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Verkehrschaos in China : Langer Marsch nach großem Schnee

  • -Aktualisiert am

Ein Platz im Zug ist begehrt wie nie Bild: AP

Die schweren Schneefälle haben zur Hauptreisezeit in China ein Chaos ausgelöst: Eine Million Menschen strandete am Bahnhof von Guangzhou. Die Wanderarbeiten haben meist nur einmal im Jahr die Gelegenheit, ihre Familien zu sehen - traditionell zum Neujahrsfest am 7. Februar.

          Drei Tage lang saß die hochschwangere Chu Honglin in einem eiskalten Überlandbus in der zentralchinesischen Provinz Hunan fest. Schnee und Eis hatten die Straßen blockiert und den Verkehr zum Erliegen gebracht. Mehrere Kilometer musste ihr Mann jeden Tag laufen, um etwas Verpflegung in der Umgebung zu besorgen. Endlich konnten die Businsassen die Polizei auf sich aufmerksam machen. Die junge Frau kam mit dem Rettungswagen gerade noch rechtzeitig zur Entbindung ins Krankenhaus.

          Die Geschichte der Wanderarbeiterin aus Hunan mit ihrem Kind, das Zhongsheng („in der Menge geboren“) genannt wurde, ist eine von vielen, die in diesen Tagen die Chinesen rühren. Das Schneechaos, das die südlichen und zentralen Provinzen Chinas lahmlegt, trifft die Armen am härtesten. Zweihundert Millionen Wanderarbeiter sind dieser Tage nach Hause unterwegs und für viele wird die lange erwartete Heimreise zu einem Albtraum.

          Denkbar schlechteste Zeit für Verkehrschaos und Stromausfälle

          Tausende sitzen tagelang in unbeheizten Zügen, haben nichts zu essen und kein Wasser. Manche machen sich in ihrer Verzweiflung zu Fuß auf den Weg über verschneite Straßen, andere drängeln sich stundenlang an den Fahrkartenschaltern der Bahnhöfe, um doch noch eine Fahrkarte für die wenigen noch verkehrenden Züge zu erhalten. Andere werden in Zelten auf den Bahnhofvorplätzen untergebracht.

          Tausende Soldaten sind im Einsatz, um die Menschenmassen zu organisieren

          Es ist die denkbar schlechteste Zeit für Verkehrschaos und Stromausfälle in China. Einmal im Jahr, zum chinesischen Neujahrsfest, fahren die Wanderarbeiter in ihre Heimatdörfer, bepackt mit Geschenken, den Lohn des Jahres und das Ersparte gut versteckt am Körper. Einmal im Jahr nur sehen die meisten Wanderarbeiter ihre Angehörigen und ihre Freunde in den Dörfern. Den Neujahrsabend, der dieses Jahr auf den 6. Februar fällt, muss man zu Hause verbringen und im Kreis der Verwandten mit Böllern und viel Essen das neue Jahr zu begrüßen, so verlangt es das chinesische Brauchtum.

          Die Rückkehr zum Neujahrsfest führt in China zu einer Reisewelle ohnegleichen. Schon in Jahren mit normalen Wetterverhältnissen sind die Züge, Überlandbusse und Flugzeuge zu dieser Zeit ausgebucht, bilden sich in Bahnhöfen und Busstationen endlose Schlangen von bäuerlichen Arbeitern, aber auch bessergestellten städtischen Angestellten, die von auswärts stammen. Mit dem Bündel auf dem Kopf oder der gewaltigen Reisetasche in der Hand stehen sie für eine Fahrkarte an oder warten darauf, überhaupt in den Bahnhof eingelassen zu werden.

          Schneefall verursacht Schaden von 3,2 Milliarden Euro

          Der größte Schneefall seit 50 Jahren hat besonders die südlichen Provinzen Guangdong, Hunan, Guizhou, Anhui und Jiangxi getroffen. Dass man dort auf Schnee nicht eingestellt ist, hat die Lage noch zusätzlich verschärft. Soldaten wurden eingesetzt, um Straßen zu räumen. Selbst die Metropole Shanghai, die im Winter sonst ein mildes Wetter und allenfalls Regen kennt, ist mit Schnee bedeckt. Dort wurde der meiste Schnee seit vier Jahrzehnten verzeichnet.

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