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Zwei Kinder tot : Vater filmt tödlichen Autounfall mit Handy

  • -Aktualisiert am

Sehr gefährlich: Smartphone am Steuer (Symbolbild) Bild: dpa

Ein Sizilianer hatte die Angewohnheit, sich beim zügigen Fahren in seinem schwarzen BMW 230 zu filmen und die Videos direkt an seine Facebook-Seite zu senden. Jetzt kam es dabei zu einem tragischen Unfall.

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          Auch Antonio Provenzano hat es nicht geschafft. Am Mittwochabend ist der neun Jahre alte Junge auf der Intensivstation der Klinik Villa Sofia in Palermo gestorben. Die Nachricht kam nicht überraschend. Schon am Morgen nach dem Unfall am 12. Juli hatten die behandelnden Ärzte mitgeteilt, dass angesichts der schweren Kopfverletzungen kaum Hoffnung bestehe. Antonios vier Jahre älterer Bruder Francesco war auf der Stelle getötet worden. Fabio Provenzano, der 34 Jahre alte Vater, der den Unfall auf der Autobahn etwa 60 Kilometer westlich von Palermo verschuldet hatte, liegt im künstlichen Koma. Er könnte seine schweren Verletzungen überleben, sagen die Ärzte.

          Den Unfall konnte man live miterleben, bis das Video von der Facebook-Seite Fabio Provenzanos entfernt wurde. Der sizilianische Obst- und Gemüsehändler hatte die Angewohnheit, sich beim zügigen Fahren in seinem schwarzen BMW 230 zu filmen und die Videos direkt an seine Facebook-Seite zu senden. So auch an jenem Freitagabend. Man sieht das Gesicht des Fahrers und hört das Brummen des Motors. Es ist dunkel. Ganz offensichtlich hält Provenzano das Handy mit der rechten und das Lenkrad mit der linken Hand. Er ist nicht angeschnallt, seine Söhne sind es auch nicht. Dann gibt es ein lautes Geräusch. Das Live-Video wird zum Todes-Video und reißt ab.

          Den Rettungskräften bot sich ein Bild des Grauens. Der Wagen war offenbar ungebremst in die Leitplanke gerast, lag zerstört auf dem eingedrückten Dach. In der Hosentasche Provenzanos fand sich später ein Päckchen Kokain. Der Bluttest ergab, dass er zum Zeitpunkt des Unfalls unter dem Einfluss des Rauschgifts stand. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben.

          Der Fall Provenzano mag extrem sein. Doch der Verstoß gegen das Handyverbot am Steuer ist unter Italienern jeden Alters noch immer eher die Regel. Seit Anfang 2017 darf man auch in Italien das Mobiltelefon im Auto nur mit einer Freisprechanlage nutzen, sonst drohen Geldstrafen und Fahrverbote. Viele „autistas“ (Fahrer) halten trotzdem ihr Smartphone in der Hand, telefonieren oder lesen und schreiben Nachrichten. Sogar auf dem „motorino“ (Moped) benutzt der Italiener sein „telefonino“ (Handy): Er klemmt es zwischen Ohr und Helm und kurvt telefonierend durch den Autoverkehr.

          Italienische Medien haben ausführlich über die „Tragödie von Palermo“ berichtet. Nun seien „die beiden Engel in den Himmel aufgestiegen“, hieß es. Die Nation ist erschüttert.

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