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Unglück auf der A9 : „Der Bus stand schon lichterloh in Flammen“

Das Wrack des verunfallten Reisebusses an der Unglücksstelle auf der A9 bei Münchberg Bild: dpa

Warum ging der Bus nach dem schweren Unfall auf der A9 so schnell in Flammen auf? Die Rettungskräfte waren nur zehn Minuten nach der Alarmierung am Unfallort, konnten aber nichts mehr tun.

          Noch am Montagvormittag hatte die Polizei von einem Fünkchen Hoffnung gesprochen. Mit dem Fünkchen Hoffnung war die Möglichkeit gemeint, dass vielleicht die 18 bis dahin noch vermissten Insassen des Reisebusses nach dem Unfall in Panik davon gelaufen waren. Vielleicht in ein Waldstück, das sich in der Nähe des Abschnitts der Autobahn 9 nahe Münchberg in Oberfranken befindet, wo am Montagmorgen gegen sieben Uhr ein Reisebus gegen einen Sattelschlepper geprallt und in Flammen aufgegangen war. Dorthin, so die Hoffnung, hätten sich einige der insgesamt 48 Bus-Insassen vielleicht unter Schock retten können. Doch nachdem die Polizei das Gebiet um die Unfallstelle sorgfältig abgesucht hatte, äußerte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken die Befürchtung, dass man „realistisch“ bleiben müsse: „Wir werden mit Toten rechnen müssen.“

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Er sollte recht behalten. Die verbleibenden Personen seien wohl in dem brennenden Reisebus ums Leben gekommen, hieß es mittags in einer Mitteilung der Polizei. Es habe keine Rückmeldung über weitere Überlebende gegeben, sagte Polizeisprecher Jürgen Stadter. Am späten Nachmittag bestätigten dann die Einsatzkräfte an der Unglücksstelle, dass alle 18 Vermissten tot geborgen worden seien. Die Opfer sollen zwischen 66 und 81 Jahre alt sein. Unter ihren soll auch einer der beiden Fahrer sein, der zweite Fahrer sei verletzt worden.

          Zuvor hatte schon Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, der zusammen mit dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) zur Unfallsstelle geeilt war, die Identifizierung von elf Todesopfern bestätigt. 30 Personen sind zudem verletzt worden, viele von ihnen schwer. Zwei Personen schwebten am Abend noch in Lebensgefahr.

          Herrmann kritisiert Verhalten der Autofahrer

          „Was wir gesehen haben, ist erschreckend, wie man es sich kaum vorstellen kann“, sagte Dobrindt an der Unglücksstelle. Die Rettungskräfte seien nur zehn Minuten nach der Alarmierung am Unfallort gewesen. Doch aufgrund der großen Hitze hätten sie nichts mehr tun können. Der Bus habe schon „lichterloh in Flammen gestanden“, sagte ein Feuerwehrsprecher später. Der bayerische Innenminister kritisierte zudem das Verhalten vieler Autofahrer scharf: „Leider haben aber viele Autofahrer keine ausreichend große Rettungsgasse gebildet.“ Die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehren hätten dadurch wertvolle Zeit verloren. Viele Autofahrer, so Herrmann, hätten es leider immer noch nicht kapiert: „Wer Rettungskräften im Weg steht, verhindert Hilfe. Das kann Menschenleben kosten.“ Dazu seien auf der Gegenfahrtrichtung einige Gaffer gekommen, die beinahe Folgeunfälle verursacht hätten. Dieses Verhalten sei beschämend.

          Der ausgebrannte Reisebus in Münchberg auf der Autobahn A9 Bilderstrecke

          In dem Reisebus aus Sachsen saßen insgesamt 48 Frauen und Männer, 46 Reisende und zwei Fahrer. Die Reisenden waren zwischen 41 und 81 Jahre alt, einige kamen aus Sachsen, einige jedoch auch aus anderen Bundesländern, wie das sächsische Innenministerium mitteilte. Allein vier Fahrgäste kommen nach Mitteilung des brandenburgischen Innenministeriums aus Brandenburg. Bei der Reisegruppe soll es sich überwiegend um Senioren gehandelt haben, die auf dem Weg zum Gardasee waren. Um kurz nach sieben Uhr prallte der Bus dann nahe Münchberg im Landkreis Hof auf einen voraus fahrenden Sattelschlepper und ging in Flammen auf. Andere Verkehrsteilnehmer informierten umgehend die Polizei.

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