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Auf dem Weg nach Kairo : Zwölf rätselhafte Minuten

Ein Schiff der ägyptischen Marine bei der Suche nach Wrackteilen im Mittelmeer Bild: AP

Nach dem Fund von Trümmern im Mittelmeer gibt es am Absturz der Egypt-Air-Maschine keinen Zweifel mehr. Bei der Suche nach der Ursache rätseln die Ermittler, was zwischen dem Abbruch des Funkkontaktes und dem Verschwinden der Maschine vom Radarschirm passiert ist.

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          Für die Angehörigen, die in einem Hotel in der Nähe des Flughafens von Kairo ausharren, war es die erste Nachricht, die so etwas wie Gewissheit verschaffte. Am Freitagmittag teilte das ägyptische Militär mit, es habe „ohne Zweifel“ Wrackteile des Airbus 320 der Fluggesellschaft Egypt Air gefunden, der auf dem Weg von Paris nach Kairo unterwegs gewesen war, bevor er in der Nacht zum Donnerstag vom Radar verschwand.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Mindestens ein Koffer, zwei Sitze und ein Leichenteil seien knapp 290 Kilometer nördlich der Hafenstadt Alexandria aus dem Mittelmeer geborgen worden, teilte wenig später der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos mit. Ermittler brachen zur Fundstelle auf.

          Letzte Zweifel, dass das vermisste Flugzeug tatsächlich abgestürzt ist, waren ausgeräumt. Der ägyptische Präsident Abd al Fattah al Sisi kondolierte den Angehörigen. Mit „großer Betroffenheit“ trauere man um die Opfer, die getötet worden seien, als das Flugzeug ins Meer stürzte, hieß es in einer Erklärung des Präsidialbüros. Eine Untersuchung solle Klarheit über die Ursachen dieses traurigen Zwischenfalls bringen.

          Hatte es einen schweren Systemfehler gegeben, einen gewalttätigen Zwischenfall? Oder war eine Bombe an Bord geschmuggelt worden? Das einzige, was mit großer Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann, ist, dass Terroristen das Flugzeug mit einer schultergestützten Flugabwehrrakete getroffen haben. Dafür flog der Airbus zu hoch.

          Am Freitag wurde in einer Moschee nahe des Kairoer Flughafens ein Trauergottesdienst für die Opfer des Flugzeugabsturzes abgehalten.

          Der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault bekräftigte am Freitag, dass die Regierung in Paris alle Möglichkeiten prüfe und dass es keine bevorzugte Hypothese zur Absturzursache gebe. „Wir haben absolut keinen Hinweis auf die Ursache“, sagte er dem Sender France 2. „Wir wollen die Wahrheit, die ganze Wahrheit.“

          Der ägyptische Luftfahrtminister Sherif Fathy hatte sich am Donnerstag gegenüber Journalisten zunächst äußerst zugeknöpft gezeigt, später aber gesagt, nach allem, was bekannt sei, halte er einen Terroranschlag für wahrscheinlicher. Auch der Chef des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, Alexander Bortnikow, äußerte am Donnerstag die Einschätzung, es handle sich allem Anschein nach um einen Terroranschlag.

          Athanassios Binis, der Chef der Behörde, die in Griechenland für die Flugsicherheit und die Untersuchung von Flugunfällen zuständig ist, sagte der „New York Times“, angesichts der vorliegenden Daten sei es schwer, an einen mechanischen Defekt zu glauben. Selbst wenn alle Triebwerke ausgefallen wären, wäre das Flugzeug noch weiter geglitten, als es das nach den Radardaten getan habe. 

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