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Unglück : Weltkriegsbombe tötet Straßenarbeiter auf der A3

  • Aktualisiert am

Bombenkrater an der Autobahn A3 Bild: AP

Teile einer Fräsmaschine liegen weit verstreut am Fahrbahnrand der A 3. Eine Bombe hat das tonnenschwere Gerät auseinandergerissen. Der Fahrer hatte keine Überlebenschance. Selbst Rettungskräfte stehen unter Schock: „Furchtbar. Einfach furchtbar.“

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          Völlig zerfetzt liegt die schwarz-gelbe Betonfräse im unfertigen Straßengraben der A 3 bei Aschaffenburg. Bei so einer Wucht hatte der 46 Jahre alte Maschinenführer aus Dresden keine Überlebenschance. Wie ein Spielzeugauto flog die 25 Tonnen schwere Maschine durch die Luft, 100 Meter weit wurden einzelne Trümmer geschleudert.

          Es war 10.53 Uhr, als Kollegen des Maschinenführers einen dumpfen Knall hörten. „Wir standen etwa 400 Meter weit entfernt an einem Bauwagen, trotzdem haben wir die Druckwelle noch gespürt“, erzählt ein Kollege. „Er war zwar nicht von unserer Firma, aber gekannt hat man sich schon, so von der Brotzeit.“ Neben dem Maschinenführer der Betonfräse, der noch an der Unfallstelle verstarb, erlitten vier weitere Bauarbeiter und eine Autofahrerin schwere Schocks.

          30 Zentimeter tief im Boden

          Die Maschine hatte Trockenbeton unter die Erde gemischt und anschließend verdichtet, erklärte ein Polizeisprecher an der Unglücksstelle. Der Fräsenkopf, der etwa 30 Zentimeter tief im Erdreich arbeitete, „muß dabei die Bombe zur Detonation gebracht haben“. Die herumfliegenden Trümmerteile der Fräse beschädigten auch einige vorbeifahrende Autos. Der Verkehr wurde an der Baustelle einseitig vorbeigeleitet. Die Fahrbahn soll hier auf sechs Streifen verbreitert werden.

          Endlose Staus, die A3 mußte auf beiden Seiten gesperrt werden
          Endlose Staus, die A3 mußte auf beiden Seiten gesperrt werden : Bild: REUTERS

          Den Rettungskräften von Feuerwehr und Rotem Kreuz bot sich ein schreckliches Bild, als sie wenige Minuten nach der Explosion am Einsatzort eintrafen. „Mit so was hatte ich nicht gerechnet“, sagt ein Feuerwehrmann. Ein Sanitäter wollte eigentlich nichts sagen, dann redet er doch: „Furchtbar. Einfach furchtbar.“

          Fünf-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg

          Nach Erkenntnissen von Fachleuten am Montag ist eine Fünf-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg in die Luft geflogen. Darauf wiesen gefundene Fragmente der Bombe und das Ausmaß des Bombentrichters hin, sagte eine Polizeisprecher am Montag nachmittag. Die Unglücksstelle hatten am Nachmittag Fachleute des Bayerischen Landeskriminalamtes und eines Kampfmittelräumdienstes untersucht. Einen rund acht Meter breiten und zweieinhalb Meter tiefen Krater hat die Bombe in die Asphaltdecke gerissen. Der Aschaffenburger Stadtteil Damm wurde bis 1945 von den Alliierten bombardiert, weil dort Uniformen hergestellt wurden. Blindgänger finden sich daher in der Region auch heute noch immer wieder.

          Nach einer ersten Einschätzung der Polizei steckte der Sprengkörper in dem aus Beton bestehenden Fahrbahnbelag der Autobahn. „Davon müssen wir jedenfalls ausgehen“, sagte Polizeisprecher Schmitt. Ob er bei dem Jahrzehnte zurückliegenden Bau der wichtigen Ost-West-Autobahn aus Versehen mit dem Beton eingegossen wurde, sei aber noch unklar. „Das müssen unsere weiteren Ermittlungen zeigen.“ Sollte es so gewesen sein, wären jahrzehntelang Millionen von Autos über den im Fahrbahnbeton eingeschlossenen Blindgänger gerollt, ohne daß es zu einem Unglück gekommen war.

          Autobahn stundenlang gesperrt

          Nach dem Unglück wurde die A 3 Frankfurt-Würzburg zwischen den Anschlußstellen Aschaffenburg Ost und West in beide Richtungen stundenlang gesperrt, der Verkehr weiträumig umgeleitet. Es bildeten sich lange Staus. Auf den Lärmschutzwällen links und rechts der Unfallstelle versammelten sich schnell Neugierige, gafften und fotografierten. „So was gibt's hier ja nicht jeden Tag“, meinte ein Schaulustiger.

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