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Trocknet aus: Am Hoover-Damm sinkt der Wasserstand weiter. Bild: Reuters

Südwesten der USA : Immer heißer, trockener, gefährlicher

  • -Aktualisiert am

Im Südwesten der USA nehmen Dürre und Brände weiter zu. Meteorologen und Klimaforscher befürchten noch schlimmere Flächenbrände als im vergangenen Jahr – und Versorgungsengpässe.

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          Nichts zeigt die Dürre im amerikanischen Südwesten so eindrucksvoll wie die Trümmer von St. Thomas. Im Jahr 1865 waren mormonische Siedler in die Wüstenregion des heutigen Nevada gezogen, um sich dort niederzulassen. Sie bauten Kirche, Schule, Gemischtwarenladen. Als einige Jahre später bei einer Landvermessung die Grenze verschoben wurde und sich die Siedler in Nevada statt in Utah oder Arizona wiederfanden, zogen sie weiter. In St. Thomas ließen sich Kaufleute, Farmer und Minenarbeiter nieder – bis 1931 in der Nähe die Bauarbeiten für den Hoover-Damm begannen. Als Präsident Franklin D. Roosevelt die Talsperre, die den Colorado River zum Lake Mead staut, vier Jahre später eröffnete, versank die Pioniersiedlung in den Fluten des größten US-amerikanischen Reservoirs.

          Vor knapp 20 Jahren tauchte St. Thomas wieder auf. Trockenheit und hohe Temperaturen ließen den Wasserspiegel dramatisch sinken. Jedes Jahr legten sie mehr Felsen frei, schließlich auch die Ruinen von St. Thomas. In der vergangenen Woche meldete das Büro für Landgewinnung für Lake Mead einen Wasserstand von 326,6 Metern über Normalnull, den niedrigsten Wert seit Bau des Hoover Damms. Insgesamt sank der Wasserspiegel des Reservoirs, das mehr als 25 Millionen Amerikaner versorgt, in den vergangenen 20 Jahren um mehr als 42 Meter. „Ich habe bereits alle aufgefordert, Wasser zu sparen, nur noch kurz zu duschen, tropfende Wasserhähne zu reparieren und vernünftige Gärten anzulegen“, sagte der Gouverneur des Bundesstaats Utah, Spencer Cox. „Aber das wird nicht reichen. Wir brauchen göttliche Hilfe. Daher bitte ich alle Bewohner von Utah, gemeinsam zu beten.“

          Neben Versorgungsengpässen für Bundesstaaten wie Utah, Nevada, Arizona und Kalifornien befürchten Meteorologen und Klimaforscher auch noch schlimmere Flächenbrände als im vergangenen Jahr. 2020 waren im Westen der Vereinigten Staaten mehr als drei Millionen Hektar Wald und Buschland von Flammen überrollt worden. Kalifornien und Colorado registrierten die größten Flächenbrände seit Beginn der Aufzeichnungen. Dabei sah es im Juni 2020 im Vergleich noch gut aus. Damals zeigten die Dürrekarten nur vereinzelt gelbe oder hellorangefarbene Regionen, definiert als ungewöhnlich trockene oder leicht dürre Gebiete. In den vergangenen Wochen färbten sich die Karten des United States Drought Monitor dagegen bedrohlich orange, rot oder weinrot.

          Schon fast drei Viertel des Südwestens wurden als Gebiete mit starker, extremer oder außergewöhnlicher Dürre eingestuft. Während der Rekord für die höchste Stufe „exceptional drought“ in den vergangenen 20 Jahren bei elf Prozent der Fläche lag, hat sie jetzt schon die 27-Prozent-Marke erreicht. „Der Feuchtigkeitsgehalt der Vegetation geht weiter in den Keller“, teilte das Forschungslabor für Feuer und Wetter der San José State University mit. Bald würden kritische Werte erreicht.

          „Die Feuersaison beginnt immer früher“

          Nach dem niederschlagsärmsten Januar der vergangenen Jahrzehnte meldete die kalifornische Behörde für Forstwirtschaft und Brandschutz (Cal Fire) für 2021 mehr als 2000 Flächenbrände: „Die Feuersaison beginnt immer früher und zieht sich immer weiter in die Länge. Der Klimawandel scheint bei diesem Trend ein wichtiger Faktor zu sein.“ Höhere Temperaturen in Frühjahr und Sommer, eine dünnere Schneedecke in der Sierra Nevada und die früher einsetzende Schneeschmelze führten zu einer längeren und intensiveren Trockenzeit. „In den Sierras hat sie sich um etwa 75 Tage gezogen. Diese Verlängerung scheint mit der Zunahme von Flächenbränden in Kalifornien zu korrespondieren.“

          Der Nachbarstaat Arizona wird seit Tagen von Bränden heimgesucht. Bei Dürre, hohen Temperaturen und Windböen breitete sich das „Telegraph Fire“ östlich von Phoenix über mehr als 35.000 Hektar aus. „Es ist so trocken, dass selbst die Löschzüge Feuer auslösen“, warnte der Sprecher der Einsatzkräfte. Schon jetzt zählt der Flächenbrand zu den zehn größten in der jüngeren Geschichte Arizonas. Auch das Mescal-Feuer breitete sich über fast 30.000 Hektar aus.

          Die Bundesbehörde für Landesverwaltung sprach jetzt Verbote aus, um weitere Brände zu verhindern. Waffen dürfen in Arizona nur noch bei der Jagd abgefeuert werden, Werkzeuge wie Motorsägen bleiben im Grand Canyon State unter freiem Himmel verboten. Außer Trockenheit begünstigt auch menschliches Versagen die Feuersaison. „Etwa 95 Prozent aller Flächenbrände werden von Menschen ausgelöst“, sagte eine Sprecherin von Cal Fire. Raketen und Böller sollte man also am amerikanischen Nationalfeiertag am 4. Juli nicht abfeuern.

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