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U-Boot-Havarie : Glückliche Rettung nach drei Tagen

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„Kalt war es, sehr kalt”, sagt der ermattete Kommandant Bild: AP

Dank eines britischen Spezialgeräts ist das russische U-Boot, das tagelang in knapp 200 Metern Tiefe am Meeresboden festsaß, befreit worden. Alle sieben Besatzungsmitglieder sind wohlauf. Die russische Marine bedankte sich für die britische Hilfe.

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          Fünf Jahre nach der „Kursk“-Tragödie hat das zweite russische U-Boot-Drama ein glückliches Ende gefunden: Ein britischer Tauchroboter mit Schneidwerkzeugen befreite die sieben Mann Besatzung aus ihrer Gefangenschaft auf dem Meeresboden. Nach mehr als drei Tagen des Hoffens und Bangens tauchte das kleine U-Boot wieder an der Oberfläche auf. Erkältet, aber ansonsten körperlich unversehrt wurden die Seeleute am Sonntag mittag zur fernöstlichen Halbinsel Kamtschatka gebracht. Die sechs Seeleute und ein Ingenieur entgingen im Wettlauf mit der Zeit nur knapp dem Tod. In dem 13,5 Meter langen U-Boot gab es kaum noch Sauerstoff.

          „Heute ist etwas Gutes passiert. Das intensive Bemühen, das U-Boot in 200 Metern Tiefe zu befreien, war erfolgreich“, sagte der Kommandant der russischen Pazifikflotte, Viktor Fyodorow. „Unsere Kameraden haben die Ausstiegsluke selbst geöffnet.“

          Im Gegensatz zur Explosion des Atom-U-Bootes „Kursk“, die im August 2000 alle 118 Mann an Bord das Leben kostete, hatte die Marineführung dieses Mal relativ schnell über die Notsituation informiert. Als alle russischen Bergungsversuche fehlgeschlagen waren, brachte der aus Großbritannien eingeflogene Tauchroboter „Scorpio 45“ die Rettung. Mit ihren beiden Scheren durchtrennte die ferngesteuerte Maschine die Seile eines Unterwasser-Lauschgeräts, in dem sich das rot-weiße U-Boot verfangen hatte.

          Erleichtert: Die geretteten Matrosen

          „Kalt war es. Sehr kalt“

          Zurück auf dem Festland meldete der 25 Jahre alte Kapitänleutnant Wjatscheslaw Milaschewski erschöpft und sichtbar erleichtert die glückliche Heimkehr der Besatzung. „Kalt war es. Sehr kalt“, berichtete ein Matrose über die Zeit im havarierten U-Boot. Mehr als 76 Stunden mußten die Männer bei Temperaturen um fünf Grad in einer Tiefe zwischen 170 und 200 Meter ausharren. Dennoch war einer von ihnen sogar zu Scherzen aufgelegt. „Einen schönen Gruß an meine Mama“, sagte er grinsend in die Kameras, als er von Schiff ging.

          Die sieben geretteten Seeleute kamen am Nachmittag per Schiff im Hafen Petropawlowsk an und gingen über die Gangway an Land. Dort hatten sich zahlreiche Menschen versammelt. Die Männer stiegen dann in einen Kleinbus und sollten zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht werden. „Sie haben sich während dieser 76 Stunden unter Wasser äußerst tapfer verhalten“, sagte Fyodorow mit Blick auf die Matrosen.

          Am Sonntag früh um 5.26 Uhr MESZ verbreitete sich von der Beresowaja-Bucht vor Kamtschatka die erlösende Nachricht. „Das Tauchboot AS-28 hat mit sieben Mann Besatzung die Wasseroberfläche erreicht“, teilte die Marineführung mit. Verteidigungsminister Sergej Iwanow lobte vor Ort die Besatzung. „Sie hat Ausdauer, Mut und Willen bewiesen“, betonte Iwanow, der ausdrücklich den ausländischen Helfern dankte.

          „Scorpio“-Roboter kurzzeitig defekt

          In den Stunden zuvor spielten sich dramatische Szenen vor der Küste Kamtschatkas, 7500 Kilometer und neun Zeitstunden östlich von Moskau, ab. Zunächst löste die Mitteilung der Marine Begeisterung aus, daß das letzte Stahlseil durchtrennt sei. Es sei nur noch der Rest eines Fischernetzes am Meeresboden zu entfernen, hieß es vor Ort. Dann kam die Ernüchterung. Der Scorpio-Tauchroboter mußte kurzzeitig nach oben geholt und repariert werden. Er wurde später wieder zu Wasser gelassen.

          Per Funk war die Besatzung über den Fortgang der Rettungsarbeiten unterrichtet worden. Die Besatzung trug nach Marineangaben Spezialkleidung gegen die Kälte. Am Samstag hatte die Führung der Pazifikflotte mitgeteilt, die Stromversorgung zur Sauerstoff-Aufbereitung an Bord reiche maximal bis zum Sonntag.

          Die Rettung der Matrosen sei vor allem dem Einsatz der britischen Spezialisten zu verdanken, betonte ein Sprecher des Marinestabs in Moskau. Der Scorpio-Tauchroboter war am Vortag von Großbritannien aus mit einem Transportflugzeug auf Kamtschatka eingetroffen. Auch die Vereinigten Staaten und Japan schickten Bergungstechnik.

          HighTech-Roboter für Tiefseenotfälle

          Der „Scorpio 45“, der das U-Boot letztlich befreit hat, ist 2,75 Meter lang und 1,8 Meter hoch. Er wiegt 1,4 Tonnen und ist mit drei Kameras, einem Sonar-, Radar- und Tiefenmesssystem ausgestattet. An Bord hat er im Normalfall auch Sauerstoffkerzen und Medikamente. Außerdem kann er mit einem Unterwassertelefon ausgestattet werden, damit die Retter mit eingesperrten Seeleuten Kontakt aufnehmen können. Die Sägevorrichtungen an Scorpio 45 schneiden bis zu sieben Zentimeter dicke Stahlkabel.

          Sechs Leute bedienen den Roboter, der an einem Kabel hängt und damit bis auf 925 Meter abgesenkt werden kann. Scorpio 45 ist so gebaut, daß er sich per Flugzeug transportieren läßt - am Freitag brachten ihn 29 Mann in die russische Küstenstadt Petropawlowsk auf der Halbinsel Kamtschtaka und von dort weiter an die Unglücksstelle. Der Roboter gehört zum Unterwasserrettungsdienst der königlich britischen Marine und damit dem Verteidigungsministerium. Er steht normalerweise in der Nähe der schottischen Stadt Glasgow und braucht zwölf Stunden Vorlauf, um einsatzbereit zu sein.

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