https://www.faz.net/-gum-rzo0

Türkei : Vogelgrippe breitet sich nach Westen aus

  • Aktualisiert am

Vogelgrab in der Osttürkei Bild: dpa/dpaweb

Die Vogelgrippe breitet sich weiter in den Westen der Türkei aus. Landesweit wurden mindestens 45 Menschen in Krankenhäusern unter Beobachtung gestellt. In Deutschland steht eine Wiedereinführung der Stallpflicht für Geflügel bevor.

          2 Min.

          Während sich die Vogelgrippe in der Türkei nach den ersten Todesfällen im Osten des Landes weiter nach Westen ausbreitet, wird in Deutschland über eine erneute Stallpflicht debattiert. In der Provinz Ankara wurde am Samstag der Handel mit Geflügel verboten, nachdem bei zwei toten Wildenten an einem Stausee westlich der türkischen Hauptstadt die Tierseuche nachgewiesen worden war. In den östlichen Provinzen Erzincan und Bitlis wurden bei zwei toten Wildtauben Vogelgrippe-Erreger festgestellt, wie der türkische Agrarminister Mehdi Eker mitteilte. Ob dabei das für Menschen gefährliche Virus H5N1 nachgewiesen wurde, war zunächst unklar.

          Mit Verdacht auf Vogelgrippe wurden unterdessen landesweit mindestens 45 Menschen in Krankenhäusern behandelt oder unter Beobachtung gestellt, allein 30 in der Uni-Klinik der osttürkischen Stadt Van. Das Umweltministerium in Ankara verhängte ein landesweites Verbot der Jagd auf Wildvögel. Zugvögel, die auf ihren Wanderungen im Herbst und Frühjahr Station in der Türkei machen, werden als Überträger der Tierseuche angesehen.

          Erneute Stallpflicht in Deutschland

          Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) hat angesichts der Entwicklung in der Türkei eine erneute Stallpflicht für Federvieh in Deutschland in Aussicht gestellt. „Wir gehen bisher davon aus, daß man wohl ab Anfang März wieder mit einer Aufstallung rechnen müßte“, sagte Seehofer am Freitagabend in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin. Das werde aber erst mit Experten und Ländern geprüft, ebenso, ob eine Stallpflicht bei einem zeitigeren Vogelzug auch früher umgesetzt werden könne.

          „Der Tod von Kindern mache ihn „tief betroffen““, sagte der Minister in einem vorab veröffentlichten Interview der „Bild am Sonntag“. Die Fälle in der Türkei zeigten, „daß wir auch in Deutschland äußerst vorsichtig sein müssen. Die Natur kennt keine Grenzen“. Der Türkei bot der Minister die Entsendung deutscher Virologen als Soforthilfe der Bundesregierung an. Niedersachsens Agrarminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) hatte wegen der Todesfälle in der Türkei in der „Neuen Presse“ eine erneute bundesweite Stallpflicht für Geflügel gefordert. Auch die Bundesärztekammer verlangte laut der Zeitung schärfere Schutzmaßnahmen besonders an Flughäfen.

          Verbot der ostanatolischen Kleintierhaltung angedacht

          Der türkische Agrarminister Eker bezeichnete es als notwendig, die vor allem in Ost- und Südostanatolien übliche Kleintierhaltung von Geflügel einzudämmen, wenn nicht ganz zu verbieten, um eine weitere Ausbreitung der Vogelgrippe in der Zukunft zu vermeiden. In den von der Vogelgrippe betroffenen Gegenden im Osten der Türkei wurden bislang rund 14.000 Tiere vernichtet.

          Neue Todesfälle bei Menschen wurden am Samstag zunächst nicht gemeldet. Allerdings erhöhte sich die Zahl derer, die mit Verdacht auf Vogelgrippe in Kliniken gebracht wurden. In Istanbul wurde eine siebenköpfige Familie mit verdächtigen Symptomen unter Beobachtung gestellt, die aus einem der Vogelgrippe-Gebiete im Osten angereist war. Verdachtsfälle wurden laut Medienberichten auch aus Krankenhäusern in den Städten Diyarbakir und Erzurum gemeldet.

          Mindestens zwei tote Kinder mit H5N1 infiziert

          Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigte, daß zumindest zwei der in den vergangenen Tagen an der Vogelgrippe gestorbenen Kinder mit dem gefährlichen Virus H5N1 infiziert waren. Die Ergebnisse des WHO-Speziallabors in Großbritannien stimmten mit den türkischen Laborbefunden überein, sagte der türkische Gesundheitsminister Recep Akdag. Dagegen sei im Fall eines anderen Patienten der Klinik in Van der H5N1-Virus nachgewiesen worden.

          Die in die Türkei gereiste WHO-Delegation, die von Ankara nach Van fliegen wollte, mußte ihre Reise wegen Nebels um einen Tag verschieben. Die Experten sollen vor Ort untersuchen, wo sich die Betroffenen angesteckt haben und wie weitere Infektionen verhindert werden

          Topmeldungen

          Annalena Baerbock und Sergej Lawrow am Dienstag in Moskau

          Besuch in Moskau : Frostige Atmosphäre zwischen Baerbock und Lawrow

          Annalena Baerbock und Sergej Lawrow waren zwar höflich zueinander aber nicht mehr. Die Gespräche waren wohl kaum mehr als ein gegenseitiges Vorhalten von Vorwürfen. Immerhin gibt es ein Zeichen im Hinblick auf die Ukraine.
          Der britische Premierminister Boris Johnson und sein früherer Chefberater Dominic Cummings (rechts) verlassen Downing Street im September 2019

          Party in Downing Street : Wurde Johnson gewarnt?

          Boris Johnsons früherer Berater Dominic Cummings belastet den britischen Premierminister. Es werde noch weitere belastende Fotos geben, kündigt er an. Der Privatkrieg zwischen den beiden geht weiter.