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Tödlicher Schulbusunfall : „Kurz nach 7.30 Uhr hat sich die Welt verändert“

Rettungskräfte stehen neben dem verunglückten Schulbus bei Eisenach. Bild: dpa

Nach einem Busunglück in Thüringen können zwei acht Jahre alte Kinder nur noch tot geborgen werden. Fünf weitere Kinder sind schwer verletzt. Viele der Ersthelfer der Freiwilligen Feuerwehr kennen die Kinder und deren Familien.

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          Der Schock ist den Einsatzkräften ins Gesicht geschrieben bei der kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Donnerstagvormittag in Eisenach. „Die Situation vor Ort war bedrückend“, sagt einer der Einsatzführer sichtlich bewegt. „Die Einsatzkräfte haben Großes geleistet.“ Viele der Ersthelfer der Freiwilligen Feuerwehr kennen die Kinder sowie deren Familien, was die Bewältigung des Unglücks erschwere. Der Landrat des Wartburgkreises sagt, dass sich „heute Morgen, kurz nach 7.30 Uhr die Welt verändert“ habe. „Wenn zwei Kinder ums Leben kommen, dann bleibt die Welt für einen Moment stehen.“ Dann berichtet der Leiter der Polizeiinspektion Gotha, Günther Lierhammer, was die Polizei bisher über den Unfallhergang weiß.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          „Die Unfallursachenforschung ist noch in vollem Gang“, sagt Lierhammer. Doch weil sich die Nachricht von dem Unglück in Windeseile verbreitet habe, wolle er zumindest die ersten, wenn auch noch groben, Erkenntnisse mitteilen. Demnach sei der Schulbus mit 22 Kindern zwischen acht und elf Jahren auf dem Weg zur Grundschule um 7.30 Uhr auf der Ortsumfahrung Berka vor dem Hainich nordöstlich von Eisenach durch eine Senke gefahren, in die es zunächst steil hinab und dann wieder steil bergauf gehe. Beim Hinauffahren sei der Bus auf der glatten Kopfsteinpflasterstraße ins Rutschen gekommen, seitlich von der Straße abgekommen, habe sich mehrfach überschlagen und sei schließlich an einem Wassergraben auf der Seite liegengeblieben.

          Die kurz darauf alarmierten Einsatzkräfte seien bereits zehn Minuten später am Unfallort gewesen, hätten jedoch, nachdem sie den Bus auf der Suche nach Vermissten angehoben hätten, zwei acht Jahre alte Kinder nur noch tot bergen können. Fünf weitere Kinder seien schwer verletzt in umliegende Krankenhäuser gebracht worden, Lebensgefahr bestehe für sie jedoch nicht. Weitere 15 Kinder, zum Teil mit leichten Verletzungen, seien auf Anordnung des Notarztes zur Behandlung sowie zur Beobachtung ebenfalls in Krankenhäuser gebracht worden. „Das Unfallbild hat den Einsatzkräften alles abverlangt“, sagte Lierhammer. Bisher gebe es keine Kenntnisse, ob ein technischer oder ein Fahr-Fehler das Unglück verursacht haben könnten. Der Busfahrer sei körperlich unversehrt, stehe jedoch unter Schock.

          Dem Landratsamt zufolge ist der Bus extra für die Grundschüler eingesetzt, er fahre täglich auf der Nebenstrecke, damit die Schüler nicht auf der viel befahrenen Hauptstraße ein- und aussteigen müssten. Der Thüringer Kultusminister Helmut Holter (Linke), der zuvor in der Grundschule war, sagte auf der Pressekonferenz, dass alle Eltern über das Unglück informiert worden seien, ebenso die umliegenden Schulen, die Geschwisterkinder der Verunfallten besuchten. Zurzeit seien Schulpsychologen vor Ort. Die Schule selbst werde am Freitag wieder öffnen, dann aber ebenfalls mit Schulpsychologen sowie mehr Lehrpersonal, das von anderen Schulen abgeordnet werde, um die Situation zu bewältigen.

          „Der ganze Ort ist im Schockzustand“, sagte Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD), der zuvor die Unfallstelle besichtigt hatte, sprach den Angehörigen sein Beileid aus und dankte den Einsatzkräften. Es gebe für alle psychologische Betreuung, zudem würden nun Sachverständige analysieren, wie es zu dem Unfall kommen konnte. Die Ermittlungen werde die örtliche Polizeidienstelle führen. Thüringens geschäftsführender Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) erklärte via Twitter, er trauere mit den Eltern und Angehörigen. „Den Verletzten wünsche ich eine schnelle Genesung, und den Eltern wollen wir beistehen.“

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