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Betonplatte auf der A3 : Schlampige Prüfer sollen Unfall mitverursacht haben

  • -Aktualisiert am

Ein externer Gutachter werde die Verfahren von Straßen.NRW bei „Überwachung, Abnahme und Prüfung“ untersuchen, so der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU). Bild: dpa

Mitte November wird eine Frau auf der A3 in Köln von einer Betonplatte erschlagen. Nun ergab ein Bericht des nordhrein-westfälischen Verkehrsministers: Nicht nur Baupfusch führte zu dem tödlichen Unglück.

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          Der tödliche Unfall mit einer tonnenschweren Betonplatte auf der Autobahn 3 in Köln war nicht nur auf Baupfusch zurückzuführen, sondern auch auf gravierende Nachlässigkeiten des Landesbetriebs Straßen.NRW und schlampige Prüfer. Das geht aus einem Bericht des nordrhein-westfälischen Verkehrsministers Hendrik Wüst (CDU) an den Landtag hervor. Demnach waren die Befestigungsmängel an mehreren Lärmschutzwandelementen der Bauaufsicht von Straßen.NRW anders als zunächst angenommen doch bekannt.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Durch die Auswertung von Bauakten kam nun heraus, dass die Elemente im Sommer 2008 von der beauftragten Firma ohne einen vom Landesbetrieb ausdrücklich eingeforderten statischen Nachweis für die angewandte improvisierte Aufhängungsweise montiert worden waren. Später wurde der Mangel zwar mehrfach von Straßen.NRW moniert, aber von der Baufirma nicht beseitigt. Statt weiter darauf zu insistieren, nahm Straßen.NRW die Lärmschutzwand unter Vorbehalt ab. Eine „Ersatzvornahme“ – also die Ausbesserung durch eine andere Firma – sei „zu keinem Zeitpunkt“ geprüft worden, heißt es in dem Bericht.

          Gefährliche Mängel wiederholt übersehen

          Bei späteren, nicht regelkonform vorgenommenen Prüfungen wurde der gefährliche Mangel dann laut Bericht wiederholt übersehen, weil die Kontrolleure anders als vorgeschrieben nicht hinter die Elemente schauten. Die letzte Hauptprüfung im September 2013 (bei der die Schallschutzwand von den Kontrolleuren die Note 1,0 bekam) erfolgte zudem „offenbar in Unkenntnis des in der Abnahmeniederschrift dokumentierten Vorbehalts“ wegen der improvisierten Aufhängung, heißt es in dem Bericht. Die Gewährleistungsfrist endete drei Wochen später. Die nächste turnusmäßige Prüfung hätte eigentlich 2019 stattfinden müssen, sie wurde aber wegen eines erheblichen „Prüfungsüberhangs“ verschoben. Das aus der Verankerung gerissene Betonelement war Mitte November auf einen Kleinwagen gestürzt. Die 66 Jahre alte Fahrerin starb noch an der Unfallstelle.

          „Wir müssen jetzt schnell herausfinden, ob es sich um eine Verkettung individueller Fehler und Versäumnisse handelt, oder ob ein generelles Defizit in den Abläufen und der Organisation der Bauwerksprüfung des Landesbetriebes vorliegt“, sagte Wüst der F.A.Z. Ein externer Gutachter werde die Verfahren von Straßen.NRW bei „Überwachung, Abnahme und Prüfung“ untersuchen. „So stellen wir sicher, dass solch ein tragischer Unfall nie wieder passiert.“

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