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Urlaub mit Hurrikan „Dorian“ : 50 Kilometer weiter wird schon evakuiert

Trotz des Feiertags sind kaum Touristen am Strand – Hurrikan „Dorian“ naht. Bild: Anna-Sophia Lang

In Florida dreht sich weiter alles um Hurrikan „Dorian“: Bang blickt man dort auf die Bahamas. Derweil haben die ersten Ausläufer Miami praktisch leergefegt, berichtet unsere Autorin.

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          Es ist Tag fünf unseres Urlaubs in Miami, in dem alles ganz anders kam, als wir es uns ausgemalt hatten. Hurrikan „Dorian“ wütet mit Kategorie fünf über den nördlichen Bahamas, die nur ein paar hundert Kilometer von uns entfernt sind. Die Bilder, die wir im lokalen Fernsehen sehen, lassen uns schaudern. Eine Reporterin von „ABC Local“ ist mittendrin. Über ein Satellitentelefon erzählt sie aus Marsh Harbour, wo der Hurrikan das erste Mal auf Land getroffen ist, wie ihr Fotograf und sie es nicht mehr rechtzeitig in den sicheren Bunker geschafft haben und im Hotel um ihr Leben fürchteten. Stundenlang waren die beiden zwischendurch für ihre Kollegen und ihre Familien nicht mehr erreichbar. „Wir hielten uns an den Händen und beteten“, sagt sie. „Mich bringt so schnell nichts aus der Ruhe, ich bin eine harte Nuss, aber diesmal hatte ich echte Angst.“

          Anna-Sophia Lang

          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wir sehen Videos, die Bewohner gemacht haben, während der Hurrikan Stunde um Stunde über den Bahamas tobte. Mit nur einer Meile pro Stunde bewegt er sich vorwärts, auf den benachbarten Abaco-Inseln sind fünf Menschen ums Leben gekommen. „Betet für uns“, ruft eine junge Frau in einer Aufnahme immer wieder, die in ihrem Haus in den Wassermassen eingeschlossen ist. Ihre Stimme ist angsterfüllt. „Ich bin hier mit meinem vier Monate alten Baby, betet für uns, betet für uns.“

          In Florida gehen die Vorbereitungen derweil weiter. Die Fernsehsender sind mit ihren Teams draußen, berichten im Minutentakt über den ganzen Tag hinweg von vielen Orten an der Küste. Nur 50 Kilometer nördlich von uns in Fort Lauderdale treten am Sonntag die obligatorischen Evakuierungen in Kraft. Uber bietet kostenlose Fahrten in die Evakuierungszentren an, Airbnb öffnet Wohnungen an sicheren Orten kostenlos für die Evakuierten. Die Solidarität unter den Menschen ist groß. Eine Bar in Fort Lauderdale beginnt schon jetzt, Spenden für die Bahamas zu sammeln: Essen, Wasser, Windeln und andere Produkte für Babys, Hygieneprodukte, Werkzeug.

          „Das ist die Ruhe vor dem Sturm“

          Am Sonntagabend verdunkelt sich der Himmel über Miami immer mehr, die ersten stürmischen Böen und Regenschauer erreichen uns. Am südlichsten Punkt von Miami Beach erzählt uns abends ein Kellner in einem Restaurant am Hafen: „Ich habe es hier noch nie so leer wie heute gesehen.“ Viele Menschen haben ihre Boote in Sicherheit gebracht, das Restaurant ist praktisch leer. Hinter der Skyline von Miami Downtown geht die Sonne unter, tiefe Pfützen haben sich schon jetzt überall gebildet. „Das ist die Ruhe vor dem Sturm“, sagt der junge Mann, und gibt uns mit auf den Weg: „Seid vorsichtig.“ Das ist die Devise, mit der die Menschen hier seit Tagen leben und auch die folgenden Tage erleben.

          Miami wird am Montag von den ersten Ausläufern des Hurrikans getroffen. Mit 80 Kilometern pro Stunde wehen Böen über die Stadt, alle paar Minuten kommt ein neuer Schauer, dann schüttet es plötzlich wie aus Kübeln. Es ist Labour Day, einer der wenigen Feiertage in den Vereinigten Staaten. Normalerweise wären die Straßen jetzt voller Leute, doch es ist kaum jemand da. Viele Läden sind geschlossen, einige haben ihre Fensterfronten mit Brettern zugenagelt und die Eingangstüren mit Sandsäcken ausgelegt. Kinos, Museen und andere öffentliche Einrichtungen bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Am Strand sind nur ein paar Touristen, die wie wir in einer der kurzen trockenen Phasen spazieren gehen und raus aufs Meer gucken, in die Richtung, wo der Hurrikan auf den Bahamas gerade alles zerstört. Vor den Hotels laden Touristen ihre Koffer in Taxen, während Mitarbeiter Terrassen-Möbel auf Lastwagen laden, um sie wegzubringen. In unserem Hotel ist es inzwischen so leer, dass die Rezeptionisten Spiele spielen, um die Zeit herumzubringen.

          Als wir am Dienstagmorgen aufwachen, hat das Zentrum des Hurrikans die Bahamas endlich verlassen. Mittlerweile ist er wieder „nur“ noch ein Sturm der Kategorie zwei, mit Windgeschwindigkeiten von bis 175 Kilometern pro Stunde. Aber er ist immer noch riesig groß – und eine Gefahr für große Teile der Südostküste, die er erst in den nächsten Tagen erreichen wird. Neben Florida bereiten sich auch die Staaten Georgia, South Carolina und North Carolina auf den Sturm vor. 

          In Miami ist es etwas ruhiger. Ab und zu schafft es die Sonne fast durch die Wolken. Für uns gilt jetzt vor allem: Hoffen für die Bahamas. Und für all die Menschen, die noch immer nicht wissen, wie sehr der Hurrikan sie am Ende treffen wird. 

          Hurrikan „Dorian“ an der Ostküste der Vereinigten Staaten

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