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Untergang eines Frachters : Frankreich bereitet sich auf eine Ölpest vor

Nach der Havarie der „Grande America“ bewegt sich ein Ölteppich auf die Atlantikküste Frankreichs zu. Bild: dpa

Ein etwa zehn Kilometer langer Ölteppich bewegt sich weiter auf das französische Festland zu. Vier Spezialschiffe sind bereits unterwegs – ob sie etwas ausrichten können, ist unklar.

          Ein Ölteppich droht die französische Atlantikküste zu erreichen, wie Umweltminister François de Rugy am Donnerstag in Paris gewarnt hat. Zunächst hatte er versucht, den Unfall herunterzuspielen, doch jetzt schlägt er Alarm. Nach dem Untergang des aus Hamburg kommenden Frachters „Grande America“ in der Biskaya hat sich ein etwa zehn Kilometer langer und ein Kilometer breiter Ölteppich gebildet, der am Samstag das Festland erreichen könnte. Die Départements Gironde und Charente sollten sich auf mögliche Konsequenzen einer Ölpest vorbereiten.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Die „Grande America“ hatte noch etwa 2200 Tonnen Schweröl an Bord, als sich die Havarie ereignete. Der Frachter der italienischen Reederei Grimaldi Lines war in Brand geraten und am Dienstag etwa 330 Kilometer von der französischen Küste entfernt im Golf von Biskaya gesunken. Das 214 Meter lange Frachtschiff war auf dem Weg von Hamburg nach Casablanca in Marokko, als es zuletzt starke Schlagseite bekommen hatte. Neben 2000 Fahrzeugen hatte das Schiff auch Gefahrgut an Bord. Die französische Meerespräfektur stufte den Inhalt von 45 Containern als gefährlich ein. Die 27 Menschen an Bord wurden von einem britischen Kriegsschiff gerettet.

          Vier Spezialschiffe zur Bekämpfung der Meeresverschmutzung wurden am Donnerstag in der Unglücksregion erwartet, kündigte der Umweltminister an. Auch die Europäische Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs wurde eingeschaltet. Doch es ist unklar, ob die Spezialschiffe etwas ausrichten können. Die Wetterbedingungen im Golf von Biskaya sind noch immer schlecht. Laut Präfektur erreichten die Wellen eine Höhe von bis zu sechs Metern. Die zuständige Meerespräfektur hat die Grimaldi Group aufgefordert, sich an der Rettungsaktion zu beteiligen. Gleichzeitig hat die Staatsanwaltschaft in Brest ein Ermittlungsverfahren eröffnet, um zu prüfen, ob alle Sicherheitsauflagen respektiert wurden.

          Der Ölteppich treibt auf die Atlantikküste Frankreichs zu. Vier Spezialschiffe versuchen die Meeresverschmutzung zu bekämpfen.

          Die Organisation „Robin des bois“ kündigte eine Klage wegen Meeresverschmutzung und illegaler Müllablagerung gegen den Reeder an. „2000 Fahrzeuge auf dem Meeresgrund, das kommt einem Umweltfrevel gleich“, sagte der Sprecher der Nichtregierungsorganisation, Jacky Bonnemains. An der Unglücksstelle seien Flora und Fauna auf Jahre hinaus geschädigt. Der Kandidat der Grünen für die Europawahlen, Yannick Jadot, kritisierte die niedrigen Sicherheitsauflagen für Transporte auf dem Seeweg. „Die Kontrollen müssen unbedingt verstärkt werden“, forderte Jadot.

          Der französische Umweltminister sagte, die Meeresverschmutzung könne sich auch auf den Tourismus auswirken. Die französische Atlantikküste ist ein beliebtes Reiseziel. Die Festungsstadt La Rochelle, die Sandstrände der Vendée und die Inseln Île d’Oléron und Île de Ré könnten von der Ölpest direkt betroffen sein. Im weiter südlich gelegenen Badeort Biarritz richtet der französische Präsident Emmanuel Macron Ende August den nächsten G7-Gipfel aus. Umweltverbände beklagten die Hilflosigkeit der Regierung.

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