https://www.faz.net/-gum-vbbb

Waldbrände in Griechenland : Noch immer sind ganze Dörfer bedroht

Eine alte Frau in den Trümmern ihres Hauses in Platanos Bild: AP

Auch am Dienstag hat sich bei den verheerenden Waldbränden Griechenlands keine Entspannung abgezeichnet. Inzwischen haben die Flammen bereits eine Fläche von der Größe des Saarlands vernichtet.

          3 Min.

          Auch am Dienstag hat sich bei den verheerenden Waldbränden Griechenlands keine Entspannung abgezeichnet. Auf dem Peloponnes gingen zwar auf einigen Bergen die Feuer zurück, auf anderen fachte der heftige Wind die Brände aber wieder an. 56 neue Brände seien in den vergangenen 24 Stunden gemeldet worden, zwei davon seien groß, meldete die griechische Feuerwehr am Dienstag (Siehe auch: Waldbrände in Griechenland: Augenzeugenberichte).

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Ein Sprecher sagte, er sei aber ziemlich optimistisch. In der Nacht zum Dienstag erreichten die Feuer auf der Insel Euböa die Gemeinde Seta. Dreihundert Einwohner wurden aus ihren Häusern in Sicherheit gebracht. Ebenfalls auf Euböa versuchten sechs Löschflugzeuge, die im Dauereinsatz standen, die Gemeinde Kymi vor der Zerstörung zu retten. Auf Euböa beteiligen sich auch türkische Löschflugzeuge.

          „Wir sind gerührt von der Hilfe

          Erstmals waren am Dienstag deutsche Hubschrauber im Einsatz. Sie landeten auf dem Militärflugplatz Andravida im Nordwesten der Halbinsel Peloponnes. Von dort aus starteten sie zu Flügen in das hügelige Hinterland von Olympia, wo sie Wasser abwarfen. Die Hubschrauber vom Typ CH 53 sind in der Lage, punktgenau 5.000 Liter Wasser abzuwerfen. Um die Hafenstadt Kalamata und um Sparta unterstützten sieben Hubschrauber aus der Schweiz und Österreich die griechische Feuerwehr.

          Feuerwehrleute aus mehreren europäischen Staaten kämpfen mit ihren griechischen Kollegen auf der Insel Euböa und auf der Peloponnes gegen die Flammen. Im Einsatz sind 15 ausländische Löschflugzeuge und 18 Hubschrauber aus Deutschland, Frankreich, Spanien, Norwegen, der Türkei, Italien, der Schweiz, Österreich, Israel und Serbien. „Wir sind gerührt von der Hilfe, die wir erhalten haben. Wir sind dankbar“, sagte der griechische Regierungssprecher Theodoros Roussopoulos.

          Soforthilfe von 200 Millionen Euro versprochen

          Nach vorläufigen Schätzungen haben die Feuer in ganz Griechenland 110 Dörfer ganz oder teilweise zerstört. Mutmaßlich wurden Tausende Häuser ein Opfer der Flammen. Die Zahl der Todesopfer wurde am Dienstag mit 64 angegeben, mehrere tausend Menschen wurden obdachlos. Viele verloren ihre Existenz, die Gefahr von Seuchen nimmt zu. Ministerpräsident Kostas Karamanlis sagte den Familien der Todesopfer und den Geschädigten am Dienstag „großzügige Hilfe“ zu.

          Sie müssten sich eine Zukunft in ihren Dörfern vorstellen können. Karamanlis sprach von einer Soforthilfe von 200 Millionen Euro. Seit Dienstag können Geschädigte Anträge stellen. Obdachlose sollen jeweils 3.000 Euro erhalten. Vorgesehen sind auch zinslose Kredite. Die Regierung rief die Bürger zu Spenden auf. Griechische Reeder zahlten mehrere Millionen Euro auf Hilfskonten.

          Nicht für politischen Streit nutzen

          Karamanlis rief seine Landsleute zu Solidarität und Eintracht auf. Es dürfe bei dieser „nationalen Tragödie“ keinen Raum für politischen Streit geben. Oppositionsführer Papandreou warf der Regierung vor, davon ablenken zu wollen, dass sie bei der Krise versagt habe. Das griechische Volk sei von der Regierung Karamanlis enttäuscht. Die Regierung sei nicht in der Lage, die Menschen zu schützen.

          Griechenland wählt am 16. September ein neues Parlament. Die Wahlumfragen waren bei Ausbruch der großen Waldbrände eingestellt worden. Karamanlis hatte am Montagabend Staatspräsident Karolos Papoulias über die Lage unterrichtet. „Wir fühlen uns alle, als ob wir geliebte Menschen verloren hätten“, sagte Karamanlis.

          Bereits sieben Anklagen wegen Brandstiftung

          Bei den Löscharbeiten seit Freitag der vergangenen Woche sind bislang sieben Feuerwehrleute schwer verletzt worden, 95 erlitten leichtere Verletzungen. Die griechische Armee soll in den kommenden Tagen Tierkadaver beseitigen. Seit Ausbruch der Brände wurden mehr als hundert Personen festgenommen, sieben von ihnen wurden wegen fahrlässiger Brandstiftung angeklagt.

          Die Waldbrände haben nach Angaben der EU-Kommission vom Dienstag in Brüssel eine Fläche von der Größe des Saarlands vernichtet. Insgesamt seien in diesem Jahr schon 268.834 Hektar Wald den Flammen zum Opfer gefallen, berichtete die Kommission unter Berufung auf das europäische Waldbrand-Informationssystem Effis.

          Löschflugzeuge und Hilfe aus fünfzehn Ländern

          Allein vom Freitag bis zum Sonntag verbrannten nach diesen Angaben 183.987 Hektar Wald. Grundlage für die Berechnungen sind Karten nach Satellitenaufnahmen. Die Wettervorhersage für Griechenland lasse aber auf eine Beruhigung der Lage hoffen, sagte eine Kommissionssprecherin. „Die Vorhersagen für die nächsten Tage zeigen, dass das Waldbrandrisiko in Griechenland allgemein und besonders auf der Halbinsel Peloponnes sinkt.“

          Nach Angaben der EU-Kommission sind inzwischen fünfzehn Länder Griechenland mit Löschflugzeugen oder Feuerwehrleuten zu Hilfe geeilt. So habe Spanien zwei Löschflugzeuge zusätzlich angeboten, was die Zahl auf zehn bringe. Auch Zypern, Polen und Schweden boten Hilfe an. Nach Angaben der Kommissionssprecherin verlangen einige EU-Staaten für ihre Hilfe allerdings einen finanziellen Ausgleich vom griechischen Staat. Unter ihnen seien neben Deutschland auch Schweden.

          Topmeldungen

          In eine neue Zukunft? Das neue SPD-Führungsduo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans

          Neue SPD-Spitze : Zwei Neulinge, viele Helfer

          Die SPD hat eine koalitionskritische Hinterbänklerin und einen Polit-Pensionär an die Spitze gewählt. Aber der Rest der Führung besteht aus Parteiprofis, die überwiegend regieren wollen. Wer sind sie? Eine Analyse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.