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Rund 300 Tote befürchtet : TÜV Süd untersuchte gebrochenen Staudamm in Brasilien erst kürzlich

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Menschen schauen auf die Schlammmassen nach dem Bruch eines Staudamms an der Feijao Eisenerzmine. Bild: dpa

Bei der Inspektion seien nach bisherigem Kenntnisstand keine Mängel festgestellt worden. Gouverneur Zema hält derweil die Chancen, unter der durch den Dammbruch ausgelösten Schlammlawine Überlebende zu finden, für gering.

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          Nach der verheerenden Schlammlawine im Osten Brasiliens mit mindestens neun Toten schwinden die Überlebenschancen der rund 300 Vermissten. Die Rettungskräfte setzten ihren Bergungseinsatz am Samstag fort. Die Chancen, einen Tag nach dem Unglück noch Überlebende zu finden, seien aber sehr gering, sagte der Gouverneur des Bundesstaates Minas Gerais, Romeu Zema. Der gebrochene Staudamm war erst kürzlich vom TÜV Süd untersucht worden.

          Bei der Inspektion im vergangenen September seien „nach unserem momentanen Kenntnisstand keine Mängel festgestellt“ worden, sagte ein Sprecher des Unternehmens auf AFP-Anfrage. „Wir werden die Ermittlungen vollumfänglich unterstützen und den Ermittlungsbehörden alle benötigen Unterlagen zur Verfügung stellen“, fügte er hinzu.

          Nach Angaben von Vale-Chef Schvartsman wurden auch bei einer weiteren Inspektion am 10. Januar keine Mängel entdeckt. Der 1976 gebaute Damm sollte abgebaut werden, in das betreffende Rückhaltebecken waren nach Unternehmensangaben seit drei Jahren keine neuen Abfallprodukte aus der Eisenerzproduktion mehr eingeleitet worden.

          Das Unglück hatte sich am Freitag an einer Eisenerzmine nahe der Stadt Brumadinho in Minas Gerais ereignet. Als der Staudamm eines Rückhaltebeckens brach, ergoss sich eine riesige Schlammlawine über die Mine und umliegende Wohnhäuser.

          „Von jetzt an sind die Chancen winzig“

          Die Rettungskräfte suchten am Samstag weiter nach den Vermissten. Ein Feuerwehrsprecher sagte dem Sender Globonews, er habe die Hoffnung auf Überlebende nicht aufgegeben. Gouverneur Zema äußerte sich aber weniger zuversichtlich. Polizei, Feuerwehr und Soldaten hätten alles getan, um mögliche Überlebende zu retten, sagte er. „Doch wir wissen, dass von jetzt an die Chancen winzig sind und wir wahrscheinlich nur noch Leichen finden werden.“

          Bei den meisten Opfern handele es sich um Minenarbeiter, sagte der Chef des Bergbauunternehmens Vale, Fábio Schvartsman. Er sprach von einer „menschlichen Tragödie“. Die Opferzahl werde hoch sein. Die Schlammlawine habe unter anderem die Kantine des Bergwerks unter sich begraben, als gerade Mittagszeit war.

          In Brumadinho warteten zahlreiche Angehörige von Minenarbeitern auf Nachrichten von ihren Lieben. „Sie wollen uns nichts sagen!“ schimpfte Olivia Rios, eine von ihnen. „Das sind unsere Söhne, unsere Ehemänner, und niemand sagt uns etwas. Mein fünfjähriger Neffe hat mich gefragt, ob sein Papa tot ist. Was soll ich ihm nun sagen?“

          Bolsonaro will das Unglücksgebiet überfliegen

          Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro wollte am Samstag mit Verteidigungsminister Fernando Azevedo e Silva das Unglücksgebiet überfliegen. Den Hinterbliebenen sagte er seine Unterstützung zu. Laut dem Nachrichtenportal „G1“ ordnete die Justiz in Minas Gerais an, Bankguthaben des Konzerns Vale in Höhe von 270 Millionen Dollar einzufrieren, um damit mögliche Entschädigungszahlungen zu finanzieren.

          Vor rund drei Jahren hatte sich bereits an einer anderen von Vale betriebenen Mine eine ähnliche Katastrophe ereignet. Damals kamen 19 Menschen ums Leben, eine Schlammlawine erstreckte sich auf mehr als 650 Kilometer und löste die größte Umweltkatastrophe in der brasilianischen Geschichte aus. Nach der Nachricht von dem neuerlichen Unglück stürzten die Kurse der Vale-Aktien an der New Yorker Börse um acht Prozent ab.

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