https://www.faz.net/-gum-adryx

Betroffene in Hagen : „Wir wollten helfen, konnten aber nicht weitergehen“

In der Bachstraße in Hagen fließt, anders als der Name vermitteln mag, eigentlich kein Wasser. Bild: Marvin Volkmann

Besonders stark betroffen von den Überschwemmungen ist Hagen in Westfalen. Die Bewohner werden von den Wassermassen völlig überrascht – und schildern dramatische Szenen.

          4 Min.

          Ein Mann lenkt sein türkisfarbenes Schlauchboot durch stehendes Gewässer, in der Hand hält er ein weißes Paddel, auf dem Kopf trägt er eine blaue Kappe. Was nach einem entspannten Sommerausflug klingt, ist in Hagen gerade bitterer Ernst: Der Mann rudert durch eine Hauptstraße in der Innenstadt. Das Tiefdruckgebiet Bernd hat Hagen in Westfalen mit voller Wucht getroffen. So gut wie alle Stadtteile stehen am Donnerstag unter Wasser. Privathäuser, Keller und Firmenhallen liefen voll, Straßen sackten ab, die Feuerwehr ist im Dauereinsatz.

          Annina Metz
          Redakteurin für Social Media.

          „Die Bachstraße in Wehringhausen war komplett überflutet“, sagt Marvin Volkmann, der die Ruderszene fotografiert hat. „Die Wassermassen haben Steine und Holz aus dem Stadtwald in den Stadtteil getragen.“ Obwohl die Anwohner in Hagen-Wehringhausen mit anpackten und Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Polizei unterstützten, konnte das Wasser nicht gestoppt werden: „Viele Menschen haben bei der Errichtung von improvisierten Stau- und Ablenkmauern geholfen und so das Wasser einigermaßen von Haus- und Geschäftseingängen fernhalten können. Das hat natürlich nur stellenweise etwas funktioniert. Als der Regen dann am Mittwoch gegen 16.30 Uhr wieder stärker fiel, war von den vorangegangenen Bemühungen leider nur noch wenig zu sehen.“ 

          Ein Anwohner versucht in Hagen den Wassermassen Herr zu werden.
          Ein Anwohner versucht in Hagen den Wassermassen Herr zu werden. : Bild: Marvin Volkmann

          Auch in anderen Stadtteilen brach Chaos aus. Eine Familie aus Holthausen wurde die ganze Nacht von dem Unwetter wach gehalten. Dass man abends noch die Gullys auf dem Grundstück von Steinen und Blättern befreit hatte, half nicht mehr. Als die Feuerwehr nachts eintraf, stand der Keller vollständig unter Wasser. Elektrogeräte, Kleidung und Möbel waren da bereits zerstört. Hinzu kommen die Gegenstände von emotionalem Wert. Bis vier Uhr morgens standen die Hausbewohner im Keller und beförderten das Wasser mit Eimern aus dem Haus. Videos zeigen, wie sich ganze Straßen in reißende Flüsse verwandeln. Autos werden durch die Gegend geschoben, in einigen Häusern gibt es seit mehr als 24 Stunden keinen Strom. 

          Mehr Glück hatte eine Familie auf Emst. Florian R. war bei einem Freund, als der Regen einsetzte. Gegen 0.30 Uhr machte er sich trotz des Unwetters auf den Weg nach Hause. „Auf Höhe des Fernheizwerks stand mir das Wasser bis zum Schienbein, ich bin mit dem Fahrrad kaum durchgekommen“, berichtet R. Zu Hause sei er vollständig durchnässt in den Keller gegangen. Glücklicherweise: Auch dort stand bereits in allen Räumen das Wasser: „Das Wasser hat sich durch zwei Abflüsse im Keller hochgedrückt, knapp drei Stunden hat es gedauert, den Keller wieder trocken zu legen.“ Gemeinsam mit seinen Eltern, die im oberen Teil des Hauses schliefen, schaffte R. etwa 80 Liter mit Eimern aus dem Haus. Die Familie bewohnt das Haus bereits seit 28 Jahren. Einen Wasserschaden hat es in dieser Zeit noch nie gegeben.

          Topmeldungen

          Ellbogencheck: Boris Johnson und Angela Merkel im Juli dieses Jahres.

          Briten zur Bundestagswahl : Da herrscht das Chaos

          In Großbritannien blickt die Presse nicht allzu hoffnungsfroh auf die Bundestagswahl. Das hat viel mit dem kritisch betrachteten Erbe von Angela Merkel zu tun.
          Die Deutschen hängen an ihrem Bargeld. Doch immer mehr junge Menschen legen ihr Geld in Aktien an.

          Deutsche und ihr Vermögen : Der lange Abschied vom Sparkonto

          Das Geldvermögen der Deutschen ist groß wie nie. Die Sparer haben ihr Geld aber über die Jahre umgeschichtet. Vor allem bei Jüngeren gibt es einen bemerkenswerten Effekt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.