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Flug MH370 : Terroristen! Aliens! Diego Garcia!

Auf der Suche nach MH 370: Wie kann es sein, dass eine Boeing 777 ohne eine Spur in Luft auflöst? Bild: AP

Die noch immer vergebliche Suche nach dem malaysischen Passagierflugzeug fördert Verschwörungstheorien aller Art. Für viele steht längst fest: Da soll etwas verheimlicht werden.

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          Zum Schicksal der seit fast vier Wochen verschollenen malaysischen Boeing 777 gibt es eine Fülle halbgarer und zum Teil kruder Thesen. Manche von ihnen, etwa die, dass das Flugzeug von Außerirdischen gekapert wurde, sind parodistisch gemeint und nehmen die Verschwörungstheorien selbst aufs Korn. Andere, etwa die, dass das Verschwinden des Flugzeugs etwas mit der amerikanischen Marinebasis Diego Garcia im Indischen Ozean zu tun haben müsse, sind für manche schon zur unumstößlichen Wahrheit geworden. Dass der „Verdacht“ in seriöser Berichterstattung und offiziellen Stellungnahmen nicht vorkommt, macht ihn für die Glaubenden bloß noch plausibler, und dass Diego Garcia Tausende Kilometer vom Suchgebiet entfernt ist, wird nach der Logik der Verschwörung zum Beweis: Da soll etwas verheimlicht werden.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Alle Theorien, ob „Cyber-Hijacking“ oder Abschuss durchs Militär, drücken nur die große Unsicherheit aus, die das Rätsel um Flug MH370 verursacht. Mit jedem weiteren Tag ohne Fund wird sie stärker. Wie kann es sein, dass eine Boeing 777 mit 239 Menschen an Bord sich ohne eine Spur in Luft auflöst? Warum kann ein multinationales Team erfahrener Ermittler nach vier Wochen Einsatz von bis zu zehn Flugzeugen und Schiffen nicht einmal sagen, ob man überhaupt an der richtigen Stelle suche? Die ermittelnden Stellen sind nicht ganz unschuldig daran, dass ihre Mitteilungen – trotz aller Beteuerungen, man verheimliche nichts – nun stets mit einem untergründigen Misstrauen aufgenommen werden.

          Die anfänglich chaotische und bis heute nicht transparente Informationspolitik der Malaysier führte zu widersprüchlichen Angaben, die den Spekulationen nur noch mehr Futter gaben. Fakten, die als unumstößlich dargestellt worden waren, mussten von den Behörden revidiert werden. Ganz zu Beginn etwa lag der Terrorverdacht nahe, als von den beiden Passagieren mit gestohlenen Pässen berichtet wurde. Inzwischen haben die Behörden mitgeteilt, alle Passagiere an Bord seien minutiös überprüft worden und bei keinem von ihnen habe man einen Hinweis auf das Verschwinden des Flugzeugs gefunden.

          „Eines der größten Mysterien unserer Zeit“

          Nun bleiben für die malaysischen Fahnder nur noch der Pilot und der Kopilot als mögliche Täter übrig, sollte es sich denn überhaupt um eine „Entführung“ gehandelt haben. Die malaysischen Ermittler nehmen immer noch an, dass die Boeing 777 willentlich von ihrem Kurs von Kuala Lumpur nach Peking abgebracht wurde. Worauf sie ihre Annahme stützen, ist mittlerweile aber nicht mehr ganz so klar. So stellte sich der anfangs falsch dargestellte Funkverkehr mit dem Cockpit der Boeing unlängst als normal und unauffällig heraus.

          Die Suche als Staatsangelegenheit: Der malaysische Ministerpräsident Najib Razak (l.) und der australische Premierminister Tony Abbott am Donnerstag in Perth
          Die Suche als Staatsangelegenheit: Der malaysische Ministerpräsident Najib Razak (l.) und der australische Premierminister Tony Abbott am Donnerstag in Perth : Bild: AFP

          Angesichts der vielen Spekulationen verwundert es auch nicht, dass jetzt viele dann doch lieber an einen Unfall nach technischem Defekt glauben. In sozialen Netzwerken wurde eine Zeitlang ein Artikel des Piloten Chris Goodfellow weitergegeben. Darin entwirft der Kanadier das Bild eines Piloten, der von einem Feuer an Bord überrascht wird und versucht, den nächsten ihm bekannten und für eine Notlandung geeigneten Flughafen anzusteuern. Auch in anderen Darstellungen wird die Last des Verdachts von den Piloten genommen. Sie halten einen technischen Defekt wie plötzlichen Druckabfall in der Kabine schlicht für wahrscheinlicher als ein Verbrechen oder eine Wahnsinnstat.

          Antworten wird es wohl erst geben, wenn das Flugzeug gefunden ist und vor allem die Blackbox mit Flugdatenschreiber und Stimmenrekorder. Das könnte nach jüngsten Äußerungen der Behörden lange dauern. Möglicherweise werde man sogar nie herausfinden, was passiert ist, sagte der malaysische Polizeichef Khalid Abu Bakar diese Woche. Am Donnerstag sagte Malaysias Ministerpräsident Najib Razak bei einem Besuch der Suchmannschaften in Perth, das Schicksal des Flugs MH370 sei „eines der größten Mysterien unserer Zeit“. Auch sein Gastgeber, der australische Premierminister Tony Abbott, wählte in seiner Ansprache an die Journalisten einen Superlativ: „Dies ist wahrscheinlich die schwierigste Suche, die jemals unternommen wurde“, sagte Abbott.

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