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Bus-Unglück auf Madeira : Erschütternde Tragödie auf der Insel mitten im Ozean

Am Morgen nach dem Unglück bietet sich den Hilfskräften ein erschütterndes Bild. Bild: dpa

29 Menschen sterben bei dem Busunglück auf Madeira – alle Todesopfer sollen aus Deutschland kommen. Außenminister Maas ist auf dem Weg auf die Insel. Auch Rettungs- und Hilfsflüge werden eingesetzt.

          Die offizielle Bestätigung steht noch aus. Doch in der portugiesischen Presse scheint kein Zweifel mehr zu bestehen. Alle 29 Menschen, die am Mittwochabend bei dem Busunglück auf Madeira ums Leben kamen, sind Deutsche. Das Auswärtige Amt will sich darauf noch nicht festlegen. „Noch haben wir keine Gewissheit, wie viele Deutsche unter den Opfern sind. Unsere Botschaft in Lissabon arbeitet mit Hochdruck gemeinsam mit den lokalen Behörden an der Aufklärung“, teilte Bundesaußenminister Heiko Maas am Donnerstagmittag in Berlin mit, bevor er sich selbst auf den Weg nach Madeira machte. „Es ist erschütternd, dass aus dem Osterurlaub für so viele Menschen eine Tragödie geworden ist“, sagte Maas nach Angaben des Auswärtigen Amts. Ähnlich bestürzt hatte sich zuvor Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, die portugiesische Regierung und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker geäußert.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          „Mit Trauer und Bestürzung denke ich an unsere Landsleute und alle anderen Menschen, die von dem fürchterlichen Busunglück auf Madeira betroffen sind“, erklärte zudem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag. „Meine aufrichtige Anteilnahme gilt vor allem all den Familien, die in diesem Unglück ihre Liebsten verloren haben.“ Sie hoffe mit den Verletzten und ihren Angehörigen, die um sie bangten, dass sie die körperlichen wie seelischen Folgen überwinden könnten.

          Eine fliegende Intensivstation

          Der deutsche Außenminister wollte unterdessen mit Ärzten, Psychologen und Konsularbeamten auf die Insel reisen, um mit den Betroffenen zu sprechen und den portugiesischen Helfern zu danken. In Berlin wurde ein Krisenstab eingerichtet, während der deutsche Botschafter auf der Insel landete, die auch der portugiesische Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa aufsuchen wollte. Ursprünglich wollte der Präsident gleich am Mittwochabend kommen. Er entschied aber dann, sein Dienstflugzeug für mögliche Rettungs- oder Hilfsflüge zur Verfügung zu stellen.

          Am Donnerstag hieß es jedoch, dass es nicht notwendig sei, Verletzte aus Funchal zur Behandlung aufs portugiesische Festland zu bringen. Die Bundesregierung erwägt dennoch, ein Rettungsflugzeug der Bundeswehr zu entsenden. Der Einsatz eines „MedEvac“-Airbus, der bereits in Bereitschaft versetzt worden sei, werde sich noch heute entscheiden, sagte Kanzleramtsminister Helge Braun am Donnerstag in Berlin. Bei dem Spezialflugzeug handelt es sich um eine Art fliegender Intensivstation.

          Kurz nach der Regionalregierung auf Madeira ordnete auch die Regierung in Lissabon bis Samstag für das ganze Land Staatstrauer an. Nach Angaben des portugiesischen Zivilschutzes wurden 17 Frauen und zwölf Männer getötet. Sie sollen zwischen 40 und 50 Jahre alt gewesen sein. Weitere 27 Personen seien verletzt worden, unter ihnen der Busfahrer und der Reiseleiter; die beiden einzigen Portugiesen unter den Verwundeten. Die ersten Leichtverletzten konnten angeblich das Krankenhaus schon wieder verlassen.

          Im Krankenhaus und im Hotel der Reisegruppe kümmerten sich Psychologen und Übersetzer um die Überlebenden. Die Leichname wurden laut der portugiesischen Zeitung „Público“ in eine Halle zum Flughafen von Funchal gebracht. Die portugiesische Regierung entsandte zusätzlich Fachleute vom Festland auf die Insel. Am Samstag sollte mit den Überführungen begonnen werden.

          Der Bus mit mehr als 55 Touristen an Bord war am Mittwochabend gegen 18.30 Uhr Ortszeit in der Gegend von Caniço an einer scharfen Kurve von der Fahrbahn abgekommen. Er stürzte einen steilen Abhang hinunter auf ein Haus, dessen einziger Bewohner zu diesem Zeitpunkt offenbar nicht zuhause war. Aufnahmen einer privaten Überwachungskamera zeigten, wie das Fahrzeug mehrfach überschlug. Nach Informationen der lokalen Zeitung „Diário de Notícias da Madeira” war der verunglückte Bus sechs Jahre alt und wurde regelmäßig inspiziert. Der Fahrer, der verletzt überlebte, galt als erfahren. Auch die Straße sei in einem guten Zustand gewesen. Anfangs war über den Ausfall der Bremsen spekuliert worden, doch wurde bisher keine Unfallursache offiziell bestätigt. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein und arbeitet dabei eng mit dem Busunternehmen zusammen.

          Der Unfall auf Madeira ist das schlimmste Busunglück in Portugal seit der Jahrtausendwende. Im Jahr 2001 war östlich der Hafenstadt Porto nach einem Brückeneinsturz ein Reisebus und drei Personenwagen im Fluß Douro versunken. 59 Menschen kamen ums Leben. Drei Wochen später kam ein Pilgerbus auf dem Rückweg von der Wallfahrtsstätte Fatima von der Fahrbahn ab und stürzte einen Abhang hinab. 14 Menschen wurden getötet. Wie die portugiesische Online-Zeitung „Observador“ berichtete, war die Gruppe am Mittwochabend von ihrem Hotel zu einem Abendessen in einem Restaurant in Funchal unterwegs.

          Unter deutschen Touristen ist die Atlantikinsel, die rund tausend Kilometer südwestlich des Festlands liegt, wegen ihrer Blumenpracht und des subtropischen Klimas ein beliebtes Reiseziel, wo auch viele Kreuzfahrtschiffe Station machen. Deutsche machen rund 20 Prozent der jährlich 1,3 Millionen Reisegäste aus.

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