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Griechischer Feuerwehrmann : „Das Feuer ist ein Biest – respektierst du es nicht, hast du keine Chance“

  • -Aktualisiert am

Die Lage in Griechenland spitzt sich zu: Freiwillige Helfer unterstützten bei den Löscharbeiten und schlagen hinter einem Feuerwehrmann Flammen aus. Bild: dpa

Seit einer Woche kämpft Feuerwehrmann Akis Bardakis gegen die Waldbrände in seiner Heimat Griechenland. Im Interview spricht er über Respekt vor dem Feuer, den Klimawandel – und seine Begegnung mit einer Schildkröte.

          2 Min.

          Herr Bardakis, seit einer Woche kämpfen Sie gegen die Waldbrände in Ihrer Heimat. Sind Sie nicht müde?

          Die Arbeit bei so extremer Hitze ist immer lähmend. Wir haben eine gute Ausrüstung. Trotzdem ist es körperlich wahnsinnig anstrengend, aber das spürt man meistens erst nach der Arbeit. Währenddessen bemerkt man es oft gar nicht, einfach weil es Wichtigeres gibt: Menschen und ihr Hab und Gut retten. Wir trainieren jeden Tag um bei solchen Katastrophen möglichst fit zu sein. Aber Verletzungen und Atemprobleme sind Teil des Jobs. 

          Wie sieht Ihr Alltag gerade aus? 

          Wir sind rund um die Uhr erreichbar. Ständig brechen neue Feuer aus, auch in der Nähe von großen Städten wie Athen. Ich bin Teil einer Sondereinheit mit militärischen Spezialkräften. Wir werden von erfahrenen Piloten mit dem Hubschrauber direkt zu den Brandherden geflogen. So können wir das Feuer dort direkt bekämpfen.

          Haben Sie keine Angst?

          Ich habe Ehrfurcht und Respekt. Das Feuer ist ein Biest. Und wenn du es nicht respektierst, hast du keine Chance. Aber die Bevölkerung vertraut auf uns. Sie fühlen sich sicher: Sie wissen, dass wir alles in unserer Macht Stehende tun um sie zu schützen. Das macht Mut.

          Auf den täglich von der NASA veröffentlichten Satellitenbildern sind die aktuellen Brandherde markiert (Durchblättern mit den Pfeiltasten unten links).

          Sie mussten viele Griechen evakuieren. Wie reagieren die Menschen, wenn sie ihr Zuhause verlassen sollen?

          Wir wollen die Menschen retten, aber es ist manchmal schwierig, sie vom Gehen zu überzeugen. Da sind alte Menschen, Kinder, Tiere. Und sie sollen alles zurück lassen. Ein älterer Mann sagte zu mir: „Mein Junge, ich habe dieses Haus mit Schweiß und Blut gebaut und habe nicht vor, wegzugehen.“ In solchen Momenten muss man die richtigen Worte finden. 

          Belastet Sie das?

          Es ist traurig zu sehen, wie Menschen ihr Zuhause verlieren. Es ist nicht nur ein Dach über dem Kopf, es ist alles, was sie haben. Die Kleidung, die Bilder, die Erinnerungen. Ein ganzes Leben, das die Flammen innerhalb von Sekunden zerstören und das niemand wieder bringen kann.

          Feuerwehrmann Akis Bardakis päppelt eine Schildkröte auf.
          Feuerwehrmann Akis Bardakis päppelt eine Schildkröte auf. : Bild: privat

          Sie retten auch die Kleinsten – wie eine Schildkröte ...

          Als wir bei Drosia nach Stunden endlich das Feuer gelöscht hatten, überprüften wir den Wald. Da entdeckten wir eine Schildkröte und waren total überrascht, dass ihr Panzer noch unversehrt war. Also hoben wir sie hoch und sie bewegte ihren Kopf. Wir holten eine Schale mit Wasser, damit sie sich abkühlen kann. Sie trank etwas und lief dann los. Wir nahmen sie und brachten sie in ein Waldstück, das von den Flammen verschont geblieben war. Momente wie diese geben mir Kraft. Das ist der Lohn für alle Bemühungen: Zu sehen, dass wir etwas retten konnten. 

          Sie haben davon ein Foto gepostet und kommentiert mit den Worten: „Die Zukunft beginnt heute.” Was meinen Sie damit?

          Das Foto zeigt, was das Feuer angerichtet hat. Es ist aber auch ein Lichtblick, eine positive Botschaft: Die Zukunft beginnt jetzt. Und wenn so ein kleines Tier es irgendwie schafft, diese Katastrophe zu überstehen, dann schaffen wir das auch!

          Waldbrände sind in Griechenland nichts ungewöhnliches. Wird genug dafür getan, solche Katastrophen zu verhindern?

          Wir arbeiten den ganzen Winter daran, ein solch großes Feuer zu verhindern. Wir säubern unsere Wälder, die Waldwege, damit wir für den Sommer gerüstet sind. Gäbe es diese Vorbereitungen nicht, wären die Katastrophen noch viel größer. Aber die Wälder erstrecken sich über das ganze Land, und sie sind dicht bewaldet und voller Pinien. Die sind sehr leicht entzündlich.

          Das letzte zerstörerische Feuer ist erst drei Jahre her. Damals gab es viele Opfer. Wie nehmen Sie das wahr?

          Was in Griechenland passiert ist sind direkte Auswirkungen des Klimawandels. Diese Hitze- und Dürreperiode ist eine gigantische Naturkatastrophe. Wir haben Temperaturen jenseits der 45 Grad, gleichzeitig gibt es anderswo Taifune und Überschwemmungen. Wie in Deutschland, ich habe tiefes Mitleid mit den Opfern des Hochwassers. Und ich denke, das wird uns auch drohen: Im Winter fallen hier in Griechenland enorme Wassermengen, und die abgebrannten Wälder werden sie nicht zurückhalten können, nicht so wie früher. Die Erde schickt uns SOS-Signale. Wir müssen sie endlich hören.

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