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Suche nach der Black-Box : Die Batterie reicht für 30 Tage

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Bild: F.A.Z.

Bergungsmannschaften der brasilianischen Marine haben am Mittwoch die Unglückstelle der Air-France-Maschine im Südatlantik angesteuert. Als schwerste Aufgabe gilt die Suche nach dem Flugdatenschreiber und dem Stimmenrekorder.

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          Über dem Atlantik gibt es keinen Radarempfang. Kurz hinter der Küste verschwindet jedes Flugzeug vom Schirm der Flugsicherung - verschollen ist es deshalb normalerweise nicht. Jeder Pilot sendet an definierten Punkten über dem Meer Position und Uhrzeit. „Diese Wegmarken liegen aber teilweise bis zu einer Stunde auseinander“, sagt Alexander Gerhardt-Madjidi, Vorstandsmitglied der Pilotenvereinigung Cockpit. „In dieser Zeit fliegt ein Flugzeug ungefähr 720 Kilometer - entsprechend groß ist das Gebiet, in dem die Maschine abgestürzt sein kann.“ Größere Trümmer sind zwar auch auf Satellitenbildern sichtbar, aber nur mikroskopisch klein.

          Bei der Suche nach im Meer abgestürzten Flugzeugen werden Schiffe, Flugzeuge und Hubschrauber eingesetzt. Die Koordination übernimmt das „Maritime Rescue Coordination Center“ (MRCC). Diese Leitstellen der Küstenländer sind in einem internationalen Verbund zusammengeschlossen. „Zunächst braucht man Informationen für das Suchgebiet, Wrackteile etwa oder einen abgegebenen Funkspruch“, sagt Andreas Lubkowitz von der Seenotleitung Bremen, dem deutschen MRCC. Im Falle der vermissten AF 447 war der letzte Hinweis das automatische Melden eines Elektronikausfalls. „Das sind wenige Informationen. Dann berechnet man die Absturzstelle. Man weiß, wann das Flugzeug abgeflogen ist, mit welchem Ziel und mit welcher Geschwindigkeit“, sagt Lubkowitz.

          Man braucht Unmengen von Schiffen

          Um den berechneten Suchgebietsmittelpunkt wird ein Radius von mehreren hundert Kilometern gezogen. Es werden Suchstreifen in unterschiedlicher Breite und Länge gebildet, die von Flugzeugen, Hubschraubern und Schiffen abgesucht werden. „Das ist eine sehr systematische Suche. Die Schiffe fahren von Nord nach Süd und von Ost nach West, die Flugzeuge fliegen in entgegengesetzter Richtung.“ Bei der Suche über Wasser werden Radarsysteme eingesetzt, unter Wasser Sonargeräte, die Ultraschallimpulse aussenden. So können Wrackteile geortet werden. „Für solch ein Riesengebiet wie vor der Küste Brasiliens braucht man Unmengen von Schiffen“, sagt Lubkowitz. Daher werde auch die zivile Schifffahrt mit in die Suche einbezogen. „Containerschiffe, Frachter oder Tankschiffe werden aufgefordert, ihre Kurse umzulegen.“

          Um zu klären, warum der Air-France-Airbus mutmaßlich abgestürzt ist, müssen die Suchmannschaften den Flugschreiber finden - und der liegt wahrscheinlich auf dem Grund des Atlantiks. Bis zu einer Tiefe von 6000 Metern können Marineschiffe mit einem Sonar das Signal der sogenannten Black Box orten: Diese hat eine Batterie, die automatisch aktiviert wird, sobald das Gerät ins Salzwasser fällt. Bei der Suche nach dem verschwundenen Airbus geht es nun darum, den Flugschreiber möglichst schnell zu finden. „Die Batterie reicht für ungefähr 30 Tage“, erklärt Karsten Severin von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen in Braunschweig - seine Behörde wäre zuständig für die Aufklärung des Unglücks, wenn das verschwundene Flugzeug zu einer deutschen Airline gehörte. „Wenn der Flugschreiber nicht in diesen 30 Tagen gefunden wird, kann es sein, dass die Unglücksursache nie ganz aufgeklärt wird.“

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