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Unfall am Filmset : Alec Baldwins Waffe enthielt scharfe Munition

  • -Aktualisiert am

Mit ersten Erkenntnissen: Sheriff Adan Mendoza und Staatsanwältin Mary Carmack-Altwies Bild: AP

Die Ermittler geben am Mittwoch in Santa Fe bekannt, dass das Projektil sichergestellt wurde. Ob es am Filmset zu Fahrlässigkeiten kam, ist weiterhin unklar. Indes wollen mehrere Filmschaffende künftig auf Waffen an Sets verzichten.

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          Auch knapp eine Woche nach Alec Baldwins tödlichem Schuss auf die Kamerafrau Halyna Hutchins am Set des Westerns „Rust“ ist weiterhin offen, ob der Bundesstaat New Mexico Anklage erhebt. Wie die Staats­anwältin Mary Carmack-Altwies am Mittwochvormittag  bei einer Pressekonferenz in Santa Fe sagte, hat das ­Sheriffbüro die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. Zudem stehe die Unter­suchung des Projektils durch das Labor der amerikanischen Bundespolizei (FBI) in Virginia weiterhin aus. „Ich bin nicht bekannt für voreilige Entscheidungen und auch nicht für voreilige Bewertungen“, wehrte sie die Fragen der Journalisten nach möglichen Schuldigen ab.

          Während der Dreharbeiten zu dem Western „Rust“ hatte Baldwin am vergangenen Donnerstag bei einer Probenszene auf der Filmranch Bonanza Creek bei Santa Fe mit einem Revolver auf die Kamera gezielt. Als sich ein Schuss löste, sackte die 42 Jahre alte Cinematographin Hutchins neben der Kamera zusammen. Sie starb später im Krankenhaus. Auch der Regisseur Joel Souza wurde verletzt. Der Achtundvierzigjährige konnte das Krankenhaus aber nach wenigen Stunden wieder verlassen. Wie Sheriff Adan Mendoza am Mittwoch sagte, wurde die Kugel aus Souzas Schulter entfernt. Das Projektil sei dasselbe gewesen, das Hutchins’ Brust traf. Der Revolver, der Baldwin kurz zuvor durch den Regieassistenten Dave Halls mit dem Hinweis übergeben wurde, er sei nicht geladen, enthielt laut Mendoza weitere Geschosse.

          Mehr als 500 Schuss Munition am Set

          Der Frage nach Unregelmäßigkeiten durch Halls, die Waffenmeisterin Hannah Gutierrez oder die Produktionsfirma Rust Movie Productions LLC, an der auch Baldwin beteiligt ist, wichen die Justiz­behörden aus. „Wir können noch nicht sagen, ob es zu Fahrlässigkeit kam und wenn ja, durch wen“, sagte Staatsanwältin Carmack-Altwies. Auch zu Fragen über ein angebliches Trinkgelage am Abend vor dem Unglück und Schießübungen in der Wüste machten die Juristin und Sheriff Mendoza keine Angaben. Insgesamt, sagte der Leiter des Sheriff­büros des Bezirks Santa Fe, wurden am Set mehr als 500 Schuss Munition gefunden, scharfe Patronen und Platzpatronen. Der tragische Tod der Kamerafrau Hutchins hat in Hollywood abermals die Debatte über Waffen bei Dreharbeiten angestoßen. Schon in der Vergangenheit verlangten viele Filmschaffende, Pistolen, Revolver sowie Gewehre aus Sicherheitsgründen von Sets zu verbannen und Mündungsfeuer während der Postproduktion am Computer zu ergänzen. Der Erfinder und Produzent der Polizeiserie „The Rookie“, Alexi Hawley, gab inzwischen bekannt, alle „live“ Waffen zu streichen. „Jeder Schusswechsel am Set wird künftig mit Airsoftwaffen gespielt, das Mündungsfeuer wird digital hineingeschnitten. Jedes Risiko ist zu viel Risiko“, sagte Hawley.

          Adan Mendoza (links), Sheriff von Santa Fe County, und die Bezirksstaatsanwältin von Santa Fe, Mary Carmack-Altwies, während der Pressekonferenz vor dem Büro des Sheriffs.
          Adan Mendoza (links), Sheriff von Santa Fe County, und die Bezirksstaatsanwältin von Santa Fe, Mary Carmack-Altwies, während der Pressekonferenz vor dem Büro des Sheriffs. : Bild: dpa

          Auch Regisseur Craig Zobel, der mit Kate Winslet für den Sender HBO gerade die Miniserie „Mare of Easttown“ dreht, nahm den Unfall am Set von „Rust“ zum Anlass, auf Dreharbeiten ohne Waffen zu bestehen. „Es gibt keinen Grund mehr, Waffen mit Platzpatronen oder irgendwie geladen zu benutzen. Heute gibt es Computer“, twitterte der Filmemacher. Die meisten Studios, heißt es in Hollywood, wollen aber nicht auf Requisitenwaffen und Mündungsfeuer verzichten. Die vorgeschriebenen Sicherheitsvorkehrungen seien ausreichend – solange sie eingehalten würden.

          Wie der Requisiteur Neal W. Zoromski der Los Angeles Times sagte, hat er das Angebot ausgeschlagen, am Set von Baldwins Western „Rust“ zu arbeiten. Statt mit den üblichen fünf Mitarbeitern, unter ihnen Waffenmeister und stellvertretender Requisiteur, sollte Zoromski aus Kostengründen allein arbeiten. Der Requisiteur, bekannt für Produktionen wie Roland Emmerichs Katastrophenfilm „The Day After Tomorrow“ und Amy Miller Gross’ Komödie „Die Hochzeit meines Bruders“, sagte ab. Rust Movie Productions LLH heuerte an Zoromskis Stelle schließlich die Waffenmeisterin Gutierrez an, die für den Revolver verantwortlich war, mit dem die Kamerafrau Hutchins tödlich verletzt wurde.

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          Schon vor der Pressekonferenz am Mittwoch war bemängelt worden,  Gutierrez habe  nicht genug Erfahrung gehabt. Die Vierundzwanzigjährige sei schon am Set von „The Old Way“ durch Verstöße gegen die Vorschriften auf­gefallen. Wie das Branchenportal The Wrap am Dienstag meldete, brach Oscar-Preisträger Nicolas Cage, der Hauptdarsteller des Westerns, die Dreharbeiten im Sommer wiederholt ab, da Gutierrez ihn mehrmals durch unangekündigte Schüsse erschreckte.

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