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Tauchresort in Sulawesi : „Es gab keine Tsunami-Warnung“

  • -Aktualisiert am

Vor allem die Dörfer um Palu sind stark vom Tsunami beschädigt worden, wie hier Perumnas Balaroa. Bild: AFP

Auch ein deutsches Tauchresort war von dem Tsunami in Indonesien betroffen. Eine Tauchlehrerin erzählt von dem Schreckensmoment – und klagt über unzureichende Informationen von den Behörden.

          Normalerweise blickt man vom Prince John Tauchresort in der Nähe von Donggala auf der indonesischen Insel Sulawesi auf den weißen Sandstrand und das türkisfarbene Meer. Nach dem Tsunami am vergangenen Freitag ist der Strand voller grauer Trümmer.

          Anna Kirstein ist Tauchlehrerin in dem deutschen Resort. Zusammen mit etwa zwei Dutzend Touristen und den Mitarbeitern war sie am Wochenende in Tanjung Karang gefangen. Die meisten Tauchschüler waren Deutsche. „Wir hatten großes Glück“, sagt sie gegenüber FAZ.NET. „Keiner unserer Gäste ist verletzt.“ Den Tsunami erlebten sie hautnah: „Mit einem Mal kam mit gewaltiger Wucht eine riesige Menge Wasser auf uns zu.“ Sie seien aber nicht von einer Welle überrollt worden wie in Palu, der Wasserspiegel sei eher rasant und kraftvoll angestiegen. Im Gebäude habe das Wasser bis zu ihren Knien gestanden.

          Gewarnt wurden die Bewohner des Dorfes nicht. „Es gab keine Tsunami-Warnung. Schon während des starken Erdbebens ist die gesamte Stromversorgung zusammengebrochen, aber selbst mit Strom wüsste ich nicht, wo Durchsagen, oder Sirenen hätten herkommen sollen.“ Dabei war das Tsunami-Warnzentrum in Jakarta laut dem Deutschen Geoforschungszentrum vor einem 0,5 bis drei Meter hohen Tsunami im Norden von Sulawesi gewarnt worden – 20 Minuten bevor die erste verheerende Welle auf die Küste traf. Warum diese Warnung nicht bei den Menschen an der Küste ankam, ist bisher unklar. 

          In dem Tauchresort, in dem Anna Kirstein arbeitet, war zunächst nicht klar, wie und wann die Touristen die Insel verlassen könnten. Das Telefonnetz ist seitdem immer wieder unterbrochen, es gibt keine funktionierenden Autos, da es an Benzin und Diesel fehlt. Die junge Tauchlehrerin klagt vor allem über unzureichende Informationen von Seiten der Behörden.

          Auf ihrer Facebook-Seite schrieb die Tauchschule am Samstagnachmittag: „Allen geht es gut hier bei Prince John.“ Das Resort sei nur leicht beschädigt worden. Die Situation sei aber immer noch sehr unübersichtlich. Sobald etwas Ruhe eingekehrt ist, will das Resort einen Hilfsfond für die indonesische Bevölkerung auf Sulawesi gründen.

          In Donggala ereignete sich am Freitagabend das Erdbeben der Stärke 7,4. Häuser fielen in sich zusammen, ein Supermarkt stürzte ein. Die Gemeinde wurde noch vor der Stadt Palu vom Tsunami getroffen, am Strand und im Ort gab es Todesopfer. Viele Einheimische seien geflüchtet. „Sie verstecken sich in den Bergen im Landesinneren. Alle haben solche Angst, dass noch eine Welle kommt“, erzählt Anna Kirstein. In den Bergen schliefen die Anwohner der Tauchlehrerin zufolge in Zelten, viele haben ihre Häuser verloren.

          Die 28 Jahre alte Tauchlehrerin unterstützt seit 2013 das Team des Prince John Resorts. Nach einem Urlaub in Donggala wollte sie nicht mehr weg, die Vielfalt schöner Tauchmöglichkeiten hielt sie auf Sulawesi. Die zerstörerischen Wellen haben die Insel nun verändert. Schiffe stehen auf den Straßen, Gebäude sind zerstört, die Stromversorgung funktioniert nicht. Die Lebensmittel hätten nicht mehr lange gereicht, erzählt Anna Kirstein.

          Sie ist erleichtert, als es am Montagabend die Aussicht gibt, dass die deutschen Gäste die Insel verlassen können. Ein paar Einheimische hätten funktionierende Autos und angeboten, die Touristen in den Süden der Insel zu bringen. Während der Flughafen in Palu am Montag geschlossen bleibt, ist der in Mamuju in Betrieb. „Uns ist es nur unter größtem Einsatz gelungen, unsere 23 Gäste auf dem Landweg in Richtung Mamuju zu evakuieren, damit sie von dort aus abfliegen können“, schreibt sie am Dienstagmorgen per Mail. „Der Flughafen in Palu ist immer noch nicht einsatzfähig und wird von tausenden Menschen belagert, die evakuiert werden wollen.“

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