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Flug MH370 : Ein Flugzeug verschwindet

  • -Aktualisiert am

Flugbewegungen auf einem Bildschirm im Airport von Kuala Lumpur. Trotz weltweit mehr als 200.000 Starts und Landungen am Tag sollte hier eigentlich nichts verlorengehen. Bild: REUTERS

Um 1.21 Uhr am 8. März ging der Flug MH370 vom Radar. Was war geschehen? FAZ.NET erklärt, wie es zu einem der rätselhaftesten Vorfälle der Luftfahrtgeschichte gekommen sein könnte.

          Spurlos“ hieß einer der Bestseller, mit denen Charles Berlitz Mitte der 1970er Jahre den Mythos vom Schiffe und Flugzeuge verschluckenden Bermudadreieck anfachte. Ähnlich mysteriös erscheint bisher auch der Fall des Fluges MH370: Die Boeing 777 mit 239 Menschen an Bord verschwand letzten Samstag, den 8. März, vierzig Minuten nach dem Start von Kuala Lumpur nach Peking um 1.21 Uhr Ortszeit vom Radar. Was konnte geschehen sein?

          Folgt man der Berichterstattung seriöser Medien wie dem Wall Street Journal, der New York Times oder Reuters unter Berufung auf Ermittlerkreise, so scheint sich Folgendes herauszukristallisieren: Das Flugzeug stürzte nicht, wie zunächst vermutet, östlich von Malaysia ins Meer, sondern drehte scharf ab und flog nach Südwesten über das malaysische Festland in die Straße von Malakka. Dort drehte es nach Nordwesten. Die letze Ortung eines malaysischen Militärradars erfolgte am 8. März gegen 2.15 Uhr Ortszeit nahe dem Navigationspunkt „Igrex“ auf halbem Weg in Richtung auf die zu Indien gehörenden Inselgruppe der Andamanen. Allerdings soll das Flugzeug nach Angaben des malaysischen Premiers Najib Razak auf einer Pressekonferenz vom gestrigen Samstag nach dem Abbruch des Kontakts um 1.21 Uhr noch siebeneinhalb Stunden bis 8.11 Uhr Ortszeit automatische Signale an Satelliten gesendet haben. Bei einer Reisegeschwindigkeit von rund 900 Stundenkilometern eröffnet dies ein riesiges Suchgebiet im Indischen Ozean. Auch das asiatische Festland und Australien wären erreichbar gewesen.


          Flug MH370 von Malaysia Airlines


            Was ist passiert?

            Der Flug MH370 von Malaysia Airlines verschwand auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking am 8. März 2014 um 2.40 Uhr Ortszeit vom Radar. Bislang sind weder das Flugzeug noch Überreste der Maschine entdeckt worden

            In welchem Zustand befand sich das Flugzeug?

            Die Boeing 777-200ER („Extended Range“) wird von vielen Fluggesellschaften für Langstreckenflüge genutzt und ist ein äußerst zuverlässiges Flugzeug. Die Maschine mit der Kennung 9M-MRO war nach Angaben von Malaysia Airlines im Hangar in Kuala Lumpur am 23. Februar 2014 zuletzt gewartet worden. Mechaniker hätten beim sogenannten A-Check keinerlei Probleme an der Maschine entdeckt. Der nächste Check sei erst am 19. Juni 2014 fällig gewesen. Die Maschine war 2002 ausgeliefert worden und hatte gut 53.000 Flugstunden hinter sich. Am 9. August 2012 kollidierte das Flugzeug mit einem Airbus A340, woraufhin die rechte Tragflächenspitze abriss. (dpa)

            Wie viele Menschen waren an Bord?

            Von den 239 Menschen an Bord waren 227 Passagiere und 12 Besatzungsmitglieder. Die meisten der Passagiere stammen aus China (152), weitere Opfer aus Malaysia (38, davon gesamte Besatzung), Indonesien (7), Australien (6), Indien (5), Frankreich (4), den Vereinigten Staaten (3), Iran (2), Kanada (2), Neuseeland (2), Ukraine (2), Taiwan (1), Niederlande (1), und Russland (1). Die Identität einer Person ist ungeklärt. Ein Passagier war mit einem chinesischen Pass an Bord, dessen Inhaber allerdings den Pass weder als gestohlen gemeldet noch seine Heimat, die Provinz Fujian, verlassen hatte. Zwei Iraner, die mit gestohlenen Pässen eines Österreichers und eines Italieners an Bord gekommen waren, wurden zunächst verdächtigt, Terroristen zu sein. Sie suchten aber wohl nach Asyl in Europa und gehörten offenbar keiner terroristischen Organisation an.

