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Taucher in Thailand : Unbekannte Helden in der Tiefe

Lieber im Hintergrund: Richard William Stanton und John Volanthen Bild: EPA

Zwei britische Taucher sind die Helden der spektakulären Rettungsaktion in Thailand. Aussagen der eingeschlossenen Jugendlichen machen jetzt Hoffnung auf ihre baldige Befreiung – gleichzeitig lässt der Wetterbericht die Sorgen wachsen.

          Die Briten feiern derzeit nicht nur ihre Helden in Russland, die sich am Dienstagabend über ein Elfmeterschießen (!) ins Viertelfinale der Fußballweltmeisterschaft befördert haben, sondern auch zwei bisher eher unbekannte Helden: die Höhlentaucher Richard William Stanton und John Volanthen, Hauptpersonen der spektakulären Rettungsaktion im Norden Thailands. Ohne die beiden Unterwasser-Spezialisten säßen die zwölf thailändischen Nachwuchskicker und ihr Trainer vielleicht noch immer unentdeckt in einer Höhle in Tham Luang Nang Non.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Gleich nachdem die thailändischen Behörden vor zwölf Tagen die Suche nach der Gruppe begonnen hatten, die nach einem Ausflug als vermisst gemeldet worden war, nahmen sie Kontakt zum „British Cave Rescue Council“ (BCRC) auf. Die Hilfsorganisation reagierte sofort und schickte zwei ihrer Besten. Stanton, der in den britischen Zeitungen als „Gesicht des britischen Höhlentauchens“ bezeichnet wird, stammt aus Coventry und arbeitet eigentlich als Feuerwehrmann.

          Die Rettungseinsätze in aller Welt sind sein „Hobby“ und „völlig freiwillig“, wie er auf der Taucher-Seite „divernet.com“ zitiert wird. Interviews, überhaupt Aufmerksamkeit, mag Stanton nicht. Als ihn die Journalisten in Thailand zu seiner Mission befragen wollte, drängte sich der Siebenundfünfzigjährige an ihnen vorbei und sagte barsch: „Wir haben zu tun.“ Auch Volanthen, zehn Jahre jünger als Stanton, ist ein Freiwilliger. Wenn er nicht gerade taucht oder Marathons läuft, arbeitet er als Computer-Ingenieur in Bristol.

          Rettungsaktionen in Wales, Irland und Norwegen

          Gemeinsam haben die beiden schon komplizierte Rettungsaktionen in Wales, Irland und Norwegen angeführt. Als vor acht Jahren der französische Taucher Eric Establie wegen einer Schlammlawine im Gorges de l’Ardèche nahe Marseille feststeckte, soll die französische Regierung gezielt nach Stanton und Volanthen verlangt haben. Nach acht Tagen konnten die beiden dann aber nur noch Establies Leichnam bergen. Für ihre Bemühungen bekamen sie eine Medaille von der Royal Humane Society. Zwei Jahre später wurde Stanton für seine Verdienste um das Tauchen der angesehen „Order of the British Empire“ verliehen.

          Um zu der thailändischen Gruppe vorzustoßen, die von Wasser eingeschlossen in einer Höhle verharrt, mussten sich Stanton und Volanthen über eine Strecke von vier Kilometern durch zum Teil schlammiges Wasser ohne Sicht und durch zahlreiche Gesteinsverengungen kämpfen. Das erfordert viel Training. „Sie tauchen täglich, lange Strecken, unter sehr herausfordernden und gefährlichen Umständen“, sagt ein Sprecher des BCRC. „Ein klares Urteilsvermögen und körperliche Regenerationsfähigkeit sind entscheidend für ihre persönliche Sicherheit und die Effizienz ihres Einsatzes.“ Unterstützt wurden Stanton und Volanthen von einem dritten britischen Höhlentaucher und einem weiteren Landsmann, einem in Chiang Rai lebenden Tauchexperten. Als sie schließlich am Montagabend die Gruppe entdeckten, filmten sie den Moment. „Wie viele seid Ihr?“ rief einer in die Höhle. „13!“, war die erleichterte Antwort.

          Zehn Taucher des thailändischen Militärs sind inzwischen bei den Eingeschlossenen angekommen und haben begonnen, den Jugendlichen, die zwischen elf und 16 Jahre alt sind, und ihrem 25 Jahre alten Trainer Tauchunterricht zu geben. Diskutiert wird auch noch, ob man einen Tunnel zu den Eingeschlossenen bohren soll, aber das würde lange dauern. Hoffnung machte die Aussage der Jugendlichen, sie hätten Hunde bellen und einen Hahn krähen hören. Womöglich gibt es also eine natürliche Öffnung, die nur entdeckt und vielleicht erweitert werden muss.

          Der Gouverneur der Provinz Chiang Rai, Narongsak Osottanakorn, sagte, es sei „schwierig“, die Fußballmannschaft rasch zu befreien, er wollte nicht über den Zeitraum spekulieren. Zumindest sind die Eingeschlossenen versorgt. Die thailändischen Militärtaucher, unter ihnen ein Arzt, haben Medikamente und Nahrung mitgebracht, und bald soll auch eine Telefonverbindung stehen, so dass die Kinder mit ihren Eltern Kontakt aufnehmen können.

          Am Donnerstag wuchsen zunächst die Hoffnungen, dass der Weg, auf dem die Gruppe in die Höhle gelangt war, schon in Kürze wieder freigelegt werden könnte. In den vergangenen Tagen gelang es dem Militär, mit Hilfe hunderter Pumpen den Wasserpegel um 40 Prozent senken. Ginge es in dem Tempo weiter, könnten die Kinder schon bald den Rücktritt antreten und müssten nur an wenigen Stellen Wasser durchwaten, berichteten zwei Reporter des „Guardian“ in Tham Luang.

          Allerdings werden schon wieder neue Regenfälle erwartet. Die „größte Sorge“ der Retter sei das Wetter, sagte  Gouverneur Narongsak bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Für Freitag sind neue Regenfälle vorhergesagt, welche die Fluten in der Höhle wieder ansteigen lassen könnten. „Wenn es wieder regnet, könnten unsere Bemühungen einen Rückschlag erleiden, wie es schon einmal passiert ist“ sagte Narongsak. „Wir rechnen aus, wie viel Zeit wir noch haben, wenn es regnet, wie viele Stunden und Tage.“

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