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Trauerfeier in L'Aquila : Italien trauert um die Erdbebenopfer

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Ein stiller Abschied von seinem Sohn Bild: REUTERS

Mit einer sehr emotionalen Trauerfeier hat Italien am Karfreitag Abschied genommen von den 289 Toten der Erdbebenkatastrophe. Papst Benedikt XVI. rief die Menschen in einem Grußwort auf, in der Stunde der Not zusammenzustehen. Am Morgen erst war die Region von schweren Nachbeben erschüttert worden.

          Erschüttert und unter Tränen haben 5000 Menschen am Karfreitag in der geschundenen Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila Abschied von den etwa 290 Opfern des verheerenden Erdstoßes vom Wochenanfang genommen. Für das bewegende Staatsbegräbnis waren geschmückte Holzsärge in vier Reihen auf dem Paradeplatz einer Polizeischule aufgestellt. Fernsehsender brachten den Italienern diese Bilder aus der zerstörten Stadt etwa 100 Kilometer nordöstlich von Rom in die Wohnzimmer. Überall im Land gedachte man der Toten. Sogar auf Flughäfen gab es Schweigeminuten.

          Die Fernsehkameras zeigten immer wieder tief gebeugte Menschen. Viele folgten mit geschlossenen Augen und voller Gram den Worten des Trostes, die Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone während der Totenmesse zu übermitteln versuchte. Der Vatikan erteilte dafür eigens einen Dispens (Sondergenehmigung), weil der Karfreitag der einzige Tag im Jahr der katholischen Kirche ist, an dem keine Messe gefeiert werden soll.

          Weiße Lilien und Orchideen schmückten die 205 Särge - darunter kleine weiße mit Kinderleichen, die auf den größeren braunen Särgen ihrer toten Mütter standen. Bleich im Gesicht nach ihren nächtelangen Einsätzen, die Helme unter dem Arm, verfolgten Feuerwehrleute die Zeremonie, die Staatsakt und Messe war. Ein Imam gedachte der sechs Muslime unter den Opfern. Auch Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi war zusammen mit Staatspräsident Giorgio Napolitano an diesem Tag der nationalen Trauer in Italien in die Abruzzen-Hauptstadt gekommen.

          Der Sarg eines Kindes steht auf dem Sarg seiner Mutter

          „L'Aquila ist nicht aufgegeben“

          „Dies ist die Zeit um zusammenzustehen“, erklärte der Papst, dessen Grußworte sein Privatsekretär verlas. „Nur Solidarität wird es uns möglich machen, diese schmerzliche Prüfung zu überstehen.“ Er fühle sich im Geiste bei den Trauernden in den Abruzzen und teile ihre Not, erklärte Papst Benedikt XVI. Diese dürften jetzt Mut und Hoffnung nicht verlieren. Der Papst hat angekündigt, nach Ostern das Erdbebengebiet zu besuchen.

          Die „rechte Hand“ Benedikts, Tarcisio Bertone sagte : „Nehmen wir zusammen den Weg wieder auf, tragen wir gemeinsam den Schmerz.“ Für diese Ermutigung dankte die Trauergemeinde mit leisem Beifall. „L'Aquila ist nicht aufgegeben, weder von Gott noch von den Menschen.“ Auf diesen Punkt brachte es der Erzbischof von Chieti, Bruno Forte. Am fünften Tag nach dem Abruzzen-Beben ist Italien auch stolz darauf, gemeinsam angepackt und rasch Hilfe geleistet zu haben. Und immer wieder wird in L'Aquila das Hoffen auf eine bessere Zukunft beschworen, wenn die Wunden verheilt und die Tausenden von zerstörten Häuser neu aufgebaut sind. „Von dem Tag heute muss ein Signal für die Zukunft ausgehen, denn L'Aquila wird wieder auferstehen“, so Forte.

          Auch Hilfe aus Deutschland zugesagt

          Ohne viel Hoffnung wird unterdessen in den Trümmern weiter nach Verschütteten gesucht. Bis zum Ostersonntag wollen die Helfer noch nach Überlebenden graben, dann wird die Aktion eingestellt. Hunderte von Nachbeben haben ihre verzweifelte Suche in den vergangenen Tagen immer wieder erschwert. Eine Mutter kam mit ihrer Tochter bei einem Nachbeben am Donnerstag um. Unter den Geborgenen sind 20 Kinder. Das Erdbeben der Stärke 5,8-6,2 am Montagfrüh war das verheerendste in Italien sei 1980. Damals kamen im Süden bis zu 3000 Menschen um.

          Der Wiederaufbau dürfte angesichts Zehntausender zerstörter Häuser nach Schätzungen der Regierung 1,2 Milliarden Euro kosten. Ganze Orte müssen neu aufgebaut werden. Berlusconis Kabinett beschloss bereits am Donnerstag Finanzhilfen für die schwer betroffene Bevölkerung und zusätzliche 100 Millionen Euro für den Zivilschutz. In der Woche nach Ostern soll ein Abruzzen-Dekret mehr Hilfe auf den Weg bringen.

          Die Bundesregierung sagte Italien Hilfe für den Wiederaufbau der zerstörten Ortschaft Onna zu. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sicherte seinem italienischen Kollegen Franco Frattini in einem Telefonat zu, die Rekonstruktion der Dorfkirche aus dem 18. Jahrhundert zu unterstützen, wie das Auswärtige Amt am Freitag mitteilte. Onna liegt vor den Toren von L´Aquila in den Abruzzen und wurde am Montag durch das verheerende Erdbeben vollständig zerstört. 50 der annähernd 300 Einwohner sind vermutlich ums Leben gekommen.

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