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Gleiche Bilder, andere Flut : Warum die Katastrophe in Südasien erst jetzt in die Schlagzeilen kommt

Bild: dpa

Die Bilder aus Südasien sind mindestens ebenso dramatisch wie die aus Texas und Louisiana. Interessieren uns die Opfer von Kathmandu über Dhaka bis Bombay nicht?

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          Die Bilder, die zur Zeit aus Südasien kommen, sind mindestens ebenso dramatisch wie die aus Texas und Louisiana. Sie zeigen Treppen, die sich in Wasserfälle verwandeln, und Züge, die durch die Fluten in die Bahnhöfe einzufahren scheinen wie Fähren in den Hafen. Es sind Menschen zu sehen, die sich in überfluteten Feldern in Baumkronen an den Ästen festkrallen, und Bauern, die mitsamt ihrem Vieh in Schlauchbooten gerettet werden müssen. In manchen Städten treiben die Bewohner auf Flößen aus Holz und Styropor durch die Straßen. Unter den mittlerweile mehr als 1700 Opfern in Indien, Nepal und Bangladesch sind auch viele Kinder.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Von diesen Bildern war in der westlichen Presse über Wochen allerdings zunächst nicht viel zu sehen. Jährliche Überschwemmungen in weit entfernten Gebieten haben wenig Nachrichtenwert, auch wenn sie in diesem Jahr außerordentlich stark ausgefallen sind. Bis vor kurzem. Denn in wenigen Tagen ist das Desinteresse plötzlich in Empörung darüber umgeschlagen, dass die Medien den Geschehnissen in Texas und Louisiana zahlreiche Sendeminuten widmeten, die vielen Toten in Südasien aber nur am Rande vorkommen.

          Die Diskussion findet dabei größtenteils in den Medien statt, die das Ereignis bisher ignoriert hatten. Doch nicht nur deshalb führt sie sich selbst ad absurdum. Denn den Opfern von Kathmandu über Dhaka bis Bombay hilft die Diskussion nur noch wenig. In den meisten Überschwemmungsgebieten ist das Schlimmste hoffentlich schon überstanden. Die zunächst fehlende Aufmerksamkeit für die Geschehnisse ist nur eine Fortsetzung des geringen Interesses an diesen Ländern auch zu Zeiten ohne Katastrophen.

          Das Narrativ der vergessenen Katastrophe ist verlockend

          Die plötzliche Aufmerksamkeit nun liegt auch daran, dass nach Wochen heftiger Regenfälle zum ersten Mal die erschreckende Gesamtzahl der Toten aus allen drei Ländern vorliegt. Darüber hinaus dürfte der plötzliche Blick auf Südasien paradoxerweise auch der intensiven Berichterstattung über Harvey zu verdanken sein. Das Narrativ von der vergessenen Katastrophe im Schatten des Hurrikans ist verlockend.

          Dabei stimmt natürlich, dass die Fluten in Südasien vor allem diejenigen am meisten getroffen haben, die sowieso schon zu den Ärmsten gehören. Insgesamt 41 Millionen Menschen sollen betroffen sein. Die Retter kommen kaum hinterher. Es drohen Nahrungsmittelknappheit, Krankheiten und noch größere Armut. Laut Caritas International sind allein in Nepal 185000 Häuser zerstört. Ganze Dörfer seien weggeschwemmt worden. In Bombay wurden in den Trümmern eines zusammengestürzten Hauses mindestens 34Menschen getötet. Das 117 Jahre alte Gebäude im Gebiet Bhendi Bazaar soll schon als baufällig deklariert worden sein. Einige Bewohner hatten dort trotzdem weiter gewohnt.

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