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Nach Vulkanausbruch : Tongas Regierung beklagt „beispiellose Katastrophe“

Graue Südsee: Die Luftaufnahme eines neuseeländischen Militärflugzeugs von der Insel Nomuka zeigt dichte Ascheschichten über der sonst grünen Vegetation. Bild: Reuters

Nach dem Vulkanausbruch ist die Kommunikation Tongas mit der Außenwelt immer noch gestört. Inzwischen sind drei Todesopfer zu beklagen.

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          Drei Tage nach dem gewaltigen Vulkanausbruch und dem dadurch ausgelösten Tsunami hat sich erstmals die Regierung des pazifischen Inselstaats an die Außenwelt gewandt. Die Regierung von Tonga sprach am Dienstag in einer Mitteilung von einer „beispiellosen Katastrophe“. Sie bestätigte zunächst drei Todesopfer sowie eine unbestimmte Anzahl von Verletzen. Bei den Toten handele es sich um eine britische Staatsbürgerin, eine 65 Jahre alte Frau von der Insel Mango und einen 49 Jahre alten Mann von der Insel Nomuka. Der erste bestätigte Todesfall war demnach die 50 Jahre alte Britin. Sie hatte laut ihrer Familie in Tonga eine Hilfsorganisation für Hunde geleitet. Eine Welle habe sie erfasst, als sie mit ihrem Ehemann einige der Hunde retten wollte. Ihr Mann habe sich an einem Baum festgehalten, aber die Frau sei ins Meer gezogen worden.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Befürchtet wird, dass die Zahl der Todesopfer noch steigen könnte. Der Regierung zufolge hat die Katastrophe auf einigen der mehr als 170 Inseln des Archipels schwere Schäden angerichtet. Einen ersten Eindruck davon geben die Luftaufnahmen, die das neuseeländische Militär am Dienstag veröffentlichte. Sie zeigen Inseln und Küsten, auf denen sich anstatt grüner Vegetation nun eine grau-schwarze Landschaft erstreckt. Die Fotos waren am Montag von der Besatzung eines neuseeländischen Militärflugzeugs des Typs P-3K 2 Orion aufgenommen worden. Sie sehen aus wie mit einem Sepia-Filter bearbeitet. Über die Hauptinsel Tongatapu hat sich nach Angaben von Augenzeugen eine zwei Zentimeter dicke Schicht aus Asche gelegt. Die Luftpatrouillen berichteten zudem von schweren Schäden an der Westküste Tongatapus. 21 Häuser wurden dort komplett und 35 Häuser schwer zerstört, wie die Regierung mitteilte.

           Insgesamt sind laut UN-Nothilfebüro (OCHA) mindestens 50 Häuser zerstört und 100 stark beschädigt worden. Schwerer als die Hauptinsel waren wohl auch einige der kleineren Inseln betroffen. So seien auf Mango alle Häuser und auf der Insel Fonoifua alle bis auf zwei Häuser zerstört worden. Auch die Insel Nomuka sei teilweise verwüstet. Dort hatte die UN-Agentur UNOSAT aus Satellitenbildern geschlossen, dass von 104 sichtbaren Häusern 41 Schäden aufwiesen. Über die Situation auf der kontaktlosen Ha’apai-Inselgruppe, zu der auch Mango und Fonoifua gehören, hatten sich Hilfsorganisationen besonders besorgt geäußert. Die Bewohner der betroffenen Gebiete sollen nun in Sicherheit gebracht werden.

          Bild: F.A.Z.

          Nach Angaben von Hilfsorganisationen bleibt vor allem die fehlende Kommunikation mit dem Inselstaat eine große Herausforderung. Wie die Regierung bestätigte, waren die Internet- und Telefonverbindungen ins Ausland komplett zusammengebrochen. Telefonate seien nur inländisch auf der Hauptinsel Tongatapu und einer Nebeninsel möglich. Dennoch sei es gelungen, durch die Entsendung von Patrouillenbooten Kontakt mit den äußeren Inseln aufzunehmen. Laut OCHA ist die Lage in der Hauptstadt Nuku’alofa stabil. Bewohner hätten mit dem Aufräumen begonnen. Der Flughafen der Insel werde von Asche gesäubert. Der Zustand der Landebahn verhindert derzeit offenbar die Landung von Hilfstransporten. In Neuseeland steht ein Militärflugzeug des Typs C-130 Hercules bereit, um Wasserbehälter, Generatoren und Hygieneartikel nach Tonga zu liefern. Zudem will Neuseeland zwei Marineschiffe mit Trinkwasser und Hilfsgütern schicken. Im ostaustralischen Brisbane soll das Militärschiff HMAS Adelaide mit Hilfsgütern beladen werden und ebenfalls in Richtung Tonga weiterfahren.

          Neuseeland werde alles tun, um die Hilfsbemühungen zu unterstützen, kündigte Premierministerin Jacinda Ardern an. In dem abgelegenen Inselstaat gibt es allerdings Befürchtungen, dass mit den Hilfslieferungen auch das Coronavirus eingeschleppt werden könnte. Tonga gilt als frei von Covid-19. Ein in Australien stationierter Diplomat aus Tonga drückte die Sorge aus, dass die Hilfsbemühungen das Virus auf die Insel bringen könnten. „Wir wollen nicht noch eine Welle mitbringen – einen Covid-19-Tsunami“, sagte er der Agentur Reuters.

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