            Welche Ursachen kann das Verschwinden haben?

            Bisher wurden mehrere Theorien aufgestellt: 1. Das Flugzeug ist durch einen terroristischen Anschlag zerstört worden. Dagegen spricht die Tatsache, dass vom Pentagon bei der weltweiten Satellitenüberwachung des Luftraums keine Lichtblitze registriert worden, die auf eine Explosion hindeuten. 2. Einer der Piloten wollte Selbstmord begehen. Dagegen sprechen die Änderung der Flugroute und der über mehrere Stunden fortgeführte Flug. 3. Die Maschine verunglückte durch einen technischen Fehler. Dagegen sprechen ebenfalls der Kurswechsel und die weitere Flugzeit. 4. Die Maschine verunglückte in schweren Turbulenzen. Dagegen sprechen das gute Wetter und die weitere Flugzeit. 5. Das Flugzeug wurde entführt und ist über dem Ozean verunglückte. Auch für diese These gibt es keine Anhaltspunkte.

            Wie kann ein Flugzeug einfach verschwinden?

            Welche Technik an Bord moderner Verkehrsflugzeuge Daten aufzeichnet und kommuniziert, haben wir in einem Artikel zusammengefasst.

            Wie groß ist der Schaden für die Airline?

            Dem „Handelsblatt“ zufolge bestätigte die Allianz-Versicherung, dass sie ein Konsortium aus verschiedenen Versicherern von Malaysia Airlines anführt. Die Versicherungssumme belaufe sich unbestätigten Angaben zufolge auf insgesamt rund 100 Millionen Dollar (etwa 72 Millionen Euro), es sei aber unklar, welchen Anteil daran die Allianz trage. In der Luftfahrtversicherung ist es demnach üblich, die Versicherungssummen an Fluggesellschaften und Angehörige von Insassen im Schadensfall früh auszuzahlen. Die Auszahlung an die Fluggesellschaft sowie an die Angehörigen der insgesamt 239 Insassen der Maschine von Malaysia Airlines wurde bereits im März 2014 abgeschlossen. Der Schaden für Malaysia Airlines ist kaum zu beziffern. Auf Flug MH370 folgte der übver der Ukraine abgeschossene Flug MH17. Die doppelte Katastrophe könnte die ohnehin angeschlagene Fluggesellschaft endgültig in die Knie zwingen. (AFP)

          Welche Möglichkeiten gibt es, den Verbleib der Maschine doch noch aufzuklären? Wie hält man normalerweise Kontakt mit einem Flugzeug wie der 777? Woher stammen die Hinweise, die nun zum Szenario „jenseits der Andamanen“ führen? Und mit welchen technischen Mitteln könnte das Flugzeug schließlich aufgespürt werden?

          Sprechfunk

          Er dient der direkten Kommunikation zwischen Cockpit und Tower, auch eine Ortung des Flugzeuges ist damit möglich. „Alles klar, gute Nacht“ lautete der letze Funkspruch von MH370 kurz nach dem Start, danach herrschte offenbar Funkstille.

          Ortung per Primärradar …

          Zur klassischen Ortung von Flugobjekten per Radar werden Pulse von Radiowellen ausgesandt. Treffen diese auf ein Flugzeug, wird ein Teil des Pulses daran reflektiert. Dieser Widerhall wird von der Radarstation registriert; aus Richtung und Laufzeit des Echos lässt sich dann die Position des Flugzeugs bestimmen. Weil sich die Intensität von Signal und Echo mit der Entfernung schnell abschwächt und aufgrund der Erdkrümmung begrenzt ist, bleibt die Reichweite eines solchen primären Radars auf kaum mehr als 100 Kilometer begrenzt. Eine Ausnahme von dieser Regel sind militärische Radaranlagen, deren Kurzwellen sich auch über den Horizont hinaus ausbreiten. Diese können bei entsprechender Sendeleistung Tausende von Kilometern überwinden. Im Fall der verschollenen Boeing könnte unter günstigen Bedingungen das australische Jindalee Operational Radar Network ein Signal aufgefangen haben - australische Stellen wollten sich dazu aber nicht öffentlich äußern.

          … und Sekundärradar

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