https://www.faz.net/-gum-9ta72

Rekord-Hochwasser in Venedig : „Totale Zerstörung apokalyptischen Ausmaßes“

Der Markusdom steht unter Wasser: Das Mauerwerk hat nach Angaben von italienischen Medien schon gelitten. Bild: AP

In Venedig hat das Hochwasser den höchsten Stand seit mehr als 50 Jahren erreicht, mindestens zwei Menschen kamen in der Folge ums Leben. Auch in den Markus-Dom ist Wasser eingedrungen. Der Bürgermeister hat den Notstand angekündigt.

          2 Min.

          In Venedig heulen seit Dienstag die Sirenen in den schrillsten Obertönen. Das geschieht immer dann, wenn die Behörden Alarmstufe Rot ausrufen müssen, weil der Hochwasserpegel 140 Zentimeter erreicht. Am Dienstagabend gegen 22.50 Uhr wurden sogar 187 Zentimeter registriert, verursacht durch die anhaltenden Regenfälle, die Gezeiten und den Sturm, der das Wasser immer höher in die Lagune drückte.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Es war der zweithöchste je gemessene Wasserstand. Nur bei der Jahrhundertüberschwemmung vom 4. November 1966 war mit 194 Zentimetern ein noch höherer Stand gemessen worden. Einen weiteren Schub des „Acqua Alta“ gab es dann am Mittwochvormittag mit 150 Zentimetern. Für Donnerstag und Freitag werden Pegelstände von abermals 130 bis 140 Zentimetern erwartet.

          Bildungseinrichtungen und Behörden werden erst nächste Woche wieder öffnen. Bis zum Mittwoch wurde von zwei Todesfällen berichtet, beide auf der Laguneninsel Pellestrina. Ein 78 Jahre alter Mann wurde von einem Stromschlag getötet, als er eine Wasserpumpe betätigen wollte. Ein weiterer Einwohner der Insel wurde tot in seinem überfluteten Haus aufgefunden. Die Feuerwehr Venedigs musste zahlreiche Feuer bekämpfen, die durch Kurzschlüsse in überfluteten Schaltkästen ausgelöst worden waren.

          Bürgermeister Luigi Brugnaro hatte schon am späten Dienstagabend angesichts der Katastrophe alle Einsatzkräfte mobilisiert, die nach seinen Worten „eine der längsten Nächte“ durchlebten. Am Mittwoch rief Brugnaro dann den Notstand aus und forderte die Regierung in Rom zur raschen Hilfe für die „Serenissima“ auf, weil die Lagunenstadt die enormen Schäden mit „unauslöschlichen Spuren“ keinesfalls alleine werde beheben können. Luca Zaia, Präsident der Region Venetien, sprach von „totaler Zerstörung apokalyptischen Ausmaßes“ und legte dabei ausdrücklich Wert auf die Feststellung, dass er nicht übertreibe. 80 Prozent der Stadt stünden unter Wasser, die Schäden seien „unvorstellbar, furchterregend“.

          Schon seit Dienstagabend waren weite Teile der Altstadt für die Öffentlichkeit und zumal Touristen gesperrt, einzig die Einsatzkräfte waren mit Booten unterwegs. Der Markusplatz stand metertief unter Wasser. Im Markusdom selbst wurde, vom Fußboden aus gemessen, ein Pegelstand von 110 Zentimetern registriert. An den Mauerziegeln und den Säulen des Gotteshauses, dessen älteste Teile aus dem neunten Jahrhundert stammen, entstanden erhebliche Schäden. Beschädigt wurden auch Marmorelemente, die erst kürzlich ersetzt worden waren.

          Von den schweren Unwettern der vergangenen Tage ist fast die gesamte italienische Halbinsel in Mitleidenschaft gezogen worden. Aus Matera in der süditalienischen Region Basilikata, eine der europäischen Kulturhauptstädte 2019, wurden Schlammlawinen und Überschwemmungen gemeldet, die auch die Sassi-Höhlensiedlungen betrafen. In mehreren Regionen Mittel- und Süditaliens blieben Schulen und öffentliche Einrichtungen geschlossen. In den Dolomiten und den italienischen Alpen führten starke Schneefälle zu Verkehrsbehinderungen.

          In Südtirol fielen in der Nacht zum Mittwoch 40 bis 50 Zentimeter Schnee. Zahlreiche Straßen und die Eisenbahnlinie im Pustertal waren von Bäumen blockiert, die unter der Last der nassen Schneemassen umgestürzt waren. Neben dem Pustertal waren das Eggental und das Grödner Tal am stärksten betroffen. In der Hauptstadt Bozen liefen Keller voll. Auf der Brennerautobahn bildeten sich zwischen Brixen und dem Grenzübergang zu Österreich am Brenner lange Lastwagenstaus.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.