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Waldbrände in Griechenland : „Es ist eine nationale Tragödie“

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Die Flammen sind bis in den Stadtkern der Hafenstadt Rafina vorgedrungen, hunderte Menschen retteten sich ins Meer. Bild: AFP

Die Flammen lodern bereits östlich und westlich Athens, in Rafina fliehen hunderte Menschen ins Meer. Der Zivilschutz spricht vom „schlimmsten Szenario“ – mindestens 60 Menschen kommen ums Leben, Tspiras ruft die Staatstrauer aus.

          Die schweren Waldbrände in Griechenland haben verheerende Folgen. Die Zahl der Toten bei den Bränden in einer Urlaubsregion östlich von Athen steigt nach Behördenangaben weiter an. Sie liege inzwischen bei über 60, sagte der Bürgermeister von Rafina, Evangelos Bournous, am Dienstag dem Fernsehsender Skai TV. Die Regierung hat bislang 50 Opfer gemeldet. Die Zahl der Verletzten bezifferte ein Regierungssprecher auf 172, darunter 16 Kinder. 11 Menschen schwebten in Lebensgefahr, teilte er mit.

          Besonders betroffen von den am Montagnachmittag ausgebrochenen Bränden ist der in der Region liegende Badeort Mati, etwa 29 Kilometer von der griechischen Hauptstadt entfernt. Es ist das schlimmste Flammeninferno in Griechenland seit mehr als einem Jahrzehnt.

          „Es ist eine nationale Tragödie“, sagte Innenminister Panos Skourletis dem Sender. Im Großraum Athen wurde der Notstand ausgerufen.

          Die Feuer waren so groß, dass Rauchwolken über Athen hingen und die Sonne verdunkelten. In der Region westlich und östlich der Hauptstadt haben Tausende Athener ihre Ferienwohnungen. Mehrere Bürgermeister schilderten Reportern, dass allein im Osten Athens mehr als 200 Häuser und Hunderte Autos zerstört oder beschädigt worden seien.

          Im Brandgebiet gibt es überall Ferienhäuser und Kinder-Zeltlager

          „Es ist das sogenannte schlimmste Szenario eingetreten“, sagte der Chef des griechischen Zivilschutzes, Giannis Kapakis, im Fernsehen. Die Flammen wüteten in einem dicht mit Pinien bewaldeten Gebiet, wo es überall Ferienhäuser gibt. Viele Einwohner flüchteten in Panik, mehrere Kinder-Zeltlager mussten evakuiert werden. Strom, Telefon und Internet fielen in einigen Regionen aus. Wegen der starken Rauchbildung wurden die Autobahn und die Bahnstrecke zwischen Athen und Korinth gesperrt.

          Eine Rauchwolke färbt Teile des Himmels über Athen orange.

          Die Waldbrände waren am Vortag zunächst 30 Kilometer westlich der griechischen Hauptstadt ausgebrochen. In der Region herrschte seit zwei Wochen extreme Trockenheit. Starker Wind fachte die Flammen an. Dutzende Häuser brannten aus. Die Autobahn- und Bahnverbindung Athen-Korinth wurde mehrere Stunden lang unterbrochen. Und während die Feuerwehr sich in dieser Region konzentrierte, brach ein anderer viel gefährlicherer Brand im Osten Athens bei Rafina aus.

          Die Region Rafina ist dicht bewaldet. Im Pinienwald verstreut stehen Tausende Ferienhäuser und Wohnungen. Viele Athener verbringen dort ihren Sommerurlaub. Panik brach aus. Die Straßen waren verstopft. Es habe keinen Ausweg gegeben, berichteten Augenzeugen. „Man konnte nicht atmen. Es war schrecklich“, sagte ein Mann im Staatsfernsehen.

