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Taucher in Thailand tot : „Unser Kollege wird nicht umsonst gestorben sein“

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Nachdem ein ehemaliger Navy-Seal-Soldat bei dem Rettungseinsatz in Thailand ums Leben gekommen ist, steigen die Sorgen um die eingeschlossenen Jugendlichen. Die Rettung muss offenbar schneller gehen als zunächst angenommen.

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          Bei der Rettungsaktion der in einer überschwemmten Höhle in Thailand festsitzenden Jungen ist ein Helfer ums Leben gekommen. Der 37 Jahre alte ehemalige Soldat der thailändischen Militäreinheit Navy Seal sei ertrunken, als er als freiwilliger Helfer im Einsatz gewesen sei, sagte der Vize-Gouverneur der Region Chiang Rai, Passakorn Boonyaluck, am Freitag vor Journalisten. Demnach hatte der Mann versucht, Sauerstoffbehälter in der Höhle zu plazieren und auf dem Rückweg das Bewusstsein verloren. Es ist der erste tödliche Zwischenfall bei den bislang glimpflich verlaufenen Bemühungen um eine Bergung der Jugend-Fußballer und ihres Trainers in der nördlichen Provinz Chiang Rai. Für den Gestorbenen werde es auf Anweisung des thailändischen Königs eine ehrenvolle Trauerfeier geben, erklärten die Behörden.

          Die Moral der Retter sei durch den Vorfall nicht in Mitleidenschaft gezogen, sagte der Vize-Gouverneur laut dem Fernsehsender Channel News Asia. „Bei einem Einsatz unter solchen Umständen kann alles passieren.“ Man werde die Mission fortsetzen, bis das Ziel erreicht sei. Der ums Leben gekommene Marinetaucher hatte dem Bericht zufolge seinen Beruf aufgegeben und am Flughafen in Bangkok gearbeitet. Nachdem er jedoch die Nachrichten über die eingeschlossene Fußballmannschaft gehört habe, sei er als freiwilliger Helfer zur Höhle gereist. Er habe Extremsportarten geliebt und sei Triathlet gewesen.

          Der Kommandeur der thailändischen Navy Seals, Apakorn Yookongkaew, sagte: „Wir sind dafür ausgebildet worden, um in riskanten Situationen zu arbeiten. Krankheit, Verletzungen und Tod sind ständige Bedrohungen, denen wir begegnen müssen. Dafür sind wir trainiert worden. Wir lassen uns nicht entmutigen. Wir werden uns nie zurückziehen. Wir werden dafür sorgen, dass unser Kollege nicht umsonst gestorben ist.“

          Die Jugendlichen im Alter zwischen 11 und 16 Jahren und ihr Trainer sitzen seit dem 23. Juni in der Höhle fest, nachdem ihnen Wassermassen den Rückweg abgeschnitten hatten. Das Team hatte die Höhle nach einem Training aufgesucht, war dabei wohl von einer Sturzflut überrascht worden – und hatte sich vor den Wassermassen immer tiefer ins Innere gerettet.

          Regenfälle erschweren Bergungsarbeiten

          Kurz bevor britische Rettungstaucher die Gruppe am späten Montagabend (Ortszeit) mehr als drei Kilometer vom Höhleneingang entfernt entdeckt hatten, war das Wasser in der Höhle nahe der Grenze zu Myanmar wieder angestiegen. Regenfälle erschweren die Bergungsarbeiten, in der Region am 20. nördlichen Breitengrad ist zwischen Juni und Oktober Regenzeit. Nachdem es mehrere Tage trocken war, begann es am Freitag wieder zu regnen. Der Regen hielt aber zunächst nicht lange an und war auch nicht sehr stark. Für die nächsten Tage sind aber heftige Gewitter vorhergesagt.

          Für die Rettung der Eingeschlossenen gibt es mehrere Szenarien. Entweder sollen die Kinder in Begleitung von Rettungstauchern aus dem überfluteten Teil der Höhle herausschwimmen. Dass das erfolgreich sein kann, scheint nach dem Tod des Militärtauchers allerdings sehr unwahrscheinlich. Der thailändische Navy-Seals-Kommandeur sagte dazu, dass man bei den Jugendlichen „mehr Vorsichtsmaßnahmen“ treffen werde.

          Zweitens könnte von oben eine Öffnung in die Höhlendecke gebohrt werden, um die Eingeschlossenen herauszuheben. Laut Journalisten vor Ort ist damit aber noch nicht mal angefangen worden. Das Gebiet ist zu schlecht erschlossen, außerdem liegt die Höhle fast einen Kilometer unter der Oberfläche. Behörden und Rettungskräfte favorisieren die Tauch-Variante. Allerdings muss die Rettung offenbar schneller gehen als zunächst angenommen: Das Zeitfenster für die Rettung sei „begrenzt“, sagte der Navy-Seal-Kommandeur am Freitag vor Journalisten. Demnach können die Jungen nicht das Ende der Monsunzeit abwarten.

          Vorbereitet werden die Nachwuchsfußballer – so gut es geht – mit Tauchunterricht. Trainiert wird vor allem das Aufsetzen der Tauchmasken und das Atmen unter Wasser. Medien diskutierten auch die Möglichkeit, die Höhle mit Hilfe von Pumpen so weit auszutrocknen, dass die Jungen sie zu Fuß verlassen könnten. Angesichts der Wassermassen erscheint diese Lösung derzeit aber unwahrscheinlich.

          Außerdem wollen die Retter nun Sauerstoff in die Höhle leiten. „Unsere Hauptaufgabe heute ist es, ein Rohr in die Kammer zu legen, damit die Gruppe mehr Luft zum Atmen bekommt“, sagte ein an der Rettungsaktion mitwirkender Armeegeneral, Chalongchai Chaiyakam, am Freitag. Der Sauerstoffgehalt in der Kammer liege aktuell bei rund 15 Prozent. Normalerweise beträgt der Sauerstoffgehalt in der Luft rund 20 Prozent. Wie lange die Eingeschlossenen noch ohne zusätzlichen Sauerstoff in der Höhle ausharren können, ließ der Armeegeneral offen. Auch sagte er nicht, wie lange die Einrichtung der Leitung dauern soll. Die Sauerstoffleitung müsse 4,7 Kilometer lang sein, um vom Höhleneingang bis zur Kammer zu reichen.

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