https://www.faz.net/-gum-7q9ab

Verunglückter Höhlenforscher : In riskanten Etappen heraus aus dem Untersberg

  • -Aktualisiert am

Einsatzkräfte der Bergwacht in der Nacht zum Pfingstmontag beim Eingang in die Riesending-Schachthöhle Bild: dpa

Schächte, die Hunderte von Metern senkrecht in die Tiefe führen, Gänge, eng wie ein Kaninchenbau – das sind nur zwei der Herausforderungen bei der Bergung des verunglückten Höhlenforschers. Sie wird Tage dauern.

          2 Min.

          Der 52 Jahre alte Höhlenforscher, der seit Pfingstsonntag in der Riesending-Höhle am Untersberg bei Berchtesgaden verletzt in rund tausend Metern Tiefe festsitzt, könnte schon im Laufe der nächsten Tage gerettet werden. Dabei müssen die Retter mit großer Umsicht vorgehen. In den Schächten sei es gefährlich, sowohl wegen des Wassers als auch wegen Steinschlags, heißt es bei der Bergwacht Bayern. Höhlenretter der Bergwacht sind zurzeit gemeinsam mit Höhlenrettern aus Salzburg, aus der Schweiz und aus Italien am Untersberg im Einsatz.

          Die Riesending-Höhle bei Berchtesgaden ist die tiefste und längste Höhle Deutschlands.

          Das Riesending, die tiefste und längste Höhle Deutschlands, ist eine Schachthöhle. Die Befahrung der Höhle sei technisch extrem anspruchsvoll, sagen Höhlenforscher. Am Beginn der Höhle müssen sich die Retter durch verschiedene freihängende und steinschlaggefährdete Schächte, die über 350 Höhenmeter senkrecht in die Tiefe führen, abseilen. Der Weg weiter verläuft dann in Teilen horizontal. Aber auch hier müssen wiederholt vertikale Passagen durch Abseilen überwunden werden. Bäche und Siphons erschweren das Vorankommen. „Monsterschacht“, „Maulwurfstunnel“ und „Wundergang“ haben die Forscher einige Höhlenabschnitte benannt. Zudem gibt es einige Abschnitte, sogenannte Schlufe, die so eng sind, dass sich selbst ein schlanker Mensch nur mit Mühe hindurchzwängen kann. Es heißt, durch diese Engstellen könne nur gelangen, wer den Kopf schräg lege, ausatme und zusätzlich noch den Bauch einziehe. Angesichts der Kopfverletzungen des verunglückten Höhlenforschers könnte das zu einem Problem werden. Darüber hinaus ist der Boden an einigen Stellen lehmig und rutschig. Zu ihrer eigenen Sicherheit haben die Forscher deshalb in dem Höhlensystem seit seiner Entdeckung im Jahr 2002 mittlerweile rund neun Kilometer an Fixseilen verbaut.

          Textnachrichten mit dem Höhlenfunk

          Dass der Höhlenforscher in rund tausend Metern Tiefe verletzt wurde, stellt die Retter vor eine besonders große Herausforderung. „Einen Verletzten aus einer so tiefen Höhle zu bergen ist weitaus schwieriger als einen Bergsteiger aus der Watzmannostwand zu holen, selbst wenn tagelang kein Hubschrauber fliegen kann“, sagt Bärbel Vogel, die Vorsitzende des Verbands der deutschen Höhlen- und Karstforscher. Denn statt den Verletzten abzuseilen, muss er durch die Schächte hinaufgezogen werden. Normalerweise ziehen sich die Höhlenforscher mit Steigklemmen an den Fixseilen hinauf. Weil der 52 Jahre alte Verletzte nicht aus eigener Kraft aufsteigen kann, müssen die Retter, die in Viererteams unterwegs sind, entsprechende Vorrichtungen aufbauen, um den Verletzten durch die Schächte nach oben zu bringen. Gleichzeitig muss dabei die medizinische Versorgung aufrechterhalten werden.

          Auch die eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten erschweren die Bergung. In der Höhle gibt es keinen Handyempfang. Um die Kommunikation zu erleichtern, wurde deshalb am Montag ein Höhlentelefon verlegt. Inzwischen wurde auch ein auf Langwellen basierendes Funksystem aufgebaut, das Textnachrichten zwischen Höhleneingang und Unfallort ermöglicht. Das beschleunigt die Kommunikation und erleichtert die Rettung. Bis zu dem Verletzten vorzudringen dauert normalerweise zehn Stunden, der Rückweg zwölf Stunden.

          In Etappen soll der Verletzte in den kommenden Tagen aus der Höhle geborgen werden. Nach Bergwachtangaben kann die Rettung bis zu einer Woche dauern. Weil das für die Retter angesichts der besonderen Umstände kräftezehrend ist, soll es für jede Etappe ein eigenes Rettungsteam geben.

          Topmeldungen

          Ist die Welt noch zu retten? Eine Frau bei einer Demo in Lissabon.

          Raus aus der Klimakrise : „Moralappelle bringen nichts“

          Der Kölner Spieltheoretiker und Verhaltensökonom Axel Ockenfels erklärt im Interview, wo der Knackpunkt im Klimakonflikt liegt – und auf welcher Grundlage das Problem von der Weltgemeinschaft gelöst werden könnte.

          Muhammad Bin Salmans Pläne : Der Ölprinz mit der Billion

          Er ist jung und braucht das Geld: Der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman bringt den weltgrößten Ölkonzern Saudi Aramco an die Börse. Damit will er nicht nur das Land reformieren, sondern auch die eigene Macht sichern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.