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Terroranschläge : Zwischen 250.000 und 8,6 Millionen Dollar

  • Aktualisiert am

Die Angehörigen der Terroropfer erhalten Entschädigungszahlungen Bild: EPA

Die Opfer des 11. September sind finanziell entschädigt. Im Abschlußbericht des Entschädigungsfonds ist von einem „uneingeschränkten Erfolg“ die Rede. Doch die Unterschiede in der Bemessung führten zu Streit.

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          Die Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 haben aus dem staatlichen amerikanischen Entschädigungsfonds insgesamt mehr als sieben Milliarden Dollar bekommen. Das teilt der Verwalter des „September 11th Victim Compensation Fund“, Kenneth Feinberg, in seinem nun vorgelegten Abschlußbericht mit.

          Feinberg bezeichnet das Entschädigungsprogramm als „uneingeschränkten Erfolg“. Wegen der unterschiedlich hoch bemessenen Entschädigungen sei es aber zu Streit gekommen. Deshalb wäre es vielleicht besser gewesen, den 5560 Anspruchsberechtigen die gleiche Entschädigungssumme zu zahlen.

          Erhebliche Spannbreiten

          Im Durchschnitt haben die Familien getöteter Opfer aus dem staatlichen Fonds jeweils mehr als zwei Millionen Dollar erhalten. An Personen, die bei den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York und bei dem Angriff auf das Pentagon verletzt worden waren - rund die Hälfte von ihnen waren Feuerwehrleute - wurden im Durchschnitt 400.000 Dollar ausgezahlt. Doch gab es in beiden Gruppen erhebliche Spannbreiten. Die höchste Entschädigung, 8,6 Millionen Dollar, bekam ein Opfer mit schwersten Verbrennungen. Der garantierte Mindestbetrag für Angehörige verstorbener Opfer betrug 250.000 Dollar.

          Zur Einkommenssituation der Opfer, die ein wichtiger Faktor bei der Bemessung der Entschädigung war, heißt es in dem Bericht, die meisten Verstorbenen (55,24 Prozent) hätten ein Jahreseinkommen von 25.000 bis 99.999 Dollar gehabt. Ein recht geringer Anteil (6,25 Prozent) habe weniger als 25.000 Dollar im Jahr verdient. Noch geringer (weniger als drei Prozent) sei der Anteil der Spitzenverdiener mit einem Jahreseinkommen von mehr als einer Million Dollar gewesen. Die Hinterbliebenen der 25 reichsten Opfer mit mehr als zwei Millionen Dollar Jahreseinkommen hätten im Durchschnitt 6,3 Millionen Dollar erhalten - die Entschädigungssumme richtete sich unter anderem nach dem noch zu erwartenden Lebenseinkommen.

          Abzüge wegen umstrittener Regelungen

          Fast drei Viertel der Verstorbenen hinterließen Angehörige, die finanziell von ihnen abhängig waren. Zur Einkommenssituation der verletzten Terroropfer, von denen gut die Hälfte Entschädigung wegen Atemwegsproblemen beantragte, heißt es, daß sie im Durchschnitt weniger als die Verstorbenen verdient hätten. 45 Prozent der Verletzten hätten ein Jahreseinkommen von weniger als 25.000 Dollar gehabt, und nur zwei Prozent hätten mehr als 125.000 Dollar im Jahr verdient.

          Deutliche Abzüge ergaben sich für die Opfer aufgrund umstrittener Regelungen, nach denen Zahlungen aus Lebensversicherungen, Pensionsfonds und andere Zahlungen staatlicher Behörden im Zusammenhang mit den Terroranschlägen auf die Entschädigungssumme anzurechnen waren. Insgesamt verringerten sich die Auszahlungen für die Angehörigen Verstorbener dadurch im Durchschnitt um fast 30 Prozent. Pro Familie ergab sich ein Abzug von durchschnittlich 855.000 Dollar.

          „Außerordentliche Bedürfnisse“ beachtet

          Doch gab es auch Fälle, in denen sich die Abzüge auf bis zu zehn Millionen Dollar summierten, so daß den Überlebenden am Ende nicht mehr als die Mindestentschädigung von 250.000 Dollar blieb. Andererseits wurden in 300 Fällen aber auch „außerordentliche Bedürfnisse“ der Opfer bei der Bemessung der Entschädigungsleistung anerkannt, zum Beispiel bei Familien mit schwerkranken Kindern. Auch Schwangerschaft galt als Faktor, der zu einer höheren Entschädigung berechtigte.

          Insgesamt entschlossen sich fast 98 Prozent der Anspruchsberechtigten, das Angebot staatlicher Entschädigung anzunehmen und dafür auf Schadenersatzklagen gegen Behörden und Fluggesellschaften zu verzichten. Nur achtzig Familien entschieden sich, vor Gericht für Entschädigungszahlungen zu streiten. Doch gab es auch 13 Familien, die nichts unternahmen, um Ansprüche geltend zu machen. Feinberg sagte, er habe den Familien Hilfe beim Ausfüllen der Entschädigungsanträge angeboten. Doch hätten sie sich psychisch außerstande gesehen, sich mit Entschädigungsfragen zu beschäftigen.

          Mindestens 38,1 Milliarden Dollar gezahlt

          Rechnet man die Leistungen von Versicherungen und Wohltätigkeitsorganisationen hinzu, haben die Opfer des 11. September nach einer Studie des Forschungsinstituts „Rand Corporation“ insgesamt Entschädigungszahlungen von mindestens 38,1 Milliarden Dollar erhalten. Der größte Teil, 62 Prozent, sei an New Yorker Geschäftsleute und Gewerbetreibende gezahlt worden. Etwa drei Viertel dieser Summe komme von Versicherungen. Personen, die bei den Terroranschlägen verletzt worden seien oder Angehörige verloren hätten, seien mit insgesamt 8,7 Milliarden Dollar entschädigt worden. Im Durchschnitt hätten die Opferfamilien 3,1 Millionen Dollar bekommen, das meiste davon aus dem staatlichen Entschädigungsfonds.

          Familien der 460 verletzten oder verstorbenen Rettungskräfte hätten zusammen 1,9 Milliarden Dollar erhalten. Vor allem dank der Unterstützung von Wohltätigkeitsorganisationen hätten sie pro Person durchschnittlich 1,1 Millionen Dollar mehr bekommen, als andere Opfer mit ähnlichen wirtschaftlichen Einbußen. Das meiste Geld für die Opfer der Terroranschläge, mindestens 19,9 Milliarden Dollar (51 Prozent), zahlten Versicherungen, gefolgt von staatlichen Stellen mit fast 15,8 Milliarden Dollar (42 Prozent). Die restlichen sieben Prozent der Entschädigungsgelder stammen von Wohltätigkeitsorganisationen, die Spenden von insgesamt 2,7 Milliarden Dollar sammelten.

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