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Busunglück auf A9 : Unaufmerksamkeit des Fahrers verursachte Unfall mit 18 Toten

Bei dem Unfall waren 18 Menschen ums Leben gekommen. Bild: dpa

Viereinhalb Wochen nach dem schweren Busunglück auf der A9 haben Ermittler ihre Ergebnisse vorgestellt. Zu dem verheerenden Brand kam es demnach wegen Kurzschlüssen bei der Batterie und der Elektrik.

          Eine Unaufmerksamkeit des Busfahrers war die Ursache für das Busunglück am 3. Juli auf der Autobahn9 in Oberfranken in der Nähe von Münchberg. Das haben die Verkehrspolizei Hof und die Staatsanwaltschaft Hof am Mittwoch als erstes Ermittlungsergebnis mitgeteilt. Bei dem Unfall war ein Reisebus mit zwei Fahrern und 46 Fahrgästen an Bord auf einen Sattelschlepper aufgefahren. Der Bus ging in Flammen auf, 18 Personen kamen ums Leben, unter ihnen war auch einer der Fahrer. 30 Personen wurden zum Teil schwer verletzt.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der Bus geriet durch den Aufprall in Brand und brannte aus. Nach den wochenlangen Untersuchungen durch Fachleute scheint nun festzustehen, dass es zu Kurzschlüssen bei der Batterie und der Elektrik im vorderen Teil des Busses kam, wie Staatsanwalt Jochen Götz sagte. Neben der Batterie befand sich ein Kraftstofftank, der durch den Aufprall zusammengestaucht wurde und platzte. Der Kraftstoff entzündete sich, die Flammen wurden durch einen Drucklufttank angefacht, sodass sich Rauch und Feuer rasch ausbreiten konnten. „Es ergaben sich keine Anhaltspunkte, dass eines der Fahrzeuge vor dem Unfall gebrannt hat.“

          Die Reisegruppe, überwiegend Senioren aus Sachsen, war unterwegs nach Italien gewesen.

          Der Bus war aus Dresden kommend in Richtung Italien unterwegs. Er fuhr nach Angaben der Staatsanwaltschaft gegen 0.30 Uhr vom Betriebsgelände des Busunternehmens im Landkreis Görlitz los. Abfahrt in Dresden mit den letzten zugestiegenen Fahrgästen war gegen 4.50 Uhr. Im Bus befanden sich 46 Fahrgäste im Alter zwischen 41 und 81 Jahren und die beiden 55 und 43 Jahre alten Fahrer.

          Der Bus hatte keine technischen Mängel

          Die erste Pause war nach etwa zweieinhalb Stunden Fahrtzeit eingeplant. Der Reisebus, Baujahr 2013, war mit ABS und ESP ausgestattet, verfügte jedoch nicht über ein Assistenzsystem, das bei einem drohenden Auffahrunfall automatisch abbremst. Dies sei erst bei neueren Modellen Pflicht, sagte der Leiter der Verkehrspolizei Hof. Der Bus hatte zwei verbundene Kraftstofftanks: vorne rechts (500 Liter) und vorne links (300 Liter) jeweils vor der Vorderachse. Ebenfalls vorne links befanden sich die beiden Batterien und die Drucklufttanks. Bei Abfahrt war der Bus vollgetankt. Der Bus hatte keine technischen Mängel. Der Fahrer des Busses hatte das Wochenende vor dem Unfalltag frei. Er übernahm in Dresden das Steuer. Lenk- und Ruhezeiten wurden eingehalten. Zu den Fahrern liegen keine sonstigen polizeilichen Erkenntnisse vor.

          Der Lastwagen mit Anhänger war von der Ukraine nach Frankreich unterwegs. Beladen waren die beiden Container mit insgesamt 5250 Kilogramm Schaumstoffkissen. Technische Mängel lagen nicht vor, die Lenk- und Ruhezeiten wurden eingehalten. Die letzte Pause von etwa einer Stunde fand 19 Kilometer vor der Unfallstelle statt. Die Unfallstelle, auf der A9 zwischen den Anschlussstellen Münchberg-Süd und Gefrees in Höhe des Ortes Stammbach, liegt rund 2,5 Kilometer nach einer baustellenbedingten Geschwindigkeitsbegrenzung für Fahrzeuge auf 120 Kilometer in der Stunde und etwa 900 Meter vor dem Baustellentrichter, in dem die drei Fahrspuren auf zwei zusammengeführt werden. Zum Unfallzeitpunkt um kurz nach sieben Uhr kam es auf der rechten Spur zu stockendem Verkehr. Beide Fahrzeuge befanden sich schon länger auf der rechten Spur.

          Der Fahrer des Lastwagens reduzierte seine Geschwindigkeit schrittweise von um die 80 Kilometer in der Stunde auf 28. Die Analyse der Diagrammscheibe ergab, dass es sich um einen normalen Bremsvorgang handelte. Der Bus fuhr als Folge einer Unaufmerksamkeit des Fahrers mit etwa 60 bis 70 Kilometern in der Stunde auf den Anhänger auf, wobei der noch Fahrer versuchte, Richtung Standstreifen auszuweichen und wohl im letzten Moment noch abbremste. Was die Ursache für die Unaufmerksamkeit war, lässt sich nach Auskunft der Staatsanwaltschaft nicht mehr klären.

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