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Ukraine : Explosionsserie in Munitionslager

  • Aktualisiert am

Ungesicherte Munitionsbestände bei Meritopol Bild: AP

Bei einem Großbrand in einem ukrainischen Munitionsdepot sind am Donnerstag mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen, über 10.000 Einwohner mußten ihre Häuser verlassen.

          Nach offiziellen ukrainischen Angaben sind bei Großbränden in Munitionslagern des ukrainischen Militärs im Gebiet Meritopol im Osten des Landes fünf Menschen ums Leben gekommen. Russische Medien berichteten dagegen von mehr Todesopfern. Am Freitag verhängte die ukrainische Führung eine Informationssperre.

          Die Brände waren am Donnerstag im Ort Nowobogdaniuka 40 Kilometer nördlich von Meritopol ausgebrochen und hatten bis zum Abend ein Dutzend Munitionslager erfaßt. Die Brände, die immer wieder zur Explosion von Artilleriegeschossen und Raketen führen, konnten auch am Freitag nicht eingedämmt werden. Flammen schlugen bis zu 300 Meter hoch, die Geschosse stiegen nach Augenzeugenberichten "wie Raketen" in den Himmel.

          Weitere Evakuierungen

          Schweres Räumgerät und Bergepanzer stehen aber angeblich bereit. Aus der Höhe erkundeten Militärhubschrauber sichere Wege für Feuerlöschpanzer, um zum Brandherd vorzustoßen. Rußland hat Hilfe angeboten. Etwa 2000 Rettungskräfte waren am Freitag an Ort und Stelle. Explosionen erschütterten die Gegend etwa alle zwei Minuten.

          Bisher wurden etwa 10.000 Menschen aus den gefährdeten Gebieten in Sicherheit gebracht. Dorfbewohner brachten ihre Habe und teilweise auch ihr Vieh auf Lastwagen in Sicherheit. Eine Eisenbahnlinie von Moskau zur Krim wurde gesperrt. Mit weiteren Evakuierungen ist zu rechnen; etwa 25.000 Menschen könnten davon betroffen sein.

          Häufige Brände

          Eine besondere Gefahr ergibt sich möglicherweise dadurch, daß nur rund 60 Kilometer vom Zentrum der Brandkatastrophe entfernt, in Saporoge, eines der größten Kernkraftwerke Europas steht. Die Raketen in den Munitionslagern haben die Reichweite von etwa 60 Kilometern. Bislang sollen explodierende Raketensplitter und Munitionsteile aber nur bis zu sechs Kilometer weit geschleudert worden sein.

          In dem Munitionsdepot, einem der größten in der Ukraine, hatte es bereits 2003 gebrannt. Damals war ein Mädchen von Geschoßsplittern getötet worden. In den schlecht gesicherten Munitionslagern auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion brennt es häufig. Oft hören die Explosionen erst nach Tagen auf.

          Der ukrainische Ministerpräsident Viktor Janukowitsch sprach von einem "unglücklichen Unfall". Die Regierung unternehme alles, um "ernste Konsequenzen" zu vermeiden. Präsident Leonid Kutschma ordnete eine Untersuchung der Explosionsserie an.

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