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Verschwundenes U-Boot : Ermittler durchleuchten Rolle deutscher Firmen im Fall „San Juan“

  • Aktualisiert am

Das argentinische U-Boot „San Juan“ ist seit dem 15. November dieses Jahres verschollen. Bild: dpa

Das Verschwinden des argentinischen U-Boots „San Juan“ steht im Zusammenhang mit einer Explosion an Bord. Jetzt gibt es Hinweise auf die Ursache für das Unglück. Dabei rücken zwei deutsche Firmen ins Visier der Ermittler.

          Bei den Ermittlungen nach den Gründen für das Verschwinden des argentinischen U-Boots „San Juan“ gibt es erste Fortschritte. Es gibt Hinweise darauf, wodurch die Explosion ausgelöst worden sein  könnte. Die Ermittler sind auf der Suche nach möglichen Verantwortlichen.

          Vor drei Wochen wurde die „San Juan“ als vermisst gemeldet. Bislang fehlt immer noch jede Spur. Für die 44 Besatzungsmitglieder, die sich an Bord des U-Boots befunden haben, gibt es keine Hoffnung mehr. Eine Analyse der argentinischen Marine hat ergeben, dass es nach dem Abbruch des Funksignals eine Explosion gegeben haben muss.

          Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, besteht der Verdacht, dass zwei deutsche Firmen Mitschuld an dem Untergang des U-Boots tragen könnten. Im Fokus stehen die Unternehmen Ferrostaal und EnerSys-Hawker. Diese seien bis 2011 an der Reparatur des U-Boots beteiligt gewesen, wobei auch die Batterien ausgetauscht worden seien. Trotz der Generalüberholung des U-Boots meldete der Kommandant jedoch in seinem letzten Funkspruch ausgerechnet in dem Bereich des Bootes einen Schwelbrand, in dem sich die Bug-Batterien befunden hatten. Unterwasser-Mikrofone hatten kurz darauf eine Explosion registriert. Seitdem fehlt jedes Signal und damit auch jede Spur von dem U-Boot.

          Bei der Reparatur der „San Juan“ scheint demnach nicht alles ordnungsgemäß zugegangen zu sein. Der argentinische Verteidigungsminister Oscar Aguad vermutet dementsprechend nach Informationen des BR und der Tagesschau einen Vorfall von Korruption. Zu dem Verdacht von Bestechungsvorwürfen äußerte sich auch Cornelia Schmidt-Liermann, die Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des argentinischen Parlaments. Sie sagte nach Angaben des BR und der Tagesschau, dass in Argentinien bereits im Jahr 2010 Anzeige wegen Korruption erstattet worden sei, die im Zusammenhang mit den Batterien des U-Boots gestanden habe. Diesem Vorwurf sei scheinbar jedoch nicht weiter nachgegangen worden zu sein.

          Die argentinische Parlamentarierin prangert dem Bericht zufolge an, dass nicht dokumentiert wurde, welche Arbeiten die deutschen Unternehmen genau ausgeführt haben - und ob sie den Batterietausch selbst überwacht und abgenommen haben: „Es besteht der Verdacht, dass die Batterien, die ersetzt worden sind, teilweise oder ganz nicht von der Qualität waren, die sie hätten haben sollen. Wir wissen auch nicht, woher sie kamen, aus Deutschland oder einem anderen Land. Deswegen wollen wir wissen, welche Techniker vor Ort waren und wer dann unterzeichnet hat: 'Das ist jetzt repariert.' Diese Information haben wir nicht und die brauchen wir."

          Die Generalüberholung des U-Boots war vor allem ein geschäftliches Projekt: Der Vertrag mit den beiden deutschen Firmen umfasste die Lieferung von 964 Batteriezellen. Dabei ging es um nicht weniger als 5,1 Millionen Euro. Wie BR und Tagesschau mitteilten, nehmen argentinische Politiker an, dass bei dem Geschäft Schmiergelder geflossen seien.

          Die Firma Ferrostaal habe auf Anfrage der Bundesregierung jede Verantwortung für die Explosion des U-Boots von sich gewiesen. Das Unternehmen EneSyS-Hawker, das die Batterien geliefert hatte, habe sich bisher noch nicht zu der Anfrage geäußert.

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