https://www.faz.net/-gum-6mhen

Überschwemmungen in New York City : „Irene“ nur noch Tropensturm

  • Aktualisiert am

Times Square in New York Bild: REUTERS

Das Nationale Hurrikanzentrum in Miami hat den Sturm „Irene“ wegen schwächerer Winde vom Hurrikan zu einem Tropensturm herabgestuft. „Irene“ überschwemmte in einigen Randbezirken von New York die Straßen.

          3 Min.

          Der Sturm „Irene“ an der Ostküste der Vereinigten Staaten hat am Sonntag an Geschwindigkeit eingebüßt und gilt nicht länger als Hurrikan. Mit Spitzengeschwindigkeiten von 104 Kilometern pro Stunde erreichte er bei Coney Island im Staat New York das Festland. „Irene“ überschwemmte in einigen Randbezirken von New York die Straßen. Die Stadtverwaltung erklärte, das Wasser ströme auf die Hauptstraßen von Rockaways, einer Halbinsel in Queens, deren Evakuierung Bürgermeister Michael Bloomberg angeordnet hatte.

          Auch auf Coney Island in Brooklyn standen Straßen unter Wasser. Im Hafen von New York erreichte das Wasser bereits die Bürgersteige. Das Auge des Sturms wurde gegen 09.30 Uhr (Ortszeit; 15.30 Uhr MESZ) in der Stadt erwartet.

          Zuvor hatte das Zentrum des Sturms die Küste des amerikanischen Bundesstaats New Jersey erreicht. Das Nationale Hurrikanzentrum in Miami teilte mit, das Auge des Wirbelsturms sei um 05.35 Uhr (Ortszeit) mit Windgeschwindigkeiten von 120 Kilometer pro Stunde über Little Egg Inlet hinweggezogen. Damit war „Irene“ weiterhin ein Wirbelsturm der niedrigsten Kategorie 1, galt aber dennoch als sehr gefährlich.

          Am Samstagmorgen war der Wirbelsturm nahe Cape Lookout in North Carolina erstmals auf Land getroffen und später über den Ozean entlang der Küsten von Virginia, Maryland und New Jersey hinweggefegt.

          New York City hatte mehr als 370.000 Bewohner niedrig gelegener Gebiete aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Es war die erste Evakuierungsanordnung in der Geschichte New Yorks. In der Metropole leben 8,3 Millionen Menschen, im Großraum New York fast 29 Millionen. Behördenvertreter befürchteten, dass die Fenster von Wolkenkratzern im Sturm bersten könnten.

          Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg sagte in der Nacht zum Sonntag, es sei nicht länger sicher, sich außerhalb der Häuser aufzuhalten. Das Wetter werde tückisch und alle in der Evakuierungszone sollten bleiben, wo sie sind. „Die Zeit für Evakuierungen ist vorbei. Alle müssen jetzt nach drinnen gehen und dortbleiben“, sagte er.

          Die Zahl der Toten ist inzwischen auf zehn gestiegen. Die meisten Opfer wurden von entwurzelten Bäumen, herabfallenden Ästen oder herumfliegenden Trümmerteilen erschlagen, wie der Nachrichtensender CNN am Sonntag berichtete. Allein fünf Todesopfer habe es in North Carolina gegeben, drei weitere in Virginia. In Queenstown im Bundesstaat Maryland sei eine Frau in ihrem Haus ums Leben gekommen, als ein umstürzender Baum den Schornstein traf und durch das Dach drückte. Auch der Tod eines 55 Jahre alten Surfers bei starkem Wellengang vor der Küste Floridas wurde Irene zugeschrieben.

          New York gleicht einer Geisterstadt

          Wegen des Sturms glich New York am Sonntag einer Geisterstadt, die von starken Winden und heftigen Regenfällen heimgesucht wurde. Im Stadtteil Manhattan waren Bars und Restaurants geschlossen, Broadway und Times Square lagen verlassen da. Der gesamte New Yorker Nahverkehr wurde stillgelegt. Das Verkehrsunternehmen „Metropolitan Transportation Authority“ (MTA) sagte in der Nacht zum Sonntag, alles sei gesichert und die Angestellten seien nach Hause geschickt worden. Schon seit Samstagmittag (Ortszeit) fuhren keine U-Bahnen, Busse und Pendlerzüge mehr wegen des Hurrikans Irene.

          Das Transitsystem werde frühestens am Montag wieder in Betrieb genommen, nachdem das Wasser aus den überfluteten Stationen gepumpt worden sei, hieß es. Selbst bei gewöhnlichen Stürmen stehen die U-Bahnhöfe unter Wasser und müssen ausgepumpt werden. Das Transportsystem des befördert wochentags durchschnittlich etwa fünf Millionen Passagiere. Tausende Flüge wurden gestrichen. Schätzungen zufolge könnten jedoch Millionen Passagiere von der Schließung der Flughäfen betroffen sein, die auf die Airports an der Ostküste für Anschlussflüge angewiesen sind.

          Sollte die Südspitze von Manhattan trotz Wellenbrecher überflutet werden, könnten tausende Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten werden. Die New Yorker Börse erklärte, die NYSE verfüge über Ersatzgeneratoren im Falle eines Stromausfalls.

          Die Stadt New York hatte mehr als 370.000 Bewohner niedrig gelegener Gebiete aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Es ist die erste Evakuierungsanordnung in der Geschichte New Yorks. Behördenvertreter befürchteten, dass die Fenster von Wolkenkratzern bei erwarteten Windgeschwindigkeiten von mehr als 130 Kilometern in der Stunde bersten könnten.

          Hurrikan- und Whirlpool-Parties

          Viele New Yorker nahmen die Situation gelassen. Einige verabredeten sich zu Hurrikan- oder Whirlpool-Parties. „Wir haben schon Wein und Bier, jetzt holen wir den Wodka“, sagte ein Videokünstler, der mit seiner Freundin in einem Spirituosenladen nahe des Central Parks einkaufte.

          Mitten im Großeinsatz um den Hurrikan hat die New Yorker Polizei zwei Kajak-Fahrer aus dem Wasser holen müssen. Die zwei waren vor Staten Island in der aufgewühlten See unterwegs, sagte New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg am späten Samstagabend (Ortszeit) im Krisenzentrum im Stadtteil Brooklyn. Nach der Meldung brauchte die Polizei erstmal eine halbe Stunde, um die beiden Extremsportler zu finden. „Die beiden sind gerettet“, sagte Bloomberg. „Aber das ist eine von diesen rücksichtslosen Aktionen, mit der die Kräfte unserer Polizei verschwendet werden.“

          Der Hurrikan traf am Samstagmorgen im Bundesstaat North Carolina auf Land und bewegte sich in nord-nordöstlicher Richtung auf New York zu. In der Metropole leben 8,3 Millionen Menschen, im Großraum New York fast 29 Millionen. Es ist der erste Hurrikan seit 2008, der auf das amerikanische Festland trifft. Experten schätzten, dass kein anderer Hurrikan in der Geschichte der Vereinigten Staaten so viele Menschen bedrohte. 65 Millionen Menschen könnten insgesamt von Irene betroffen sein, die eine enorme Spannweite von 805 Kilometern hat. Mindestens 2,3 Millionen wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen.

          Topmeldungen

          Robert Habeck wirbt in der kontroversen Debatte für den Leitantrag.

          Wirtschaftsprogramm : Die Grünen fordern mehr Verbote

          Neue Klimazölle, strenge Quoten für die Automobilindustrie und eine Anhebung des Mindestlohns. Die Grünen-Spitze um Baerbock und Habeck spricht sich für einen „Green New Deal“ aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.