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Tsunami : „Wir setzen auf bewährte Warnsysteme“

Ein Frühwarnsystem ist notwenig, um solchen Zerstörungen vorzubeugen. Bild: picture-alliance/ dpa

Das frühe Aus für ein deutsches Frühwarnsystem? Die Pläne der Bundesregierung stoßen bei der Unesco auf wenig Gegenliebe. Dort will man sich lieber der funktionierenden Systeme des Pazifiks bedienen.

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          Der Aufbau eines verläßlichen Tsunami-Frühwarnsystems im Indischen Ozean soll von den Vereinten Nationen koordiniert und kontrolliert werden. Das sagte der Generaldirektor der Unesco, Koichiro Matsuura, in Kobe auf der Konferenz der Vereinten Nationen zum Katastrophenschutz. Darüber hinaus sei geplant, das System über die kommenden Jahre auf das Mittelmeer und den Atlantik auszudehnen.

          Stephan Finsterbusch
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch sollen schon vorhandene Warnsysteme einbezogen werden. „Länder wie Japan, die Vereinigten Staaten und Deutschland haben großzügig Unterstützung zugesichert“, sagte Matsuura. Sollen diese Hilfen aber effizient sein, müßten sie aufeinander abgestimmt werden.

          Kein neues System

          Ähnliche Vorschläge hatte schon die deutsche Regierung gemacht. Berlin hat allerdings auch im Blick, einem eigenen Frühwarnsystem zum Durchbruch zu verhelfen. Es war von mehreren deutschen und europäischen Forschungseinrichtungen mit dem Potsdamer Geoforschungszentrum (GFZ) an der Spitze ausgearbeitet worden.

          Maßgebende Repräsentanten der Unesco haben diesen Plänen am Mittwoch allerdings verbal einen Riegel vorgeschoben. Patricio Bernal von der Kommission für Ozeanographie sagte, das neue System solle binnen eines Jahres eingeführt sein. „Wir können daher kein neues System installieren und sollten auf Bewährtes zurückgreifen.“

          Funktionierendes System im Pazifik

          Es liege zwar an den einzelnen Ländern Südasiens, sich für ein System zu entscheiden und dies auf lokaler, nationaler und zwischenstaatlicher Ebene einzuführen. Das soll nach Plänen der Unesco aber bis spätestens Juli abgeschlossen sein. Daher müsse nun rasch gehandelt werden, sei doch im Indischen Ozean die Gefahr von Nachbeben noch immer virulent. Dabei gebe es im angrenzenden Pazifik ein seit mehr als drei Jahrzehnten problemlos funktionierendes Frühwarnsystem.

          Das ist nach den Worten von Laura Kong, Chefin des auf Hawaii stationierten Internationalen Tsunami-Informations-Zentrums der Unesco (ITIC), ohne Schwierigkeiten auf den Indischen Ozean, von dort auf das Mittelmeer und später auch auf den Atlantik zu übertragen. Die Kosten dafür werden auf weniger als 40 Millionen Euro veranschlagt. Diese Summe hatte Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn auf der Konferenz in Kobe für den Aufbau des von der GFZ entwickelten Systems im Indischen Ozean veranschlagt.

          Effektives Krisenmanagement

          Bei den erd- und seebebenerprobten Amerikanern und Japanern sind die deutschen Pläne auf Skepsis gestoßen. Washington und Tokio zeigen sich bereit, ihre im Pazifik eingesetzten Meß- und Warnsysteme auch auf den Indischen Ozean auszuweiten. Die Deutschen dürften dabei nur am Rande eine Rolle spielen. Ein technisches Frühwarnsystem sei jedoch bei weitem nicht alles, sagt Kenji Satakes von der Internationalen Vereinigung für Geodäsie und Geophysik. Für ein effektives Krisenmanagement seien reibungslos funktionierende und schnell arbeitende Kommunikationsnetze genauso wichtig.

          Hier setzen Japaner und Amerikaner im Ernstfall alle Kanäle vom Internet über das Radio bis zum Fernsehen ein. Nach einem Seebeben rechnen sie zunächst mit Supercomputern Hunderttausende Simulationsmodelle durch. Auf dieser Datenbasis lassen sich dann recht zuverlässige Flutwellenwarnungen ausgeben. Das Warnsystem ist in den vergangenen Jahren aufgerüstet worden. So hat sich die japanische Regierung im Jahr 2002 für 350 Millionen Dollar von der Firma NEC 600 Superrechner in der Hafenstadt Yokohama aufstellen lassen.

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