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Versicherungsbetrug : „Feuer auf der Scandinavian Star bewusst gelegt“

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Unglücks- oder Tatort? Am 8. April 1990 versuchen Löschboote im Hafen Lykesil die Flammen auf der Scandinavian Star zu ersticken. Bild: dpa

Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Brand auf der Nordseefähre „Scandinavian Star“ mit 159 Toten erheben Experten einen ungeheuerlichen Vorwurf: Besatzungsmitglieder hätten Feuer auf offener See gelegt – für einen Versicherungsbetrug der Reederei.

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          Brandstiftung für einen Versicherungsbetrug soll den Tod von 159 Menschen beim Feuer auf der Nordsee-Fähre „Scandinavian Star“ vor 23 Jahren verursacht haben. Mitglieder der gemischt skandinavischen, philippinischen und portugiesischen Besatzung des Schiffes hätten das Feuer gelegt, behauptete eine Kommission aus zwölf Fachleuten am Wochenende im norwegischen Bergen. Die Fachleute hatten das Schiffsunglück vom 7. April 1990 im Skagerrak neu untersucht.

          Als Chef der Gruppe sagte der schwedische Brandfachmann Håkon Winterseth: „Dies war der größte Massenmord in Nordeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg.“ Bislang galt ein dänischer Lastwagenfahrer, der selbst ums Leben kam, als der Brandstifter und Verursacher der Katastrophe. Die Kommission begründete ihre abweichende Meinung mit zahlreichen „rätselhaften und unbeachtet gebliebenen Vorgängen“ rund um die Havarie.

          „Man zündet ein Schiff nicht ohne Grund an“

          So habe der in Miami residierende amerikanische Eigner die „Scandinavian Star“ kurz vor dem Unglück neu und auffällig hoch versichert. „Man zündet ein Schiff nicht ohne Grund an“, sagte der norwegische Schiffsinspektor Gisle Weddegjerde bei der Vorstellung des neuen Berichts. Er verwies auf die Auszahlung von 24 Millionen Dollar an die „undurchsichtig organisierte“ Eignergruppe Sea-Escape. Nach Ausbruch des zentralen Brandherdes hätten Besatzungsmitglieder große Fensterscheiben mit Stühlen eingeworfen, so dass sich das Feuer schneller habe ausbreiten können. Ein Zeuge habe berichtet, dass der leitende Maschinist der Fähre später einen „Umschlag mit 800 000 Kronen“ (heute: gut 100 000 Euro) überreicht bekommen habe.

          Der Plan der Brandstifter, so die Fachleute weiter, sei misslungen: Sie hätten zunächst mit einem kleinen Brand die Evakuierung des Schiffes und dann mit weiteren, größeren Feuern die Fälligkeit der Versicherungsprämie erzwingen sollen. Doch das erste Feuer sei zu mickrig geblieben, während das zweite schnell außer Kontrolle geraten sei.

          In der norwegischen Zeitung „Aftenposten“ stellte sich auch der für die letzte offizielle Untersuchung verantwortliche Norweger Øystein Meland hinter die Forderung nach einer neuen Untersuchung des Falles. „Es gibt Dinge, die noch nicht klar sind.“

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