          Fischer und die Küstenwache brachten Menschen in Sicherheit

          Die Flammen holten die flüchtenden Menschen ein. Viele verbrannten bei lebendigem Leib, berichteten Rettungskräfte. Zunächst bezifferte die Regierung die Zahl der Opfer auf 24. Am Dienstagmorgen entdeckten Rettungsmannschaften des Roten Kreuzes weitere 26 verkohlte Leichen auf einem Grundstück nahe Rafina. Unter den Opfern seien ganze Familien, berichteten Reporter von dort.

          Helfer evakuieren die Bewohner des Dorfes Mati mit Booten

          Tausende Menschen suchten Zuflucht an den Stränden. Fischer, die Küstenwache und Urlauber mit Schlauchbooten brachten mehr als 700 Menschen in Sicherheit, die an Stränden und felsigen Küstenabschnitten Zuflucht vor den Flammen gesucht hatten. Die meisten Brände wurden in der Nacht unter Kontrolle gebracht, nachdem der Wind nachgelassen hatten. Tausende Menschen übernachteten im Freien, in Autos und Sporthallen, wie das Staatsfernsehen berichtete.

          Retten, was zu retten ist

          Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras brach einen Besuch in Bosnien-Herzegovina vorzeitig ab und eilte nach Athen zurück. „Meine Gedanken sind bei den Menschen und den Einsatzkräften“, sagte er dem griechischen Fernsehsender ERT. Er äußerte den Verdacht, dass Brandstifter hinter den Feuern stecken könnten. Tsipras ordnete an, dass Feuerwehren anderer Regionen sowie das Militär nach Athen zur Hilfe kommen, wie das Staatsradio berichtete. Zudem habe Griechenland andere Länder der EU um Hilfe gebeten, sagte eine Feuerwehrsprecherin am Montagabend.

          Am Dienstag rief Tsipras zudem eine dreitägige Staatstrauer aus, um der vielen Todesopfer zu gedenken. Es gehe jetzt darum, noch zu retten, was zu retten sei, und zusammenzustehen, sagte Tsipras in einer kurzen Ansprache, die am Mittag vom griechischen Sender Skai übertragen wurde. Die Regierung gab die Zahl der bisher bestätigten Toten mit 50 an. Rettungskräfte gehen davon aus, dass sie noch steigen wird.

          Tsipras bedankte sich bei den Feuerwehrleuten, den Sanitätern und anderen Helfern und sagte an die Überlebenden gewandt: „Keiner soll ohne Hilfe bleiben - und nichts bleibt ohne Antworten.“ Die Frage der Verantwortlichkeit wird in griechischen Medien bereits heiß diskutiert. Tsipras erteilte der Diskussion jedoch vorläufig eine Absage. Jetzt trauere Griechenland, das „Was“ und das „Warum“ würden im Anschluss geklärt. Der Ministerpräsident wird am Mittag mit
          Ministern zu einer Krisensitzung zusammentreffen.

          Weder Strom, noch Telefon und Internet

          Erste Inspektionen zeigten, dass ganze Stadtviertel der Ferienstädte Rafina, Mati und Nea Makri im Osten Athens völlig zerstört sind. Strom, Telefon und Internet sind ausgefallen. Unterdessen hat der Wind nachgelassen. Die meisten Brände wurden gelöscht oder seien unter Kontrolle gebracht worden, teilte die Feuerwehr mit.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Tsipras, ihr Mitgefühl
          ausgesprochen. „Das Leid der betroffenen Menschen berührt uns alle“, schrieb die Kanzlerin nach Angaben der Bundesregierung am Dienstag in einem Kondolenztelegramm an Tsipras. „Den Verletzten wünschen wir eine baldige Genesung.“ Merkel sicherte Tsipras die Solidarität Deutschlands zu. „Sie können sich unserer Unterstützungsbereitschaft bei der Bewältigung der Brandkatastrophe sicher sein“, hieß es. Die Waldbrände wüten nahe der Hauptstadt Athen, Dutzende Menschen starben.

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