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Sturm „Harvey“ : Trump geht von „sehr teurem“ Wiederaufbau aus

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Ausnahmezustand in Texas: John und Cathy Cservek werden mit ihren Hunden aus ihrem überfluteten Zuhause gerettet. Bild: AP

Der Tropensturm „Harvey“ hat in Texas Milliardenschäden angerichtet. Jetzt bereitet sich Louisiana auf verheerende Fluten vor. Präsident Trump verspricht Unterstützung. Die Finanzhilfen verschärfen Amerikas prekäre Haushaltslage.

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          Während Texas mit den Verwüstungen und Überschwemmungen durch Tropensturm „Harvey“ kämpft, bereitet sich auch der östlich gelegene Nachbarstaat Louisiana auf verheerende Fluten vor. In New Orleans sollten Schulen und Behörden am Dienstag geschlossen bleiben, wie die Verwaltung der größten Stadt des Bundesstaates am Montag (Ortszeit) anordnete. Bürgermeister Mitch Landrieu empfahl den Bewohnern, ihr Haus nicht zu verlassen. Er riet ihnen, Essen, Trinken und Medikamente für mindestens drei Tage vorrätig haben.

          Präsident Donald Trump hatte am Montag den Ausnahmezustand für Louisiana ausgerufen. Meteorologen rechnen damit, dass „Harvey“ am Dienstag leicht ostwärts wandern und damit auch Teile des Bundesstaates erreichen wird. Dort hatte es schon in den vergangenen Tagen heftig geregnet.

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          Kurz vor seinem Besuch in den Katastrophengebieten von Texas hat der amerikanische Präsident Donald Trump die Bewohner auf einen langen und schwierigen Wiederaufbau nach Tropensturm „Harvey“ eingestimmt. Im Moment habe die Rettung von Menschenleben Vorrang, sagte Trump am Montag vor Journalisten in Washington. „Alle mir untergeordneten Ressourcen stehen den Behörden vor Ort zur Verfügung.“ Der Wiederaufbau werde „sehr teuer“. Deswegen stehe er mit dem Kongress in Kontakt. Es werde auf Bundesebene schnelle Reaktionen geben. Der Präsident sprach den Menschen zugleich Mut zu: „Wir werden das überstehen. Wir werden gestärkt daraus hervorgehen und glaubt mir, wir werden größer, besser, stärker sein als jemals zuvor.“ Trump wird am Dienstag in der texanischen Stadt Corpus Christi erwartet, wo er sich über die Rettungsmaßnahmen informieren wird. Später will er weiter nach Austin reisen.

          „Harvey“ hat Texas weiter fest im Griff. Rettungskräfte kämpften bis in die Nacht gegen die Fluten. Die Küstenwache sprach von mehr als 3000 Menschen, die allein am Montag aus den überschwemmten Gebieten gerettet worden seien. Bis zum Abend (Ortszeit) bestätigten die Behörden offiziell drei Tote, manche Medien berichteten aber von höheren Zahlen. Zahlreiche Menschen wurden vermisst.



          Nach Einschätzung der Behörden könnte der Sturm in dem Bundesstaat bis zu 30.000 Menschen vorübergehend obdachlos machen. 54 Bezirke wurden zu Notstandsgebieten erklärt. Besonders betroffen ist die Millionenmetropole Houston, in deren Großraum 6,5 Millionen Menschen leben. Dort rettete die Polizei allein seit Montagmorgen 1000 Menschen aus den Fluten. Auch im Nachbarstaat Louisiana werden in den kommenden Tagen heftige Ausmaße befürchtet. Dort rief Trump ebenfalls den Ausnahmezustand aus.

          Ein Sender zählt insgesamt acht Todesopfer

          Nachdem am Wochenende bereits zwei Todesopfer in Texas gemeldet worden waren, teilte die Polizei vom Montgomery County am Montag mit, eine Frau sei in der Stadt Porter ums Leben gekommen, als ein Baum auf ihr Haus stürzte. Der Sender KHOU berichtete von sechs Insassen eines Kleinbusses, der im Hochwasser abgetrieben sei. Es werde befürchtet, dass die Menschen tot seien. Der Sender zählte damit insgesamt acht Todesopfer in der Gegend um Houston. Im Großraum Houston stehen große Gebiete unter Wasser. Der Höchststand wird Meteorologen zufolge erst in den kommenden Tagen erreicht.

          Houston unter Wasser : Keine Entwarnung nach Hurrikan „Harvey“

          Der Kongress kommt nächste Woche aus den Sommerferien zurück. Finanzhilfen für die Überschwemmungsopfer in Texas und auch im Bundesstaat Louisiana verschärfen auch die Haushaltslage weiter. In den Vereinigten Staaten muss die Schuldenobergrenze im Herbst angehoben werden, sonst droht eine Art Zwangsschließung der staatlichen Behörden. Dies würde Trump nach eigenen Angaben auch in Kauf nehmen, sollte der Kongress nicht wie von ihm gefordert finanzielle Mittel für den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko bewilligen. Auf die Frage, ob Trump wegen „Harvey“ seine Drohung überdenke, sagte der Präsident: „Das hat damit nichts zu tun.“

          Louisiana steht das Schlimmste wahrscheinlich noch bevor

          „Harvey“ ist mit Windgeschwindigkeiten von über 200 Kilometern in der Stunde der heftigste Sturm in Texas seit 1961. Tausende Menschen wurden in den vergangenen Tagen von der Polizei und Rettungskräften in Sicherheit gebracht, oft wurden sie per Hubschrauber von Dächern gerettet. In den gefluteten Häusern sitzen wahrscheinlich noch zahlreiche weitere Personen fest.



          Schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Der Nationale Wetterdienst warnte weiter vor sintflutartigen Regenfällen und Überschwemmungen. Der Sturm sog über dem am Ende des Sommers sehr warmen Golf von Mexiko extrem viel Feuchtigkeit auf, die er nun als Regen wieder abgibt. „Harvey“ bewegte sich dabei nur langsam vorwärts. Er könnte nach Einschätzung von Meteorologen des National Hurrican Center am Dienstag leicht ostwärts wandern und dann auch Teile Louisianas erreichen.

          Die Großbank JP Morgan schätzt die versicherten Schäden durch „Harvey“ auf zehn bis 20 Milliarden Dollar. Dies seien die Berechnungen nach dem bisherigen Stand. Damit könnte „Harvey“ zu einem der teuersten zehn Wirbelstürme der amerikanischen Geschichte werden. Allerdings wäre er für die Versicherer nicht so kostenträchtig wie Hurrikan „Katrina“, der 2005 New Orleans verwüstet hatte und die Branche 75 Milliarden Dollar kostete.

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