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Riesending-Höhle : Es geht aufwärts

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Der verletzte Höhlenforscher Johann Westhauser wird am 16.06.2014 durch die Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden transportiert. Bild: dpa

Sie bringen den verletzten Höhlenforscher Johann Westhauser auf einer Trage durch enge Gänge und über unterirdische Bachläufe. Erstmals zeigen Bilder aus dem Inneren der Höhle, wie schwierig die Rettung ist. Dennoch kommt der Trupp gut voran.

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          Die Rettung des in der Riesending-Höhle bei Berchtesgaden verunglückten Höhlenforschers liegt weiter im Plan. Am Montag um 6.30 Uhr erreichten die Retter mit Johann Westhauser nacht gut neun Stunden das Biwak 3. Der Teil der Höhle zwischen Biwak 4 und Biwak 3 gilt als besonders schwierig. Ein Wasserfall von 200 Meter macht dort die Wände feucht und glitschig. Zunächst hatten die Retter für diese Strecke bis zu zwei Tage angesetzt.

          Im Biwak 3 wurde eine Pause eingelegt, um dem 52 Jahre alten Verletzten Zeit zur Erholung zu geben. Gegen 17.30 Uhr begann der Rettungstransport dann seine nächste Etappe auf den Weg in den Biwak 2, der knapp 550 Meter vom Einstiegsloch entfernt ist. Für die schwierige Wegstrecke, die von zahlreichen Auf- und Abstiegen geprägt ist, sind 24 Stunden eingeplant. Der Zustand von Westhauser ist nach den Angaben der Retter weiter stabil. Er wird von einem Arzt betreut.

          Die Riesending-Höhle bei Berchtesgaden ist die tiefste und längste Höhle Deutschlands. Bilderstrecke

          Der Weg bleibt bleibt problematisch, weil die Schächte nach oben schmaler werden und enge, gewundene Gänge folgen. 700 Höhenmeter sind es vom Biwak 3 bis zum Einstiegsloch. Zwei Biwaks liegen noch vor dem Rettungstrupp, jedes eine Tagesetappe vom nächsten entfernt.

          Dass die Rettung bis zum Donnerstag zu Ende gebracht werden könnte, erschien am Montag ziemlich sicher. Die Einsatzleitung gibt aber keinerlei Prognosen ab, auch wenn bislang alles gut ging. „Wir planen von Tag zu Tag“, sagte Roland Ampenberger von der Bergwacht Bayern.

          Die ersten Videoaufnahmen aus der Höhle, die ein italienischer Retter mit seiner Helmkamera gemacht hat, zeigen, wie behutsam und konzentriert die rund 100 Kilogramm schwere Trage mit dem Verletzten durch die engen und verwinkelten Gänge der Riesending-Höhle manövriert wird.

          Zu sehen ist auch, wie die Retter Johann Westhauser mittels einer Seilbahn durch einen größeren Hohlraum ziehen. An einer anderen Stelle der Höhle hieven zwei Retter den Verunglückten an Seilen und über Umlenkrollen mit einem so genannten Gegenlastzug nach oben. Gut zu erkennen ist auch, wie viel Material für die Rettung in die Höhle gebracht und dort verbaut wurde.

          Die ersten Sicherungen zwischen Unglücksstelle und Biwak 3 werden von Rettungskräften schon wieder rückgebaut. In der Höhle sind etwa 50 Hilfskräfte damit beschäftigt, die Wegstrecke zum Höhlenausgang weiter auszubauen. Am Montag sind weitere 20 Retter aus Italien angekommen und 25 Einsatzkräfte aus Kroatien. Die kroatischen Höhlenretter sollen am Höhleneingang bereitstehen, um im Notfall Rettern in der Höhle zu Hilfe zu kommen. Die letzte Etappe gilt als besonders schwierig.

          Wie ernst die freiwilligen Retter ihre Aufgabe nehmen, zeigt eine Begebenheit vom Samstag. Die Einsatzleitung wollte den italienischen Rettern außerhalb der Höhle die Möglichkeit geben, das Fußball-WM-Spiel England gegen Italien im Fernsehen zu verfolgen. Die Italiener lehnten dankend ab und teilten mit, sie seien nicht nach Berchtesgaden gekommen, um Fußball zu schauen, sondern um den am Pfingstsonntag verletzten Höhlenforscher aus der Tiefe zu holen.

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