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Verschüttete Goldgräber : „Später am Nachmittag waren keine Stimmen mehr zu hören“

Beim Einsturz einer Goldmine auf der indonesischen Insel Sulawesi wurden Dutzende Goldgräber verschüttet. 200 Rettungskräfte sind auf der Suche nach Überlebenden. Bild: AP

Die Arbeit in einer Goldmine hat für Dutzende Bergleute in Indonesien ein tödliches Ende genommen. Aktuell geht man von 30 bis 100 Opfern aus. Die Hoffnung, noch lebende Minenarbeiter bergen zu können, ist gering.

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          Die Suche nach Gold hat für mehrere Dutzend indonesische Arbeiter im Tod geendet. Sie wurden in der vergangenen Woche auf der indonesischen Insel Sulawesi bei dem Einsturz einer Goldmine verschüttet. Durch die umfangreichen Grabarbeiten war der Boden instabil geworden. Nachdem Stützbalken in den Schächten gebrochen waren, war am Dienstag voriger Woche das komplette Gelände zusammengestürzt. Derzeit ist noch unklar, wie viele Personen im Bezirk Bolaang Mongondow begraben wurden. Die Schätzungen gehen von 30 bis sogar 100 Opfern aus. „Wir wissen nicht, wie viele noch verschüttet sind. Augenzeugen sagen, die Arbeiter kennen sich nicht sehr gut untereinander, die meisten stammen aus Gegenden außerhalb des Bezirks“, sagt Feri Arianto von der Rettungsbehörde Basarnas. Bis Dienstag waren 17 Tote geborgen worden.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die Hoffnungen, noch Personen lebend bergen zu können, sind mittlerweile verschwindend gering. Die vereinzelten Stimmen, die in den ersten Tagen noch aus den Schächten zu vernehmen gewesen waren, sind schon seit dem Wochenende verstummt. Der Minenarbeiter Rusdi Tulong sagte der Agentur AFP, er habe sich in zwei Metern Tiefe befunden, als Schlamm und Steine den Eingang zum Tunnel versperrten. Er sei zusammen mit zwei anderen Arbeitern einen Tag und eine Nacht eingeschlossen gewesen. „Wir beteten, rezitierten den Koran ... und schrien nach Hilfe“, sagte der Mann im Krankenhaus. Die Bergleute hätten durch Ritzen zwischen den Steinen noch Luft bekommen.

          Arbeitsschutz und Sicherheitsvorkehrungen sind nicht existent

          Ein anderer Minenarbeiter hatte AFP berichtet, er habe noch mit seinem Sohn unter dem Geröll gesprochen. „Er hatte Durst und fragte nach Wasser“, sagte Amrin Simbala. „Später am Nachmittag waren keine Stimmen mehr zu hören.“ Im Umfeld der Mine waren rund 50 Motorroller und Motorräder gefunden worden, die den Arbeitern in den Schächten gehören sollen. Die meisten Bergleute sind aus weit entfernten Regionen dorthin gekommen, um für wenig Geld in den illegalen Schächten zu graben. Schätzungen zufolge soll es in Indonesien rund 1000 solcher illegalen Minen geben. Landesweit leben Zehntausende Menschen von den mickrigen Erträgen, die sie dem Gestein entlocken können.

          Arbeitsschutz und Sicherheitsvorkehrungen sind in diesen inoffiziellen Bergwerken quasi nicht existent. Viele Arbeiter ruinieren sich ihre Gesundheit durch giftiges Quecksilber, das zum Extrahieren des Goldes genutzt wird. Der Stoff findet sich tonnenweise in den umliegenden Flüssen wieder und belastet so die Umwelt. Die engen Tunnel werden in der Regel mit einfachen Geräten oder sogar mit der Hand in den Berg gegraben.

          200 Rettungsarbeiter eilen zur Hilfe

          Der Betrieb derartiger Minen ist in Indonesien deshalb auch schon seit einiger Zeit verboten. Die Behörden gehen aber oft nicht dagegen vor, weil ihnen die Ressourcen fehlen oder sie durch Korruption an dem gefährlichen Geschäft mitverdienen. Seit einiger Zeit versucht die Regierung, die Lage der Minenarbeiter zu verbessern. Die betroffene Region liegt aber besonders abgelegen im Norden der Insel Sulawesi. Die Minen befinden sich an einem Hang mit etwa achtzigprozentiger Steigung. Das macht auch die Rettungsarbeiten besonders schwierig. Zumal die Rettungskräfte anfänglich kein schweres Gerät einsetzen wollten, um nicht noch mehr Schächte zum Einstürzen zu bringen. Seit dem Unglück waren rund 200 Rettungsarbeiter verschiedener Behörden im Einsatz.

          Am Anfang hatten die Retter immerhin noch rund 20 Bergleute aus den Stollen befreien können. Zwei von ihnen starben später im Krankenhaus. Einem Pressebericht zufolge war einem von ihnen ein Bein amputiert worden, das unter einem Stein festgesteckt hatte. Zudem sollen laut „New York Times“ Körperteile gefunden worden sein, die noch nicht identifiziert werden konnten. Der Sprecher der indonesischen Katastrophenschutzbehörde, Sutopo Purwo Nugroho, veröffentlichte auf Twitter Aufnahmen von den Rettungsarbeiten. Unter anderem zeigten sie Bilder aus der ersten Nacht nach dem Einsturz. Es waren Männer mit Taschenlampen an der Stirn zu sehen, die einen Verletzten auf einer Trage nach unten brachten. Auf einem anderen Bild trugen die Rettungskräfte aber nur noch einen Leichensack den Berg hinab.

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