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Behörde zitiert Augenzeugen : Ukrainisches Flugzeug brannte vor Absturz in Iran

  • Aktualisiert am

Rettungskräfte sind nach dem Absturz einer ukrainischen Passagiermaschine an der Absturzstelle nahe Teheran im Einsatz. Bild: dpa

Bereits vor dem Absturz des ukrainischen Passagierflugzeugs soll es ein Feuer an Bord gegeben haben. Die iranische Luftfahrtbehörde berichtet, dass die Maschine noch versucht habe umzukehren.

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          Die kurz nach dem Start in Teheran abgestürzte ukrainische Passagiermaschine hat neuen iranischen Erkenntnissen zufolge wegen eines „Problems“ noch versucht, zum Flughafen zurückzukehren. Die Maschine habe sich zum Zeitpunkt des Absturzes bereits auf dem Rückflug befunden, erklärte die iranische Zivilluftfahrt-Organisation (CAO) in einem ersten Untersuchungsbericht, den sie in der Nacht zum Donnerstag auf ihrer Internetseite veröffentlichte.

          Augenzeugen berichteten laut CAO von einem Feuer an Bord der Unglücksmaschine, das an „Intensität zunahm“. Die Maschine verschwand nach Angaben der Ermittler bei einer Flughöhe von 8000 Fuß (2400 Metern) plötzlich von den Radarschirmen, ohne dass der Pilot über Funk über „ungewöhnliche Umstände“ berichtet habe. Die Ermittler gaben an, sowohl Zeugen am Boden wie auch an Bord einer zweiten Maschine befragt zu haben, die zum Zeitpunkt des Unglücks über der ukrainischen Boeing 737 geflogen sei.

          Bei dem Absturz der Boeing 737 der Ukraine International Airlines am Mittwoch kamen alle 176 Insassen ums Leben. Das Flugzeug war auf dem Imam-Chomeini-Flughafen in Teheran gestartet und ging kurz darauf südwestlich der iranischen Hauptstadt zu Boden. Der Flugschreiber und der Voice Recorder, der Gespräche im Cockpit aufzeichnet, sind laut der iranischen Behörde im Besitz der Ermittler. Die Geräte seien aber beschädigt. An der Untersuchung der Unglücksursache würden ukrainische Experten beteiligt.

          Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sollten Spezialisten aus Kiew in der Nacht zum Donnerstag zur Absturzstelle fliegen. Sie sollen demnach bei der Suche und Identifizierung von Passagieren der Unglücksmaschine helfen. „Sie werden auch hinzugezogen, um die Leichen der Ukrainer zu überführen“, sagte das Staatsoberhaupt. Auf seine Anweisung hin hatte die ukrainische Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet.

          Die Maschine von Ukraine International Airlines stürzte am Mittwoch kurz nach dem Abflug aus etwa 2400 Metern Höhe auf ein offenes Feld nahe dem Teheraner Vorort Parand ab. Sie war auf dem Weg von Teheran in die ukrainische Hauptstadt Kiew. Das Außenministerium in Kiew hatte zunächst auch von drei Deutschen gesprochen, die an Bord und unter den 176 Todesopfern gewesen sein sollen. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte am Mittwochabend mit, dass es zunächst keine Erkenntnisse über Todesopfer aus Deutschland erhalten habe.

          Im Fokus der Ermittler stehen nun die letzten Minuten der Maschine. Die iranischen Behörden hatten kurz nach dem Vorfall von einem technischen Defekt gesprochen, ohne aber zu erklären, worauf sie sich bei ihrer Einschätzung berufen. Irans Präsident Hassan Rohani forderte später vom Verkehrsministerium und der Luftfahrtbehörde eine lückenlose Aufklärung, wie der Nachrichtensender Chabar berichtete.

          „Die Erfahrung lehrt, dass vorschnelle Einschätzungen oft daneben liegen“, sagte der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Donnerstag). „Wir sollten die ersten offiziellen Untersuchungsergebnisse abwarten, die laut internationalen Vereinbarungen in 30 Tagen vorliegen müssen.“

          Selenskyj hatte ebenfalls vor Spekulationen gewarnt. Ungeprüfte Informationen sollten nicht weitergegeben werden, sagte er. Nach Angaben der iranischen Staatsanwaltschaft wurden die beiden Blackboxen mit den Flugdaten geborgen. Von ihnen erhoffen sich die Experten Aufschluss zur Ursache. Laut Airline wurde die Boeing, die die Fluggesellschaft nach eigenen Angaben erst 2016 in den Dienst genommen hat, erst am vergangenen Montag überprüft.

          Weltweit wollen mehrere Fluggesellschaften den iranischen Luftraum umfliegen. Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA hatte Fluggesellschaften aus ihrer Heimat bereits vor dem Absturz untersagt, überhaupt noch über den Irak, Iran, den Persischen Golf und den Golf von Oman zu fliegen. Iran hatte in der Nacht zu Mittwoch von Amerikanern geführte Militärstützpunkte im Irak mit Raketen angegriffen. Die FAA begründete das Flugverbot für zivile Flugzeuge aus den USA mit der erhöhten militärischen Aktivität und wachsenden politischen Spannungen.

          Ob ein Zusammenhang zwischen dem Absturz der ukrainischen Maschine und der militärischen Eskalation des Konflikts zwischen Iran und den USA besteht, war zunächst völlig unklar.

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