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Im August 2010: Angela Madsen in ihrem Ruderboot in Long Beach in Kalifornien Bild: Getty

Tod im Pazifik : Abenteurerin Angela Madsen verunglückt

Fast die Hälfte der Strecke von Kalifornien nach Hawaii war die Behindertensportlerin Angela Madsen schon gerudert. Dann wurde sie leblos im Wasser aufgefunden.

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          Bei dem Versuch, allein von Kalifornien nach Hawaii über den Pazifischen Ozean zu rudern, ist die amerikanische Abenteurerin und Behindertensportlerin Angela Madsen ums Leben gekommen. Madsen war 2007 als erste Behindertenathletin solo über den Atlantik gerudert, zwei Jahre später hatte sie mit der Britin Helen Taylor den Indischen Ozean überquert. Nun war sie nach Angaben ihrer Ehefrau Debra seit 60 Tagen auf dem Pazifik unterwegs gewesen und hatte gut 2000 Kilometer zurückgelegt, fast die Hälfte der geplanten Strecke. Madsen sei regelmäßig mit ihr in Kontakt gewesen, wie auch mit einer Filmcrew, die ihre Pazifik-Überquerung dokumentieren wollte. In ihrer letzten Nachricht am Sonntagmorgen habe sie angekündigt, für eine technische Reparatur am Boot ins Wasser gehen zu wollen, dann sei der Kontakt abgebrochen.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Ihre Tracking-Daten legten nahe, dass die 60 Jahre alte Madsen nicht mehr ruderte, sondern das Boot nur noch dahintrieb. Debra Madsen alarmierte die amerikanische Küstenwache, die ein Flugzeug entsandte, zudem habe ein in Deutschland registriertes Frachtschiff, das von Kalifornien nach Tahiti unterwegs war, die Unglücksstelle angesteuert. Beim Überflug habe die Küstenwache Madsen, die mit einer Sicherheitsleine ans Boot gebunden war, leblos im Wasser treibend entdeckt. Die Besatzung des Frachtschiffs habe den Leichnam am späten Montagabend geborgen.

          Ein Behandlungsfehler führte zur Lähmung

          Das tödliche Unglück rief Bestürzung hervor. „Sie hatte ein Leben, das durch unglaubliche Härten geprägt war, und doch überwand sie alle Rückschläge und nahm genau den Weg, den sie sich als junges Mädchen erträumt hatte“, schrieb Debra Madsen auf ihrer Internetseite. Angela Madsen wurde mit 17 Jahren Mutter und beschloss, sich dem Marine Corps anzuschließen. Auf ihrem ersten Posten in Irvine (Kalifornien) fiel sie bei einem Basketballturnier auf und wurde ins Team des Marine Corps berufen. Bei einem Unglück im Training erlitt sie eine Bandscheibenverletzung, die durch Behandlungsfehler 1993 zu einer Querschnittlähmung führte. Der Streit mit dem Militär über die Übernahme der Behandlungskosten ruinierte sie finanziell, ihre Ehe scheiterte, sie rutschte in die Obdachlosigkeit, litt unter Depressionen.

          Bei einer Veteranensportveranstaltung entdeckte sie den Rollstuhlbasketball für sich. Mit dem Sport fand sie neuen Antrieb, eine neue Lebensperspektive. Sie begann mit dem Rudern und wurde eine erfolgreiche Behindertensportlerin. 2008 nahm sie in Peking erstmals an den Paralympics teil. Vier Jahre später in London trat sie in der Leichtathletik an und gewann unter anderem die Bronzemedaille im Kugelstoßen. Bei den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro wurde sie Siebte im Speerwurf und Achte im Kugelstoßen. Zwei Jahre zuvor war ihre Autobiographie „Rowing Against the Wind“ erschienen.

          „Angela war eine Kriegerin“

          Angela Madsen, die schon 1981 während ihrer Militärzeit ihre Homosexualität öffentlich gemacht hatte, beeindruckte viele Menschen durch ihre Willensstärke und ihren Kampfgeist. „Angela war eine Kriegerin, von unbändiger Härte“, schrieb Debra Madsen in ihrer Abschiedsbotschaft. Im Mai 2014 war Madsen schon einmal mit der Neuseeländerin Tara Remington von Kalifornien nach Honolulu gerudert, um mit der Unternehmung Militärangehörige zu ehren, die im Dienst ihr Leben verloren hatten. „Sie kannte die Risiken besser als jeder von uns“, schrieb Debra Madsen, „und sie war bereit, diese Risiken einzugehen, weil auf dem Meer zu sein sie glücklicher machte als alles andere.“

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