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Unglück im Ural : 88 Tote bei Flugzeugabsturz in Russland

  • Aktualisiert am

Keine Chance zum Überleben Bild: AP

Beim Absturz eines Passagierflugzeuges in Russland sind alle 88 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Die Boeing-Maschine kam aus Moskau und stürzte vor der Landung in der sibirischen Stadt Perm auf unbewohntem Gebiet ab. Unter den Opfern ist ein Deutscher.

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          Der Absturz eines Aeroflot-Flugzeugs vom Typ Boeing 737 in Russland hat alle 88 Insassen in den Tod gerissen - unter ihnen war vermutlich auch ein Deutscher. Die Maschine der Tochtergesellschaft Aeroflot-Nord explodierte am Sonntag nach dem Aufschlag auf unbewohnten Gelände der Industriestadt Perm nahe dem Ural, wie die Sprecherin des russischen Zivilschutzministeriums, Irina Andrianowa, sagte. An Bord waren 7 Kinder und 21 Ausländer, hieß es in einer Aeroflot-Mitteilung.

          Das Auswärtige Amt hat nach Angaben eines Sprechers „noch keine eigenen Erkenntnisse“, ob Deutsche ums Leben gekommen sind. Das Konsulat in Jekaterinburg habe Mitarbeiter zur Unglücksstelle geschickt, die in einigen Stunden dort einträfen, um Kontakt mit den Behörden am Ort aufzunehmen.

          Die Ursache der schwersten Flugzeugkatastrophe in Russland seit zwei Jahren war zunächst unklar. Laut Regierungsangaben starb bei dem Absturz auch der Tschetschenien-Veteran und Präsidentenberater, General Gennadi Troschew.

          Troschew hatte während des Tschetschenien-Kriegs die russischen Truppen im Nordkaukasus kommandiert. Er war zuletzt für Kosakenfragen beim Präsidialamt zuständig. Der russische Präsident Dmitri Medwedew, der am Tag der Katastrophe 43 Jahre alt wurde, sprach den Angehörigen sein Beileid aus und sicherte ihnen finanzielle Unterstützung zu. Zu einem möglichen Terrorhintergrund äußerten sich die Behörden nicht. In Perm und Moskau gab es allerdings widersprüchliche Angaben zum Zeitpunkt der Explosion des Flugzeuges. Augenzeugen hatten berichtet, dass die Maschine bereits in der Luft explodiert sei.

          Trümmer in einem ungewöhnlich großen Umkreis

          Der Luftverkehrsexperte Anatoli Kwotschur hielt diese Version für möglich, da die Trümmer in einem ungewöhnlich großen Umkreis von vier Kilometern verstreut waren. Die Generalstaatsanwaltschaft ging nach Angaben ihres Chefermittlers Alexander Bastrykin zunächst von einem Verstoß gegen die Sicherheit in Luftverkehr aus. Die Aeroflot-Führung teilte mit, dass das 15 Jahre alte Flugzeug noch in diesem Jahr gewartet worden sei. Die Maschine gehörte zur Flotte der Aeoroflot-Nord, die insgesamt acht 737 im Einsatz hat. Der Radiosender „Echo Moskwy“ berichtete nach vorläufigen Angaben, dass ein Triebwerk an der Boeing ausgefallen war.

          Die Boeing mit der Flugnummer 821 war gegen 1:10 Uhr MESZ (3:10 Uhr Ortszeit) vom Moskauer Flughafen Scheremetjewo gestartet und vor der Landung in einem unbewohnten Gebiet der Millionenstadt abgestürzt. Bis zu den Hochhäusern seien es nur einige hundert Meter gewesen. Oppositionspolitiker kritisieren seit Jahren, dass die Flugzeuge zu dem nur 20 Kilometer vom Zentrum entfernten Airport über die Stadt fliegen. Die Maschine habe in 1800 Metern Höhe den Kontakt zur Flugleitung verloren, sagte Andrianowa. Beim Aufschlag auf dem Boden sei die Boeing explodiert und in Flammen aufgegangen. Ermittler stellten am Sonntag die beiden Flugschreiber sicher. Diese sogenannten Black Boxes sollen helfen, die Ursache des Unglücks zu klären.

          Gleise der Transsibirischen Eisenbahn zerstört

          Durch den Aufprall der Flugzeugteile wurden am Boden Gleisanlagen sowie Elektroleitungen der Transsibirischen Eisenbahn auf etwa einem halben Kilometer Länge zerstört. Der betroffene Abschnitt liegt auf der Strecke Perm-Jekaterinburg. Der Zugverkehr in der Region wurde vorübergehend komplett eingestellt, wie die Russische Staatsbahn mitteilte. Von Moskau aus startete am Morgen eine Sondermaschine mit 60 Bergungskräften, Ermittlern und Psychologen, um zu dem Unglücksort zu gelangen und die Angehörigen der Opfer zu betreuen. Niemand habe den Absturz überleben können, sagte die Zivilschutz-Sprecherin Andrianowa. Am Ort des Unglücks waren am Sonntagmorgen rund 300 Helfer im Einsatz.

          Perm ist die östlichste Millionenstadt Europas und liegt etwa 1400 Kilometer von Moskau entfernt nahe dem Ural-Gebirge. Aeroflot ist die größte russische Fluglinie, die zusammen mit ihren verschiedenen Tochterfirmen jährlich nach eigenen Angaben weltweit rund zehn Millionen Passagiere befördert. Die etwa 85 Jahre alte Gesellschaft erneuert seit Jahren ihre Flotte.

          Laut der russischen Statistikbehörde kamen 2007 bei 23 Flugzeugunglücken in Russland 41 Menschen ums Leben. Auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion war zuletzt am 24. August eine etwa 29 Jahre alte Maschine vom Typ Boeing 737 in der zentralasiatischen Republik Kirgistan abgestürzt. Dabei starben mindestens 65 Menschen.

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