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Tsunami in Indonesien : Wohl zu schnell für ein Warnsystem

  • -Aktualisiert am

Blick auf durch einen Tsunami zerstörte Fischboote im Dorf Teluk Bild: dpa

Deutsche Wissenschaftler haben ein Tsunami-Frühwarnsystem für Indonesien aufgebaut. Warum sind jetzt trotzdem wieder Hunderte von einer Monsterwelle getötet worden?

          Nach dem Tsunami, bei dem am Samstagabend mehr als 400 Menschen auf den indonesischen Inseln Java und Sumatra umgekommen sind, wurde abermals Kritik an dem Frühwarnsystem für solche Monsterwellen laut, das deutsche Wissenschaftler in dem immer wieder von Naturkatastrophen heimgesuchten asiatischen Land aufgebaut hatten. Tatsache ist jedoch, dass dieses Warnsystem nicht für jene untermeerischen Hangrutsche ausgelegt ist, von denen einer aller Wahrscheinlichkeit nach den jüngsten Tsunami ausgelöst hat. Aber selbst wenn es rund um den Vulkan Anak Krakatau ein entsprechendes System gegeben hätte, wäre unter optimalen Bedingungen die Warnung nur wenige Minuten vor dem Tsunami an den betroffenen Küsten entlang der Sundastraße eingetroffen.

          Das von Wissenschaftlern am Geoforschungszentrum in Potsdam nach dem verheerenden, nahezu alle Anrainerstaaten des Indischen Ozeans erfassenden Tsunami vom 26. Dezember 2004 entwickelte Warnsystem ist für jene Flutwellen ausgelegt, die von schweren Erdbeben ausgelöst werden. Die Warnung beruht auf Messungen von 22 in Indonesien und Papua-Neuguinea aufgestellten Seismometern und etwa zehn geodätischen GPS-Empfängern. Im Gegensatz zu entsprechenden Geräten in Handys oder in den Navigationssystemen in Autos, können diese GPS-Empfänger Bewegungen der Erdoberfläche von nur wenigen Zentimetern erfassen. Die Messdaten aller dieser Sensoren werden in Echtzeit in das von Indonesiern betriebene Datenzentrum in die Hauptstadt Jakarta übertragen. Wird dort ein schweres Erdbeben festgestellt und zeigen die GPS-Empfänger entsprechende Verschiebungen der Erdkruste an, kann von dort eine Tsunami-Warnung ausgelöst werden. Das Datenzentrum empfängt zusätzlich die Messungen von Wasserstandspegeln in etwa einem Dutzend indonesischer Hafenstädte, die ebenfalls in die Warnungen einfließen.

          Am Samstagabend sprach das Warnsystem aber nicht auf den Ausbruch des Anak Krakatau an. Die Stärke des mit der Eruption verbundenen Bebens von 5,1 lag nämlich weit unter dem Schwellenwert einer Erdbebenmagnitude von 6,5, bei dem das Warnsystem normalerweise anspringt. Außerdem war das Erdbeben nicht der eigentliche Auslöser des Tsunamis. Vielmehr rutschte wenige Minuten nach dem Beben die Westflanke des Anak Krakatau ins Meer.

          Nach Angaben des Vulkanologen Raphaël Paris von der Universität Clermont Auvergne im französischen Clermont-Ferrand brachen dabei etwa 64 Hektar des Vulkans plötzlich ab. Er stützt seine Aussage auf eine Auswertung der Messungen des europäischen Sentinel-Satelliten. Der Hangrutsch ließ das Meer gleichsam überschwappen und erzeugte so den Tsunami.

          Um überhaupt vor einer auf diese Weise entstehenden hohen Wasserwelle warnen zu können, sind submarine Sensoren notwendig. Diese empfindlichen Geräte messen Schwankungen des hydrostatischen Drucks auf dem Meeresboden, woraus sich die Wellenhöhe berechnen lässt. Die Messdaten dieser Sensoren müssen zunächst per Kabel vom Seeboden an Bojen auf der Meeresoberfläche und von dort über Satellit in das Datenzentrum übertragen werden. Allerdings gibt es für die Sundastraße kein derartiges Messsystem. Nach dem jüngsten Tsunami wolle Indonesien aber schon im nächsten Jahr ein solches Messnetz installieren, sagte ein Sprecher der Agentur für Technologische Anwendung dem britischen Sender BBC. Allerdings sind die Erfahrungen mit einem derart komplexen Mess- und Datenübertragungsystem in Indonesien nicht gut. Denn auch in dem von Deutschland finanzierten Tsunami-Warnsystem waren ursprünglich Druckmesser auf dem Meeresboden vorgesehen. Es dauerte aber nicht lange, bis die entsprechenden Bojen an der Meeresoberfläche gestohlen oder von Vandalen zerstört worden waren.

          Und selbst wenn es ein entsprechendes Warnsystem in der Sundastraße gegeben hätte, ist fraglich, ob eine Warnung am Samstagabend viele Einwohner rechtzeitig erreicht hätte. Der Vulkan Anak Krakatau liegt nämlich nur zwischen 30 und 40 Kilometer von den Küsten Javas und Sumatras entfernt. Da sich Tsunamis im offenen Meer mit einer Geschwindigkeit von mehreren hundert Kilometern pro Stunde ausbreiten und es einige Zeit dauert, bis die Messungen der Unterwasserdruckmesser im Warnzentrum eintreffen, blieben unter den besten Umständen nur wenige Minuten Zeit, die Bevölkerung an der Küste zu warnen. Leider haben die Erfahrungen mit dem gegenwärtigen Warnsystem in Indonesien aber auch gezeigt, dass nicht alle Warnungen alle Küstenregionen des riesigen Landes immer zuverlässig erreichen.

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