbei zu sein. Tausende Menschen kommen nun aus der Katastrophenregion zu den Banken, um die von der Regierung versprochenen 3000 Euro Soforthilfe abzuholen - manchmal kommen sie auch zweimal.

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          Dieses Mal können die Männer abwarten, bis das Feuer zu ihnen kommt. Zäh wälzen sich die Flammen den Hang hinab. Als sie in Reichweite sind, rückt die Gruppe aus Feuerwehrleuten, Soldaten und freiwilligen Helfern vor. Dieser Brand ist bald gelöscht. Doch schon auf dem Weg zurück zur Straße macht den Männern der rot leuchtende Widerschein bewusst, dass ihr Arbeitstag noch die ganze Nacht hindurch dauern wird.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Am späten Mittwochnachmittag war Alarm geschlagen worden: Ein neuer besorgniserregender Großbrand in der Umgebung des Ortes Karitena im bergigen Hinterland des Peloponnes ist entfacht worden. Die Feuerwand schließt sich am späten Abend zu einem kilometerlangen Ring, mehrere Dörfer werden evakuiert.

          Sie löffeln hastig ihr Abendessen

          Es sieht aus, als wäre eine gewaltige Lichterkette über die Landschaft gelegt worden, die nun die Dunkelheit durchbricht. Die geduckten Flammen schießen nur gelegentlich empor. Es wirkt fast friedlich.

          Bei der Ausgabe der Soforthilfe für die Katastrophenopfer in Zacharo

          Ein Zug Soldaten sitzt auf der Serpentinenstraße und wartet auf weitere Befehle, in den menschenleeren Orten sitzen Feuerwehrleute am Straßenrand und löffeln hastig ihr Abendessen. Hin und wieder fahren Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht vorbei.

          „Wir bleiben und kämpfen weiter“

          „Zum Glück ist der Wind abgeflaut“, sagt ein Feuerwehrmann. So werde die Flammenwand nicht zu einer unkontrollierbaren Feuerwalze. „Wir bleiben und kämpfen weiter“, kündigt ein Feuerwehrsprecher am späten Mittwochabend an.

          Die Waldbrände scheinen auf dem westlichen Peloponnes weitgehend unter Kontrolle zu sein, für Entwarnung ist es aber noch zu früh. Sollte der Wind wieder stärker werden, drohen neue große Brände. Die Feuerfront scheint sich inzwischen ostwärts in Richtung Arkadien zu bewegen.

          „Wir hoffen, dass wir nicht in Vergessenheit geraten“

          In Artemida, wo die Feuer besonders grausam gewütet hatten, verteilt Pater Ulysses Hilfsgüter, die mit Lastwagen in die Bergdörfer der Katastrophenregion gebracht werden. Strom und fließend Wasser gibt es noch immer nicht, auch wenn die griechische Regierung am Mittwochabend meldet, dass inzwischen knapp dreihundert Dörfer wieder an das Elektrizitätsnetz angeschlossen worden seien - bis zum Wochenende sollen noch einige Dutzend hinzukommen.

          In einer Garage werden Wasser, Kleidung, Lebensmittel und Plastikstühle gelagert. Und während sich in Großstädten wie Athen und Saloniki Zehntausende Menschen auf der Straße versammeln, um die Regierung für ihr schlechtes Krisenmanagement abzustrafen, richten sich die Augen des Dorfpfarrers schon auf die nächste Bedrohung: „Wir können jetzt nur hoffen, dass wir nicht in Vergessenheit geraten“, sagt der Geistliche. Mit der nahenden Regenzeit drohten Überschwemmungen, weil das Wasser in dem verbrannten Boden nicht versickern könne.

          Auch das drohende Unheil kann sie nicht vertreiben

          Die Menschen im Dorf sind im Angesicht der Katastrophe nah zusammengerückt. Die meisten Häuser sind zerstört, also haben Nachbarn oder Verwandte die Obdachlosen aufgenommen. „Sie fühlen sich nicht als Flüchtlinge, sie gehen hier nicht weg“, sagt Pater Ulysses.

          Die meisten Menschen seien alt und würden das Dorf auch in normalen Zeiten nicht verlassen. Sie seien zu tief verwurzelt, als dass das derzeitige oder auch das drohende Unheil sie vertreiben würden. Das Lager, das Hilfsorganisationen am Strand der Kleinstadt Zacharo auf einem Campingplatz errichtet haben, wirkt wie eine Geisterstadt. Nur ein paar Helfer sind dort untergekommen.

          Zweimal auszahlen lassen

          Viel größer ist der Andrang in den Banken der Kleinstadt. Die Menschen aus der Katastrophenregion sind gekommen, um die von der Regierung versprochenen 3000 Euro Soforthilfe abzuholen. Tausende sind es schon am Mittwoch, und auch am Donnerstag drängeln sich die Leute in den Geldinstituten.

          Die Unterschrift unter eine eidesstattliche Erklärung genügt. Schon am Donnerstag sind die Zeitungen voll von Berichten über Zahlungen an Opfer, die keine waren - oder über echte Opfer der Brände, die sich das Geld in verschiedenen Banken einfach zweimal auszahlen ließen.

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