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Erhöhte Radioaktivität? : Ukraine kämpft weiter mit Großaufgebot gegen Waldbrände bei Tschernobyl

  • Aktualisiert am

Eine Aufnahme vom Ostersonntag zeigt einen Waldbrand unweit des stillgelegten Kernkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine. Bild: AFP

Um das havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl kämpft die Feuerwehr in der Ukraine weiter gegen massive Waldbrände. Die Grenzwerte für radioaktive Strahlung seien nicht überschritten worden, sagen die Behörden. Doch nun zieht eine Wolke Richtung Kiew.

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          Mit einem Großaufgebot kämpft die Feuerwehr in der Ukraine gegen die massiven Waldbrände um das havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl. Mehr als eine Woche nach dem Ausbruch des Feuers setzten die Behörden auch am Montag Flugzeuge und Hubschrauber zum Löschen ein. 416 Einsatzkräfte seien vor Ort, teilte der Katastrophenschutz mit. In dem radioaktiv belasteten Gebiet brannten Gras, Gestrüpp und Waldboden. Die Grenzwerte für radioaktive Strahlung seien in den besiedelten Gebieten, die an das Sperrgebiet rund um das Atomkraftwerk grenzen, nicht überschritten worden, versicherte die Zonenverwaltung am Wochenende.

          Der Katastrophenschutzdienst wies am Montagnachmittag Schilderungen aus sozialen Netzwerken zurück, wonach die Brände außer Kontrolle geraten seien und sich dem stillgelegten Kraftwerk und der verlassenen Stadt Prypjat näherten. „Ja, die Situation ist schwierig. Wirklich schwierig. Doch sie ist kontrollierbar. Das Feuer ist nicht einfach“, sagte Behördensprecherin Olga Kosak der Deutschen Presse-Agentur in Kiew. Der starke Wind erschwere die Situation. Doch sei die Lage unter Kontrolle. In der Region wurde mit Regenfällen gerechnet.

          Rauch zog bis ins 100 Kilometer entfernte Kiew

          Zum aktuellen Ausmaß der Brände machten die Behörden keine Angaben. Sie verwiesen am Wochenende lediglich auf mittlerweile fast eine Woche alte Satellitenbilder, wonach ein Gebiet von etwa 3500 Hektar innerhalb des Sperrgebiets in Flammen gestanden habe. Umweltschützer befürchten, dass Radioaktivität freigesetzt wird. Der Rauch zog bis in die etwa 100 Kilometer entfernte Hauptstadt Kiew. Außerdem gab es Befürchtungen, die Feuer könnten auf Lagerstätten mit radioaktiven Abfällen übergreifen.

          Auf Twitter verwies der Kiewer Büroleiter der Heinrich-Böll-Stiftung, Sergej Sumlenny, auf eine Grafik des Staatlichen Instituts für nukleare Sicherheit, das eine durch den Brand ausgelöste radioaktive Wolke voraussagt, die am Dienstagmorgen die ukrainische Hauptstadt erreichen werde.

          In den vergangenen Jahren war es mehrfach zu Feuern in den unbesiedelten Gebieten rund um die Atomruine gekommen. Als Ursache wurde immer wieder Brandstiftung vermutet. Zuletzt hatten die Polizei einen 27 Jahre alten Mann festgenommen, der einen Brand gelegt haben soll.

          Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte einen leichtfertigen Umgang mit Feuer: „Ich möchte mich an die Bürger wenden, denen es egal ist. Die Rede ist von jenen, die im 21. Jahrhundert Gras anbrennen und damit schreckliche Feuer verursachen“, sagte er in einer Fernsehansprache. Das ukrainische Parlament beschloss in einer Sondersitzung am Montag höhere Geldstrafen wegen Brandstiftung.

          Nach der Explosion des Blocks vier im damals noch sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl 1986 wurden radioaktiv belastete Landstriche gesperrt. Zehntausende Menschen wurden zwangsumgesiedelt. Das Gebiet ist mittlerweile für geführte Touristentouren zugänglich.

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