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Unglück in Düngemittelfabrik : „Als wäre eine Atombombe explodiert“

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Bild der Zerstörung: die Düngemittelfabrik „West Fertilizer“ am Tag nach der Explosion Bild: AP

Das Ausmaß der Zerstörung ist gewaltig. Die Explosion einer Düngemittelfabrik hat ganze Teile der texanischen Kleinstadt West zerstört. Noch immer ist unklar, wie viele Menschen ums Leben kamen. Mehr als 160 wurden verletzt.

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          Für die texanische Kleinstadt West ist es eine Katastrophe unfassbaren Ausmaßes. In einer Düngemittelfabrik ereignet sich am Mittwochabend Ortszeit eine enorme Explosion, sie bringt anliegende Gebäude zum Einsturz und tötet mehrere Menschen. Bürgermeister Tommy Muska vergleicht die Explosion sogar mit einer Atombombe, auch andere Einwohner schildern dramatische Szenen.

          Verunsicherung herrscht auch, weil die Vereinigten Staaten in den vergangenen Tagen durch den Bombenanschlag in Boston und mehrere Giftbriefe sich der Terrorgefahr wieder schmerzlich bewusst geworden sind. Hinweise für einen Zusammenhang mit dem Flammeninferno in West gibt es allerdings nicht.

          „Es war, als wäre eine Atombombe explodiert“, sagt Muska dem Nachrichtensender CNN. In seiner 2500-Einwohner-Stadt seien bis zu 80 Häuser dem Erdboden gleich gemacht worden. Amerikanische Seismologen vergleichen die Explosion mit einem Erdbeben - von der Stärke 2,1. Auch eine Wohnanlage und ein Altenheim wurden zerstört, die Schule stand in Flammen.

          „Es ist eine Szene der Zerstörung“, beschreibt W. Patrick Swanton von der Polizei im nahe gelegenen Waco die Lage in West. Es herrscht Chaos, den Behörden fehlt die Übersicht. Nach vorläufigen Schätzungen seien etwa fünf bis 15 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 160 weitere verletzt worden, teilt Swanton am Donnerstag mit. Die Zahl der Todesopfer könne aber weiter steigen.

          In der Umgebung der Düngerfabrik wurde jedes Haus auf der Suche nach möglichen weiteren Opfern durchkämmt. Der lokale Fernsehsender KWTX berichtete zunächst unter Berufung auf die Behörden von 60 bis 70 Todesopfern. Auch ein Krankenhausmitarbeiter in Waco erzählt, ihm sei diese Zahl genannt worden.

          Um kurz vor 20 Uhr (Ortszeit) ereignete sich die Explosion, sagt der Feuerwehrsprecher von Waco, Don Yeager. Das Feuer sei inzwischen unter Kontrolle. Vorsichtshalber wurden in einigen Teilen der Stadt aber Strom und Gas abgestellt. Außerdem könnten giftige Gase entstehen, warnt die Polizei. Dutzende Krankenwagen brachten sich in Stellung, um die Verletzten zu versorgen. Rauchwolken und ein beißender Geruch liegen über der Kleinstadt. Es gebe einen Ansturm auf die Notunterkünfte, erzählt Mark Felton vom Roten Kreuz.

          „Es war, als würde die ganze Straße hochgedrückt“, beschreibt Cheryl Marich auf CNN die Explosion. Auch ihr Haus wurde dabei zerstört. Jason Shelton“ sagte der Zeitung „The Dallas Morning News“: „Es explodierte wie die Bombe von Oklahoma City.“ Sein Vergleich mit dem rechtsradikalen Anschlag, bei dem am Freitag vor 18 Jahren fast 170 Menschen starben, kommt nicht von ungefähr.

          Schließlich ist die Sicherheitslage in den Vereinigten Staaten derzeit äußerst angespannt. Bei einem Bombenanschlag während des Marathons in Boston waren am Montag drei Menschen getötet und mehr als 180 weitere verletzt worden. Außerdem sorgten Gift-Briefe an Präsident Barack Obama und einen Senator aus Mississippi für Unruhe, die bei einer Kontrolle positiv auf das tödliche Rizin getestet wurden.

          Mutmaßungen über einen Anschlag in West gab es auch deshalb, weil sich am Freitag zum 20. Mal die Erstürmung des Geländes einer rechtsgerichteten Sekte in Waco jährt, bei der 76 Menschen starben. Doch auch wenn es keine Hinweise auf einen Anschlag in West gibt, steht der Ort unter Schock. „Die Dinge, die ich gehört und gesehen habe, sind unerträglich“, sagt eine Frau auf CBS. „Das ist ein kompletter Alptraum.“

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