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Kletterer tödlich verunglückt : „Er war ein so herzlicher, liebenswürdiger Mensch“

Brad Gobright, der 1988 in Kalifornien geboren wurde, begann mit sechs Jahren zu klettern. Bild: Facebook/brad.gobright

Für den Extremkletterer Brad Gobright war der Tod stets ein Risiko, das er für seine große Leidenschaft bereit war zu tragen. Nun ist der junge Mann tödlich verunglückt – und seine Weggefährten huldigen ihm.

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          Der amerikanische Spitzenkletterer Brad Gobright ist am Mittwoch bei einem Abseil-Unfall tödlich verunglückt. Der Einunddreißigjährige hatte zuvor mit seinem Kletterpartner, dem fünf Jahre jüngeren Amerikaner Aidan Jacobson, die Route El Sendero Luminoso im mexikanischen Klettergebiet El Potreto Chico nördlich von Monterrey durchstiegen. Gobright hatte die anspruchsvolle Route „onsight“ bewältigt, also jede der 15 Seillängen im ersten Versuch und ohne Sturz geschafft. Beim Abseilen kam es dann zu dem tödlichen Unglück. Die genaue Ursache war zunächst offen.

          Bernd Steinle
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die beiden Kletterer hatten sich mit einem einzigen 80-Meter-Seil abgeseilt, das ist eine spezielle Technik, die eine genaue Abstimmung unter den Kletterern erfordert. Jacobson sagte später, er sei ein Stück oberhalb von Gobright gewesen, als er plötzlich ein Geräusch gehört habe und beide Männer, knapp zehn Meter oberhalb eines Absatzes, den sie erreichen wollten, zu fallen begannen. Jacobson stürzte in ein Gebüsch, das ihn abbremste, und landete schließlich auf dem Absatz. Er könne sich nur noch daran erinnern, gesehen zu haben, wie das blaue Shirt seines Partners über den Rand in die Tiefe gestürzt sei, sagte Jacobson dem Magazin „Outside“. Gobright kam bei dem Absturz ums Leben. Jacobson erlitt eine Verletzung am Fußknöchel.

          Brad Gobright war als Kletterfreak bekannt, als charismatischer Individualist, für den das Klettern zum Lebensinhalt wurde und seinen Lebensstil formte – sein Zuhause etwa war ein Honda Civic aus den neunziger Jahren. Gobright war für seine enorme Fingerkraft bekannt, er kletterte auch schwierige Routen gerne „free solo“, also ohne Seilsicherung. Mit seinem Partner Jim Reynolds hielt er zeitweise den Speed-Rekord an der prestigeträchtigen Route The Nose am El Capitan im Yosemite-Nationalpark. Ihre Zeit von 2:19:44 Stunden wurde später von den Kletterstars Alex Honnold und Tommy Caldwell unterboten.

          „Er war ein so herzlicher, liebenswürdiger Mensch“, schrieb Honnold nach Gobrights Tod auf Instagram, „einer von einer Handvoll Kletterpartnern, mit denen ich es immer geliebt habe, den Tag zu verbringen. Das Klettern hat eine echte Lichtfigur verloren.“

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