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Tsunami in Asien : Ohne jede Vorwarnung

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Obwohl der Tsunami mehrere Stunden unterwegs war, traf er viele Küstenbewohner völlig unvorbereitet. Ein Warnsystem gegen die bis zu 30 Meter hohen Wellen gibt es für den Indischen Ozean nicht.

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          Das Wort Tsunami stammt aus dem Japanischen und bedeutet wörtlich „große Hafenwelle“. Die Übersetzung beschreibt aber nur völlig unzureichend, welche immense Zerstörungswut in dieser heimtückischsten aller Naturkatastrophen steckt. Selbst Tausende Kilometer von ihrem Ursprungsort entfernt, kann eine solche Flutwelle ohne Vorwarnung Hunderte Menschen dahinraffen und Küstenstädte verheeren.

          So riß der Tsunami, der in der in der Nacht zum Sonntag (MEZ) auf das schwerste Erdbeben seit 40 Jahren folgte, in Indonesien, Indien, Sri Lanka, Malaysia und Thailand Tausende Menschen in den Tod. Das Erdbeben selbst hatte eine Magnitude von 8,9. Sein Herd lag etwa zehn Kilometer unter der kleinen Insel Simeulue, die der Westküste der Nordspitze der indonesischen Insel Sumatra vorgelagert ist.

          Folge einer impulsiven Anregung

          Geowissenschaftler beschreiben Tsunamis nüchtern als sehr langperiodische Wellen, die mit großer Geschwindigkeit einen Ozean durchqueren können. Meereswellen entstehen normalerweise durch eine langdauernde Anregung, zum Beispiel wenn ein starker Wind über eine große Wasserfläche weht. Tsunamis sind dagegen die Folge einer impulsiven Anregung. Stark vereinfacht läßt sich das Entstehen einer solchen Flutwelle mit einem Tritt gegen einen auf dem Boden stehenden, mit Wasser gefüllten Eimer beschreiben. Dabei schwappt das Wasser über.

          Bild: F.A.Z.

          In der Natur entspricht einem solchem „Tritt“ eine ruckartige Bewegung des Meeresbodens. Sie kann beispielsweise bei einem Erdbeben durch die plötzlich auftretende Verschiebung des Untergrundes ausgelöst werden. Aber auch submarine Hangrutsche und Vulkanausbrüche sind in der Lage, eine solche Flutwelle auszulösen.

          Bis zu 30 Meter hoher Wellenberg

          Wie bei allen anderen Wasserwellen gilt auch für Tsunamis, daß die Höhe ihres Wellenkamms von der Wassertiefe abhängt. Auf dem offenen Meer sind solche Flutwellen nur wenige Dezimeter hoch. Sie fallen deshalb den Besatzungen von Schiffen nicht auf. Laufen die Flutwellen dagegen auf eine flache Küste zu, türmt die in ihnen steckende Energie das Wasser zu einem bis zu 30 Meter hohen Wellenberg, der wie ein gewaltiger Brecher alles wegschwemmt, was sich ihm in den Weg stellt.

          Die Verheerungen sind nicht nur auf die eigentliche Küste beschränkt. Häufig richten die Wellen noch Hunderte Meter weit im Hinterland Zerstörungen an, wenn sie beispielsweise in Flußmündungen einlaufen und ihre Energie dabei zu noch höheren Wellenkämmen fokussiert wird.

          Weil es entlang des Feuergürtels um den Pazifik zu vielen Erdbeben in Küstennähe kommt, hatten Wissenschaftler lange geglaubt, das Auftreten von Tsunamis beschränke sich allein auf den Stillen Ozean. So haben schon Flutwellen, die durch Erdbeben vor der Küste Chiles ausgelöst wurden, zu schweren Schäden in Japan geführt.

          Auch die Stadt Hilo auf der Insel Hawaii wurde mehrmals durch Flutwellen zerstört, die bei Erdbeben in Alaska entstanden. Wegen der mit den Tsunamis verbundenen großen Gefahr betreiben die Anrainerstaaten des Pazifiks schon seit fast 50 Jahren ein Warnsystem. Dazu werden der Zentrale auf der Hawaii-Insel Oahu alle starken küstennahen Erdbeben gemeldet. Wenn die in der Zentrale arbeitenden Wissenschaftler glauben, daß bei einem solchen Beben ein Tsunami entstanden ist, gehen Warnmeldungen an alle großen Küstenstädte.

          Kein Warnsystem für Indischen Ozean

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