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Unglück in Soma : Alle vermissten Bergleute sind geborgen

  • Aktualisiert am

In Soma gehen die Beerdigungen bei strömenden Regen weiter. Bild: AP

In Soma sind die Leichen der beiden letzten vermissten Bergleute geborgen worden. Zuvor hatte ein Feuer in der Grube die Arbeiten erschwert.

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          Vier Tage nach dem verheerenden Bergwerksunglück im westtürkischen Soma stehen die Bergungsarbeiten vor dem Abschluss. Am Samstag wurden die Leichen der beiden letzten noch vermissten Arbeiter über Tage gebracht, wie Energieminister Taner Yildiz mitteilte. Damit stieg die Zahl der Todesopfer auf 301. Derzeit gebe es keine weiteren Vermisstenmeldungen von Angehörigen, sagte Yildiz. Sollte sich dies nicht ändern, dann seien die Bergungsarbeiten abgeschlossen. Dennoch würden die Rettungskräfte noch einmal durch die Grube gehen, um endgültig Klarheit zu haben.

          Zuvor hatte ein Brand die Bergungsarbeiten behindert. Das Feuer war am Samstag einem Abschnitt der Kohlegrube in Soma ausgebrochen, der rund 250 Meter von der Stelle entfernt liegt, wo die letzten vermissten Bergleute vermutet wurden. Hoffnung, dass die Vermissten noch lebend geborgen werden können, hatte es kaum gegeben. Zuletzt waren am Mittwoch Überlebende geborgen worden. 485 Arbeiter überlebten das Unglück vom Dienstag.

          Bild: DPA

          In einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Abdullah Gül drückte Obama sein Beileid aus. Welche Hilfe genau er dem Land zukommen lassen wollte, blieb in einer Mitteilung des Weißen Hauses zunächst unklar. Zuvor war es in Soma zu Zusammenstößen gekommen. Wie Augenzeugen berichteten, feuerten die Sicherheitskräfte auch Gummigeschosse auf Demonstranten. Diese fordern den Rücktritt der Regierung. Ihr wird unter anderem vorgeworfen, schärfere Sicherheitskontrollen verhindert zu haben.

          Für zusätzliche Brisanz sorgt ein Video, auf dem eine Ohrfeige Erdogans zu sehen sein soll - allerdings ist die Sequenz verwackelt, so dass sein Verhalten nur undeutlich zu erkennen ist. Erdogan war bei seinem Besuch in Soma am Mittwoch von einer Menschenmenge ausgebuht und ausgepfiffen worden. Sicherheitskräfte bahnten ihm den Weg durch Demonstranten in ein Geschäft. Dabei soll es zu dem Vorfall gekommen sein. Erdogan hatte zuvor unter anderem die schlechte Sicherheitsbilanz der Kohlebergwerke in der Türkei heruntergespielt und gesagt: „Solche Unfälle passieren ständig.“

          Menschen versammeln sich in Soma, um die Opfer des Grubenunglücks zu gedenken und gegen die Politik der Regierung zu protestieren.
          Menschen versammeln sich in Soma, um die Opfer des Grubenunglücks zu gedenken und gegen die Politik der Regierung zu protestieren. : Bild: AP

          Grünen-Chef Cem Özdemir kritisierte, mit seiner Reaktion auf das Grubenunglück verwandele Erdogan die tiefe Trauer vieler Türken in Wut. Der Regierungschef könne jetzt nicht einfach Wahlkampf machen, fügte er mit Blick auf den geplanten Auftritt Erdogans in Köln hinzu. Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) forderte Erdogan auf, seine Rede in der Lanxess-Arena abzusagen. „Ich halte den Besuch in Ablauf und Inhalt für abwegig und unangemessen“, sagte er der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. „Der Besuch kommt einem Missbrauch des Gastrechts nahe.“

          Erdogans Partei AKP hat mitgeteilt, dass der Auftritt in Köln keine Wahlkampfveranstaltung sei, sondern das zehnjährige Bestehen der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) würdige. Kritiker gehen jedoch davon aus, dass Erdogan türkischer Präsident werden und in Köln um Stimmen werben will. An der Wahl am 10. August dürfen erstmals auch die in Deutschland lebenden Türken teilnehmen.

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